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Zahl medizinischer Tierversuche in Europa bleibt hoch

Freitag, 7. Februar 2020

/dpa

Köln – 2017 wurden in europäischen Laboren rund 22 Millionen Tiere getötet, rund zehn Millionen davon im Bereich der Grundlagenforschung. Darauf hat die Organisation Ärzte gegen Tierversuche mit Verweis auf einen aktuellen Bericht der EU-Kommission hinge­wie­sen. Angesichts der anhaltend hohen Zahl forderte der Verein neue Strategien zur Re­duzierung von Tierversuchen.

Die mit Abstand meisten Tiere wurden dem Bericht zufolge in der Grundlagenforschung für die Fachbereiche „menschliche Krebserkrankungen“ und „menschliche Nerven- und Geisteserkrankungen“ eingesetzt.

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Für die Tierschützer ein klarer Beweis dafür, dass Tierversuche in der Erforschung und Therapie menschlicher Erkrankungen nicht zielführend sind: „Schaut man sich die aktu­ellen Erfolgsquoten bei der Medikamentenentwicklung an, so sind diese bei Arznei­mitteln gegen Krebs und neurologische Erkrankungen am schlechtesten“, sagte Tamara Zietek, Wissenschaftskoordinatorin des Tierschutzvereins.

Sie liege bei Krebs lediglich bei fünf, bei psychiatrischen Erkrankungen bei sechs und bei neurologischen Erkrankungen bei acht Prozent. „Das zeigt eindeutig, dass Tierversuche in der Erforschung und Therapie menschlicher Erkrankungen nicht zielführend sind“, kriti­sierte die Biochemikerin.

Umso wichtiger sei es, neue Strategien zur Abschaffung von Tierversuchen zu entwickeln, forderte die Organisation. Das vor zehn Jahren europaweit implementierte 3R-Prinzip habe sich diesbezüglich als nicht zielführend erwiesen.

Denn obwohl es eine Reduzierung (reduce), Verfeinerung (refine) und Ersetzung (replace) von Tierversuchen vorsehe, „ist kein Abwärtstrend zu verzeichnen – seit Jahren stagniert die Zahl der in Versuchen eingesetzten Tiere in Europa bei etwa 10 Millionen“, erklärte Zietek.

Deutschland nimmt in der aktuellen EU-Statistik unter den Mitgliedsstaaten den 2. Platz ein – nur in Großbritannien wurden 2017 etwas mehr Tiere für Versuche eingesetzt. An dritter Stelle liegt Frankreich, gefolgt von Spanien und Italien.

„Wenn die Bundesregierung nicht endlich eine effektive Strategie zur Abschaffung der Tierversuche entwickelt, wird unser Land mit dem Ausscheiden Großbritanniens aus der EU voraussichtlich trauriger Spitzenreiter in der EU-Statistik sein“, befürchtet Zietek. © hil/sb/aerzteblatt.de

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