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Weiter Kritik an Legalisierung von Online-Casinos

Montag, 10. Februar 2020

/picture alliance, Arno Burgi

Erfurt – Die von den Bundesländern geplante Reform des deutschen Glücksspielmarkts stößt bei Suchtexperten weiter auf scharfe Kritik. „Die beabsichtigte Legalisierung von Online-Glücksspielen ist ein Tiefschlag für die Suchthilfe“, sagte Steffen Goller von der Thüringer Fachstelle Glücksspielsucht in Erfurt.

Online-Casinospiele hätten ein extrem hohes Suchtpoten­zial, warnte Goller. Offensicht­lich sei ein Paradigmenwechsel erfolgt, bei dem der Schutz vor den Gefahren von Glücks­spielen nun hinter wirtschaftlichen Interessen nur noch nachrangig sei.

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Die Bundesländer hatten sich Ende Januar auf eine Neuregelung des milliardenschweren deutschen Glücksspielmarkts geeinigt. Demnach sollen bisher illegale Glücksspiele im In­ternet wie Online-Poker oder Online-Casinos künftig erlaubt werden.

Vorgesehen sind zugleich Regeln zum Spielerschutz wie ein monatliches Einzahlungs­li­mit von 1.000 Euro und die Einführung einer Sperrdatei. Auch eine neue zentrale Glücks­spielbehörde der Länder soll es geben. Goller kritisierte das Einzahlungslimit als viel zu hoch. Es dürfte ihm zufolge höchstens im dreistelligen Bereich liegen.

Auch den Kinder- und Jugendschutz hält er für unzureichend. Mit der Legalisierung der Glücksspiele im Internet werde zugleich die Werbetätigkeit massiv ansteigen und genau die Zielgruppen triggern, die davor eigentlich geschützt werden sollten. „Wir müssen das dann auslöffeln“, sagte Goller. Die Politik scheine sich der Dimension des Problems nicht bewusst zu sein, denn mit der Freigabe würden Glücksspiele normalisiert.

Derzeit kämen etwa 80 Prozent der Glücksspielsüchtigen in den Beratungsstellen wegen Automatenspielen in Spielhallen und Gaststätten. Mit der Legalisierung der suchtriskan­te­ren „virtuellen Automatenspiele“ werde sich dieses Verhältnis relativ bald ändern, schätz­te der Suchtexperte.

Derzeit hat als einziges Bundesland Schleswig-Holstein Lizenzen für Online-Glücksspiele vergeben. Bislang illegale Angebote wie Online-Casinos und Online-Poker werden aller­dings faktisch weitgehend geduldet.

„Wenn das bestehende Verbot wahrnehmbar kontrolliert worden wäre, hätten wir das Prob­lem des boomenden Schwarzmarktes erst gar nicht gehabt“, sagte Goller. Eine Lega­lisierung von Online-Glücksspielen wäre aus Sicht der Suchthilfe nur dann akzeptabel, wenn der Staat auch selbst als Anbieter auftreten und hohe Anforderungen an den Spie­lerschutz stellen würde. © dpa/aerzteblatt.de

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