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Medizin

Kostengünstige Alternative zu CAR-T-Zellen bei Leukämien und Lymphomen erfolgreich

Freitag, 7. Februar 2020

/nobeastsofierce, stock.adobe.com

Houston – Eine Stammzellbehandlung mit gentechnologisch veränderten natürlichen Killerzellen hat in einer 1. klinischen Studie bei Patienten mit therapierefraktären Lymphomen und Leukämien häufig Remissionen erzielt. Die Behandlung mit den Zellen, die anders als die zugelassenen CAR-T-Zellen nicht für jeden Patienten eigens hergestellt werden müssen, hat sich laut dem Bericht im New England Journal of Medicine (2020; 382: 545-553) als gut verträglich erwiesen.

Für die beiden CAR-T-Zelltherapien Tisagenlecleucel und Axicabtagen werden T-Zellen der Patienten aus dem Blut isoliert und dann im Labor mit einem chimären Antigen-Rezeptor (CAR) ausgerüstet, der Krebszellen an ihrem Oberflächenmerkmal CD19 erkennt.

Die Herstellung der Zellpräparate ist aufwendig und die Kosten entsprechend hoch (320.000 Euro für eine einzige Behandlung mit Tisagenlecleucel). Die Behandlung belastet die Patienten durch ein Zytokin-Freisetzungssyndrom und eine erhebliche Neurotoxizität, weshalb die Behandlung nur in speziellen Zentren möglich ist, was die Kosten weiter erhöht.

Die Behandlung, die ein Team um Katayoun Rezvani vom MD Anderson Cancer Center in Houston jetzt an 11 Patienten erprobt hat, ist weniger aufwendig in der Herstellung, da sie im Prinzip nicht für jeden Patienten einzeln hergestellt werden müsste. Außerdem scheint sie besser verträglich zu sein.

Die Stammzellen, die Ausgangspunkt der Behandlung sind, stammen nicht vom Patienten selber, sondern von einer Stammzellspende aus Nabelschnurblut. Die Stammzellen werden allerdings nicht direkt übertragen, sondern zuvor im Labor gentechnisch modifiziert. Die Veränderungen werden nicht an T-Zellen, sondern an natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) vorgenommen. Diese werden im Labor mithilfe eines Retrovirus zum einen mit einem CD19 CAR ausgestattet. Dies ermöglicht es den NK-Zellen, die Krebszellen zu erkennen.

Um sie effektiver zu bekämpfen, wurden die NK-Zellen noch mit dem Gen für Interleukin 15 ausgerüstet. Als 3. Komponente fügten die Forscher eine induzierbare Variante des Gens Caspase 9 hinzu. Es hätte im Notfall eine Apoptose der genmodifizierten NK-Zellen ausgelöst.

Diese Reißleine mussten die Stammzellforscher jedoch bei keinem ihrer 11 Patienten ziehen, die an einem Non-Hodgkin-Lymphom oder einer chronischen lymphatischen Leukämie litten und nach 3 bis 11 Vorbehandlungen als therapierefraktär eingestuft wurden.

Bei keinem Patienten kam es zu einem Zytokin-Freisetzungssyndrom oder einer Neurotoxizität. Auch eine Graf-versus-Host-Reaktion durch die allogenen Stammzellen des Spenders blieb nach Auskunft von Rezvani aus. Die genmodifizierten NK-Zellen scheinen ihre Arbeit zu verrichten, ohne ihre Umgebung zu schädigen. Die maximal tolerierte Dosis wurde laut Rezvani nicht erreicht.

Die NK-Zellen erwiesen sich als effektiv. Von den 11 behandelten Patienten sprachen 8 (73 %) auf die Behandlung an: 7 Patienten (4 mit Lymphom und 3 mit Leukämie) erreichten eine vollständige Remission. Bei einem Patienten wurde die Richter-Transformation, bei der eine chronisch lymphatische Leukämie in eine höher maligne Form wechselt, rückgängig gemacht.

Die Reaktionen auf die Therapie erfolgten rasch. Bei allen Patienten kam es innerhalb von 30 Tagen zu einer Besserung. Die modifizierten NK-Zellen vermehrten sich im Knochenmark der Patienten und waren in geringer Menge auch nach 12 Monaten noch im Blut nachweisbar.

5 der 8 Patienten mit Remission erhielten eine Anschlussbehandlung: Bei 2 Patienten wurde in kompletter Remission eine Stammzelltherapie durchgeführt, die übrigen 3 erhalten Rituximab, Lenalidomid oder Venetoclax, da im Blut noch Krebszellen nachweisbar sind. Alle Patienten befinden sich nach bis zu etwa 20 Monaten noch in Remission.

Die NK-Zellen wurden in der Studie zwar für jeden Patienten einzeln hergestellt. Im Prinzip könnte eine Stammzellspende jedoch für mehrere Patienten verwendet werden, schreibt Rezvani. Die Verträglichkeit scheint gut zu sein. Die Nebenwirkungen wurden nach Einschätzung des Mediziners in erster Linie durch die Konditionierung ausgelöst. Vor einer Stammzelltherapie erhalten die Patienten eine Chemotherapie.

Von den Nebenwirkungen der Zytostatika erholten sich die Patienten laut Rezvani innerhalb von 1 bis 2 Wochen. Anders als die CAR-T-Zelltherapien könne die neue Behandlung auch ambulant durchgeführt werden, meint Rezvani. Die Universität hat die Lizenzen für die Behandlung an einen Pharmakonzern verkauft, der die weitere klinische Entwicklung übernehmen soll. © rme/aerzteblatt.de

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