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Politik

1.976 Obdachlose in Berlin gezählt

Freitag, 7. Februar 2020

/dpa

Berlin – In Berlin sind bei der bundesweit ersten systematischen Obdachlosenzählung 1.976 Menschen gezählt worden – deutlich weniger als bisher angenommen. Davon sei­en gut 800 Menschen auf Straßen angetroffen worden, teilte Sozialsenatorin Elke Brei­ten­­bach (Linke) heute mit. Weitere 942 Menschen hielten sich demnach in den Einrich­tungen der Kältehilfe auf.

Breitenbach sieht die nun ermittelte Zahl und weitere Erkenntnisse zur Situation der Menschen auf der Straße als erste Grundlage, um Hilfsangebote zu verbessern und neue Modellprojekte zu starten. „Die ganze Wahrheit kennen wir freilich nicht“, räumte sie ein. „Natürlich werden wir nicht jeden Obdachlosen angetroffen haben.“ Daher seien weitere Zählungen geplant.

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Bisher existierten lediglich grobe Schätzungen zur Zahl der Obdach­losen in der Haupt­stadt. Diese gingen von 6.000 bis 10.000 Men­schen aus. Die Selbstvertretung wohnungs­loser Menschen kritisierte die Zählung. „Die Zahlen sind unrealistisch“, sagte eine Spre­cherin. Sie gehe von weit mehr Obdachlosen in Berlin aus. Wichtiger als eine solche Ak­tion sei es, mehr Wohnraum für Menschen ohne Bleibe zu schaffen.

„Man kann auch mal neue Wege gehen, man kann auch scheitern“, sagte Breitenbach zu der Kritik. „Aber sich das Elend weiter anzusehen, dafür stehe ich nicht zur Verfügung.“ Sie wolle mehr dagegen tun, und dafür seien valide Daten nötig.

Bei der Zählung wurden unter anderem auch die obdachlosen Menschen in S- und U-Bah­­nen (158), in Rettungsstellen (15) und in Polizeigewahrsam (12) berücksichtigt. Etwa ein Drittel der Obdachlosen auf den Straßen habe den Zählteams über die eigene Lebens­situation Auskunft gegeben, hieß es weiter. 55 Prozent von ihnen seien zwischen 30 und 49 Jahre alt, 84 Prozent seien Männer.

Fast die Hälfte (47 Prozent) der Menschen hat bereits seit mehr als drei Jahren keine feste Wohnung mehr. Gut 40 Prozent leben allein auf der Straße. Eine ähnliche Größenordnung lebt mit einem oder mehreren Erwachsenen zusammen, zum Teil in einer Liebesbezie­hung. Die anderen machten keine Angaben.

113 der 288 Befragten (39 Prozent) sind Deutsche, 140 EU-Ausländer, 31 kommen aus Drittstaaten, 4 machten keine Angaben. Eine Differenzierung der Ausländer nach Natio­na­litäten sei aus Gründen des Datenschutzes nicht möglich, hieß es. Bekannt ist aber schon länger, dass viele Ausländer auf der Straße aus früheren Ostblockstaaten wie Polen oder Rumänien kommen, die heute zur EU gehören.

Breitenbach kritisierte, dass diese oft kein Anrecht auf Sozialleistungen hätten. Hier sei der Bund in der Pflicht, Gesetze zu ändern. „Wir können nicht zusehen, wie diese Men­schen auf der Straße zugrunde gehen“, so die Senatorin. „Sie müssen die gleichen Leis­tungen bekommen wie alle anderen auch.“

Rund 2.600 Freiwillige waren in der Nacht vom 29. auf den 30. Januar auf festgelegten Routen in der Hauptstadt unterwegs, um Obdachlose zu zählen und ihnen nach Möglich­keit auch Fragen zu stellen – etwa nach Alter, Herkunft und ihrer Situation auf der Stra­ße. Mit der Aktion unter dem Titel „Nacht der Solidarität“ kam Berlin langjährigen Forde­rungen nach. Ziel ist es, anhand der Erkenntnisse die Hilfsangebote zu verbessern. © dpa/aerzteblatt.de

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