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Medizin

2019-nCoV: Nosokomiale „Superspreader“-Ereig­nisse in Studie bestätigt

Montag, 10. Februar 2020

/picture alliance, Photoshot

Wuhan/China – Das neuartige Coronavirus (2019-nCoV), das vermutlich den gleichen Re­zeptor zum Eintritt in die Atemwegsepithelien nutzt wie das SARS-Coronavirus, kann ähn­lich schwere Erkrankungen auslösen. Eine Patientenserie aus Wuhan, dem Epizentrum der Epidemie, dokumentiert im amerikanischen Ärzteblatt JAMA (2020; doi: 10.1001/jama.2020.1585) erstmals ein „Superspreader“-Ereignis.

An der Zhongnan Klinik der Universität Wuhan wurden vom 1. bis zum 28. Januar 2020 insgesamt 138 Patienten mit einer Pneumonie durch das neue Coronavirus (NCIP) behan­delt. Darunter waren 40 Patienten aus dem medizinischen Personal.

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Allein 10 von ihnen infizierten sich an einem Patienten, der, wie das Team um Zhiyong Peng berichtet, wegen unklarer Bauchbeschwerden in der chirurgischen Abteilung aufge­nommen wurde. Dort wurde zunächst nicht mit einer 2019-CoV-Infektion gerechnet, wes­halb offenbar keine ausreichenden Vorsichtsmaßnahmen getroffen wurden.

Der Patient scheint außerdem 4 weitere Patienten infiziert zu haben, die alle zunächst un­­ter abdominellen Symptomen litten. Solche „Superspreader“-Ereignisse waren kenn­zeich­nend für SARS und sie werden häufig bei MERS beobachtet. Insgesamt haben sich 17 Patienten innerhalb der Klinik angesteckt. Zusammen mit den Ärzten ergibt dies 57 nosokomiale Infektionen, was einem Anteil von 41 % entspricht.

Von den 138 Patienten wurden 36 auf der Intensivstation behandelt. Die Universitäts­klinik verfügt über alle modernen Behandlungsmethoden einschließlich einer extrakor­porale Membranoxygenierung (ECMO), bei der das Blut unter Umgehung der Lungen direkt mit Sauerstoff versorgt wird.

Dennoch gab es 6 Todesfälle. Dies entspricht einer Mortalität von 4,3 %, die damit höher liegt als die chinaweit mit etwa 2 % angegebene Case-Fatality-Rate. Die Mortalität ist jedoch geringer als bei SARS (11 %) und bei MERS (33 %).

Vom Beginn der Symptome bis zur Dyspnoe vergingen bei den Patienten 5 Tage, bis zur Krankenhauseinweisung 7 und bis zum Lungenversagen (ARDS) 10 Tage, berichtet Peng. Ein ARDS wurde bei 27 Patienten (19,6 %) diagnostiziert, eine invasive mechanische Be­at­mung war bei 17 Patienten (12,3 %) und eine ECMO bei 4 Patienten (2,9 %) durch­ge­führt worden.

Die meisten Patienten wurden mit Fieber, trockenem Husten, Myalgie, Müdigkeit, Atem­not und Appetitlosigkeit eingeliefert. Es gab jedoch auch Patienten, deren Symptome zunächst nicht auf eine 2019-CoV-Infektion hindeuteten: Bei 14 Patienten (10,1 %) kam es 1 bis 2 Tage vor Auftreten von Fieber und Dyspnoe zu Durchfall und Übelkeit, die des­halb mit zu den Initialsymptomen der Erkrankung gezählt werden müssen.

Die Prognose der Infektion wird nicht allein durch die NCIP bestimmt. Zu den Hauptkom­plikationen zählten neben ARDS (27 Patienten, 19,6 %) auch Arrhythmien (23 Patienten, 16,7 %) und Schockzustände (12 Patienten, 8,7 %) sowie eine akute Herzschädigung (10 Patienten, 7,2 %).

Die Patienten, die auf der Intensivstation behandelt werden mussten, waren in der Regel älter (66 versus 51 Jahre), und sie hatten häufiger Begleiterkrankungen wie Bluthoch­druck (58,3 versus 21,6 %), Diabetes (22,2 versus 5,9 %), Herz-Kreislauf-Erkrankungen (25,0 versus 10,8 %) oder zerebrovaskuläre Erkrankungen (16,7 versus 1,0 %) als Patien­ten, die nicht auf einer Intensivstation behandelt werden mussten.

Die Intensivpatienten hatten in den Laboruntersuchungen mehr Leukozyten, Neutrophile und Lymphozyten sowie höhere Konzentrationen von D-Dimer, Blut-Harnstoff-Stickstoff (BUN) und Kreatinin.

Die meisten Patienten erhielten eine antivirale Therapie (Oseltamivir: 89,9 %) und viele eine antibakterielle Therapie (Moxifloxacin: 64,4 %; Ceftriaxon: 24,6 %, Azithromycin: 18,1 %) sowie Glukokortikoide (44,9 %).

Interessanterweise war das Krankheitsbild bei den ersten Patienten, die in Peking behandelt wurden, anders. Die 13 Patienten, die Guangfa Zhu an der Anzhen Klinik in Peking be­han­delte, waren mit 34 Jahren deutlich jünger als in Wuhan. Es waren sogar 2 Kinder darun­ter.

Zu Beginn der Epidemie waren keine Erkrankungen bei Kindern gemeldet worden. Kein Patient musste in Peking mechanisch beatmet werden. Die meisten haben sich inzwi­schen erholt. Eine mögliche Erklärung ist, dass in Peking aktiv nach Erkrankungen ge­sucht wurde. In Wuhan wurden zunächst offenbar nur die schweren Fälle hospitalisiert. © rme/aerzteblatt.de

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