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Arbeiterwohlfahrt ruft nach mehr Prävention gegen Kinderarmut

Donnerstag, 6. Februar 2020

/Aleksey, stock.adobe.com

Bochum – Bei der Bekämpfung von Kinderarmut in Nordrhein-Westfalen (NRW) muss nach Auffassung der Arbeiterwohlfahrt (AWO) die Prävention in den Familien noch früher ansetzen.

Vor allem junge alleinerziehende Mütter sollten stärker unterstützt werden, forderte der Vorsitzende der AWO NRW, Michael Scheffler, kurz vor einer Tagung des Landesverbands. Zu der Tagung unter dem Motto „Wenn Kinderarmut erwachsen wird“ hatte die AWO heute in Bochum eingeladen.

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Eine Langzeitstudie habe ergeben, dass sich Armut häufig über viele Jahre hinweg hart­näckig halte und dabei oft „weiblich“ sei, sagte Scheffler. „Doppelt so häufig sind es junge Frauen, die trotz gleicher Bildung wie ihre männlichen Altersgenossen in der Armut ver­bleiben.“ Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Haushalts­ein­kommens zur Verfügung hat.

Unter den Teilnehmern der Studie von AWO und dem Institut für Sozialarbeit und Sozial­pädagogik (ISS) verharrte etwa ein Drittel von ihrer frühen Kindheit bis ins Erwachsenen­alter hinein in Armut.

Verbandssprecher Jörg Richard zufolge ist eine weitere wichtige Erkenntnis aber auch: Noch häufiger sei es jungen Menschen gelungen, aus der Armutsspirale herauszukommen – etwa an Wendepunkten wie Schul- oder Ortswechsel oder dem Beginn einer Ausbil­dung. Unterstützung müsse daher noch gezielter auch an solchen Punkten in der Lebens­phase ansetzen.

Ausgang der Untersuchung ab 1999 waren Daten von fast 900 Kindern aus 60 AWO-Kitas bundesweit, der Schwerpunkt lag mit 21 Kindertagesstätten in NRW. Danach gab es eini­ge Wiederholungsbefragungen mit einer deutlich kleineren Personenzahl – zuletzt wur­den 205 junge Erwachsene 2018 erneut befragt, die schon als sechsjährige Kita-Kinder teilgenommen hatten.

Weil die Studie 1999 nur in Kitas der AWO begonnen hatte, ist sie nicht repräsentativ. Die Trends lassen laut Wohlfahrtsverband aber trotzdem Rückschlüsse für die Entwicklung im Land zu.

Die Armutssituation in NRW sei angespannter als im bundesweiten Durchschnitt, betonte Richard. Etwa jedes vierte Kind im bevölkerungsreichsten Bundesland wachse in materi­eller Armut auf – häufig verbunden mit Defiziten bei der gesundheitlichen Entwicklung, bei sozialen Kontakten und kultureller Teilhabe. Akteure aus U3, Kitas, Schulen, Familien­hilfe oder Schuldnerberatung sollten enger bei der „Querschnittsthematik“ zusammen­arbeiten.

Die Tagung will den Blick auch stärker auf alleinerziehende Mütter lenken, die in jungen Jahren eine Familie gegründet haben. Die Armutsgefährdungsquote von Alleinerzieh­enden in NRW lag 2018 bei rund 45 Prozent. © dpa/aerzteblatt.de

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