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2019-nCoV: Engpässe bei Schutzausrüstung und unnötige Maßnahmen

Freitag, 7. Februar 2020

/picture alliance

Genf – Wegen der Coronavirus-Epidemie in China herrsche mittlerweile ein „chronischer Mangel an persönlicher Schutzausrüstung“. Das hat Tedros Adhanom Ghebreyesus, Gene­ralsekretär der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO), heute vor dem WHO-Exekutivrat in Genf erklärt.

Er kündigte an, sich beim Lieferketten-Netzwerk dafür einzusetzen, „Engpässe“ in der Pro­duktion zu beheben. Bereits vorgestern hatte die WHO angekündigt, Atemschutzmas­ken, Gummihandschuhe, Schutzanzüge und Test-Sets an hilfsbedürftige Länder zu schi­cken. Dazu forderte sie die internationale Gemeinschaft zu Zahlungen in Höhe von 675 Millionen Dollar (613 Millionen Euro) auf.

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Die chinesischen Behörden versuchen seit Wochen mit drastischen Maßnahmen, die Aus­breitung des neuartigen Virus 2019-nCoV in den Griff zu bekommen. Neben großflächi­gen Quarantänemaßnahmen gilt in Städten und Provinzen mit Millionen Einwohnern eine Schutzmaskenpflicht. Vielerorts wurden Masken daher bereits knapp.

Atemmasken für Gesunde unnötig

Um sich vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen, bräuchten Gesunde in Deutschland nach derzeitigem Wissenstand hingegen keine Atemschutzmasken, teilt die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) heute mit.

Der chirurgische Mund-Nasen-Schutz, den viele von den Bildern aus China kennen, schütze gesunde Träger nicht zuverlässig vor einer Ansteckung. Er sei dafür konzipiert, die Umwelt vor einem infizierten Träger zu schützen.

Ein solcher Schutz kann sinnvoll sein, wenn jemand mit einer Atemwegserkrankung zum Beispiel in einem Wartezimmer sitzt. Damit er effektiv ist, muss der Mund-Nasen-Schutz enganliegend getragen und bei Durchfeuchtung gewechselt werden. Außerdem sollte er nicht mit den Händen berührt werden.

Atemschutzmasken sollen hingegen zum Beispiel Ärzte beim Umgang mit erkrankten Pa­tienten vor Infektionen schützen. Sie werden auch FFP-Masken (filtering face piece) ge­nannt und können das Atmen erschweren. Sie gehören zusammen mit einer Schutzbrille und Handschuhen zur professionellen Schutzkleidung.

Da es keine spezifische Therapie dagegen gibt, ist besonders die Vorbeugung gegen An­steckungen bedeutend, um die Krankheitswelle einzudämmen.

Auf Oberflächen bis zu neun Tage lang infektiös

In einer Übersichtsarbeit, die im Journal of Hospital Infection erschienen ist, haben deutsche Forscher daher die Persistenz von human- und veterinärmedizinischen Coro­navi­ren auf unbelebten Oberflächen zusammengefasst (2020; doi: 10.1016/j.jhin.2020.01.022). Zudem berichten sie über Möglichkeiten der chemischen Desinfektion.

Die Analyse von 22 Studien zeigt, dass menschliche Coronaviren wie das SARS-Corona­virus (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom), das MERS-Coronavirus (Middle East Respiratory Syndrome) oder endemische humane Coronaviren (HCoV) auf unbelebten Oberflächen wie Metall, Glas oder Kunststoff bis zu neun Tage bei Raumtemperatur infektiös bleiben können.

Im Schnitt überleben sie zwischen vier und fünf Tagen. „Kälte und hohe Luftfeuchtigkeit steigern ihre Lebensdauer noch“, sagte Erstautor Günter Kampf vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Universitätsmedizin Greifswald.

Die Viren können jedoch mit verschiedensten Desinfektionslösungen innerhalb von 1 Mi­nute um vier log-Stufen (etwa von einer Million auf 100 krankmachende Partikel) redu­ziert werden: 62 bis 71 Prozent Ethanol, 0,5 Prozent Wasserstoffperoxid oder 0,1 Prozent Natriumhypochlorit sind hier wirksam. Andere Desinfektionslösungen wie 0,05 bis 0,2 Prozent Benzalkoniumchlorid oder 0,02 Prozent Chlorhexidindigluconat sind weniger wirksam.

Wenn Präparate auf anderer Wirkstoffbasis verwendet werden, sollte für das Produkt min­destens eine Wirksamkeit gegenüber behüllten Viren nachgewiesen sein („begrenzt viru­zid“). „In der Regel genügt das, um die Gefahr einer Ansteckung deutlich zu reduzieren“, meint Kampf.

Die Studienautoren nehmen an, dass die Ergebnisse aus den Untersuchungen über ande­re Coronaviren auf das neuartige Virus übertragbar sind. „Es wurden unterschiedliche Co­ronaviren untersucht, und die Ergebnisse waren alle ähnlich“, sagt Eike Steinmann, In­ha­ber des Lehrstuhls für Molekulare und Medizinische Virologie der Ruhr-Universität Bo­chum (RUB).

Experten hinterfragen Temperaturchecks bei Chinareisenden an Flughäfen

Um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, wird zudem an einigen Flughäfen auch die Körpertemperatur der Passagiere gecheckt. Erst gestern informierte der österreichische Ge­sund­heits­mi­nis­ter Rudolf Anschober, dass die Maßnahme in Wien wöchentlich drei Air-China-Flüge aus Peking betreffen solle.

Ralf Reintjes von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg verspricht sich davon keinen Effekt: „Die Wahrscheinlichkeit, dass die Maßnahme in Österreich ei­nen Effekt haben wird, geht gegen Null. Es handelt sich mehr um Aktionismus.“

Reintjes begründet seine Einschätzung mit dem ernüchternden Ergebnis, die die Körper­temperaturmessung bereits bei SARS hatte.

„Die Maßnahme verhinderte kaum Fälle, wenn überhaupt welche. Und das, obwohl ein SARS-infizierter Patient nur infektiös ist, wenn er symptomatisch ist. Bei dem neuen Co­ronavirus kann man schon infektiös sein, auch wenn man sehr milde Symptome hat“, so der Professor für Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung.

Auch Hendrik Streeck, Leiter des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn, schließt sich der Einordnung an: „In solch einer Erkältungszeit findet man wohl eher Menschen mit anderen Infekten, die ähnliche Symptome haben, wie man sie bei einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus entwickelt. Fast jeder, der aus einem Übernachtflieger steigt, hat Kratzen im Hals und eine laufende Nase.“

Berichten des chinesischen Zentrums für die Kontrolle und Prävention von Krankheitensei zudem zu entnehmen, dass nicht jeder Fieber entwickelt, der mit dem neuen Coronavirus infiziert ist. „Die häufigste Symptomatik ist ein trockener Reizhusten. Eine schwere tiefe Atemwegspneumonie entwickelt nur ein Teil der Patienten.“ © afp/gie/aerzteblatt.de

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