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Ausland

Expertengipfel zu 2019-nCoV geplant

Donnerstag, 6. Februar 2020

/shaadjutt36, stockadobecom

Genf – Die weltweit führenden Experten zum Coronavirus 2019-nCoV wollen sich am kommenden Dienstag und Mittwoch in Genf treffen. Sie sollen alle aktuellen Erkennt­nisse zur vor allem in China verbreiteten neuen Lungenkrankheit zusammentragen, wie die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) heute ankündigte.

Das globale Forschungstreffen werde sich nicht nur auf Fragen der Forschung und Ent­wicklung wie Therapien und Impfstoffe konzentrieren, sondern sich auch mit der mögli­chen Quelle des Virus und seiner Übertragbarkeit befassen. Außerdem werde es um die Entwicklung schneller Diagnosen und serologischer Test ge­hen, kündigte die WHO an.

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Der weitere Verlauf der Coronavirus-Epidemie ist aus Sicht der WHO schwer vorherzu­sagen. Er wolle nicht über die mögliche Ausbreitung spekulieren, erklärte WHO-Experte Michael Ryan heute auf einer Pressekonferenz in Genf. Außerhalb der besonders be­troffe­nen Gebiete in China scheine die Lage im Moment allerdings relativ stabil zu sein.

Den Menschen in Wuhan dankte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus für ihre Kooperation zum Wohle der gesamten Menschheit. „Wir stecken zusammen in dieser Sache. Wir sind ein Menschengeschlecht und ich weiß, dass wir dieses Virus besiegen wer­den.“ Zwar seien die Fortschritte bei der Analyse der Krankheit erstaunlich, allerdings gebe es weiter offene Fragen unter anderem zum Ursprung der Erkrankung, sagte Tedros.

Dem WHO-Chef zufolge sind die ersten Beiträge für die insgesamt 675 Millionen Dollar (613 Millionen Euro) zugesagt, die gebraucht werden, damit sich auch ärmere Ländern auf einen möglichen Ausbruch der Epidemie vorbereiten können.

Zahlen steigen weiter

Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen und der Todesfälle durch das neue Virus sind in China inzwischen weiter gestiegen. Innerhalb eines Tages waren bis heute 73 neue Tote zu beklagen, wie die chinesische Gesundheitskommission in Peking berichtete. Damit legte die Zahl der Toten in China auf insgesamt 563 zu. Die bestätigten Infektionen mit der Lungenkrankheit kletterten auch wieder stark um 3.694 auf 28.018 Fälle. Die Kommission sprach von mehr als 24.000 weiteren Verdachtsfällen.

Da die Ansteckung von Mensch zu Mensch anfangs nicht bekannt war, haben sich in Chi­na in den ersten Wochen auch viele Ärzte und Pfleger infiziert. Der chinesische Arzt Li Wenliang, der als einer der ersten vor dem Virus gewarnt hatte, soll nach Angaben der chinesischen staatlichen Zeitung Global Times an dem Virus gestorben sein. Der Spiegel berichtet mit Verweis auf einen Sprecher des Wuhan-Zentralkrankenhauses, Li sei an eine Maschine zur künstlichen Beatmung angeschlossen. Man kämpfe weiter um sein Leben.

Er und sieben weitere Teilnehmer einer Medizinergruppe waren nach ihrer Warnung zunächst von der Polizei vorgeladen und verwarnt worden und mussten unterschreiben, dass sie nichts mehr über den Ausbruch enthüllen.

Nach der Entdeckung von Virusinfektionen an Bord wurden in Japan und Hongkong zwei Kreuzfahrtschiffe mit rund 7.000 Passagieren und Besatzungsmitgliedern festgesetzt. Nachdem am Vortag bereits zehn Fälle auf dem Schiff „Diamond Princess“ vor Yokohama bestätigt worden waren, kamen heute zehn weitere Nachweise hinzu, wie das japanische Ge­sund­heits­mi­nis­terium mitteilte.

Die Betroffenen würden in örtliche Krankenhäuser ge­bracht. An Bord des Schiffes sind auch acht deutsche Staatsangehörige. Nach bisherigen Er­kennt­nissen sind sie nicht unter den Infizierten.

Außerhalb von Festland-China sind in mehr als zwei Dutzend Ländern rund 240 Infek­tio­­nen bestätigt. In Hongkong und auf den Philippinen waren zwei Tote zu beklagen. In Deutschland gibt es 13 Patienten, denen es den Umständen entsprechend gut geht. Darunter ist ein neuer Fall, der heute in Bayern bestätigt wurde.

Zwei waren unter den von der Bundeswehr zurückgeholten Deutschen aus der schwer betroffenen Metropole Wuhan in Zentralchina. Außerdem gibt es zehn Patienten in Bay­ern, die sich beim Autozulieferer Webasto bei einer Mitarbeiterin aus China angesteckt hatte. Die Infektion der Chinesin wurde erst nach dem Abflug aus Deutschland nachge­wiesen.

GlobalData hat ein interaktives Social-Media-Dashboard eingeführt, das Tweets zum Coronavirus verfolgt. Dafür wird eine Liste von Influencern genutzt, zu denen Ärzte, Chirurgen, Mediziner und andere Gesundheitsexperten gehören, die ihre Ansichten und Meinungen aktiv über Twitter austauschen. Den bisherigen Höhepunkt erreichten 154 Influencer am 31. Januar mit fast 500 Tweets.

Um die steigende Zahl der Kranken zu bewältigen, wandelt die chinesische Metropole Wuhan in der Provinz Hubei weitere Hallen und Gebäude in vorübergehende Bettenlager um. Ein Ausstellungsgelände, in dem 1.600 Betten aufgestellt wurden, nahm erstmals Pa­tienten auf. Zwei weitere Einrichtungen werden umgewandelt und sollen 2.800 zusätzli­che Betten zur Verfügung stellen. Besonders Patienten mit milden Symptomen sollen dort untergebracht werden.

In Wuhan alleine stieg die Zahl der bestätigten Infektionen bis heute innerhalb eines Ta­ges um 1.700 auf mehr als 10.100. Die 28 ausgesuchten Krankenhäuser, die für Corona­fälle bestimmt sind, bieten aber nur 8.250 Betten. Die Stadt will jetzt auch noch Hotels, Schulen, Turnhallen, Sportzentren und andere Stätten in Aufnahmelager für Quarantäne, Beobachtung oder Behandlung von Patienten umwandeln, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

„Wenn eine große Zahl von Patienten mit milden Symptomen daheim lebt oder Patienten unter Virusverdacht in der Gesellschaft herumlaufen, werde sie die Hauptquelle, die das Virus verbreitet“, warnte der Präsident der chinesische Akademie für medizinische Wissen­schaften, Wang Cheng, laut Xinhua. Derzeit seien mehr als 5.000 Personen zur Beobachtung in Quarantäne zentral untergebracht, weitere 20.000 seien daheim isoliert, berichtete die Staatsagentur.

Zur Behandlung von Erkrankten haben chinesische Behörden das amerikanische Anti-Vi­rus-Medikament Remdesivir für klinische Versuche mit dem neuen Coronavirus zugelass­en, wie Xinhua berichtete. Die erste Gruppe von Patienten solle das Medikament heute nehmen. Es habe gute Ergebnisse bei anderen Coronaviren wie Sars oder Mers und zumindest auf Zellebene auch bei dem 2019-nCov genannten neuen Virus gezeigt. 761 Patienten nähmen an den Tests teil. © dpa/aerzteblatt.de

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