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Medizin

Morbus Parkinson: Studie untersucht Wirkung einer palliativen Betreuung

Dienstag, 11. Februar 2020

/Tyler Olson, stock.adobe.com

Aurora/Colorado – Kann eine palliative Betreuung die Lebensqualität von Patienten und Betreuern verbessern? Eine randomisierte Studie findet in JAMA Neurology (2020; doi: 10.1001/jamaneurol.2019.4992) nur eine begrenzte Auswirkungen auf die Lebensqualität von Patienten und Betreuern, während sich die motorischen Symptome der Patienten überraschenderweise verbesserten.

Der Morbus Parkinson ist derzeit selten Anlass für eine palliative Betreuung. Die Krank­heit ist zwar nicht heilbar, es vergehen allerdings häufig viele Jahre, bis die Patienten an den Komplikationen der neurodegenerativen Erkrankung sterben. Die Patienten leiden in dieser Zeit nicht nur unter den motorischen Symptomen, durch die die Erkrankung nach außen sichtbar wird. Zum Krankheitsbild gehören häufig Schmerzen und eine Demenz, die das Leben der Patienten und ihrer Betreuer deutlich erschweren können.

Ein Team um Benzi Kluger vom Anschutz Medical Campus der Universität von Colorado in Aurora hat in einer randomisierten Studie untersucht, ob eine ambulante palliative Betreuung die Lebensqualität der Patienten aber auch ihrer Betreuer verbessern kann.

An der Studie nahmen an 3 akademischen Zentren 210 Patienten und 175 Betreuer teil. Sie wurden zu gleichen Teilen auf eine Palliativbetreuung oder eine konven­tionelle Betreuung durch Hausarzt und Neurologen randomisiert.

In der Palliativbetreuung besuchten Patienten und Betreuer im Verlauf eines Jahres alle 3 Monate ein multidisziplinäres Palliativteam. Es bestand aus einem Neurologen, einem Sozialarbeiter, einem Seelsorger und einer Krankenschwester. In ausgewählten Fällen konnte ein Palliativspezialist hinzugezogen werden.

Die Besuche dauerten in der Regel 2 bis 2,5 Stunden. Sie betrafen in erster Linie nicht­moto­rische Symptome. Gesprochen wurde über Betreuungsziele, den absehbaren Verlauf der Erkrankung („proaktive Beratung“), über Emotionen und über die Unterstützung der Betreuer.

Das Ziel war eine Verbesserung der Lebensqualität des Patienten und der Betreuer. Die Instrumente waren der QoL-AD-Fragebogen („Quality of Life in Alzheimer's Disease“) und auf Seiten der Betreuer die „Zarit Burden Interviews“. Beide sind auch in Deutschland bekannt.

Nach 6 Monaten (dem vordefinierten Endpunkt) hatte sich die Lebensqualität in der Palliativgruppe um 0,66 Punkte gebessert, während sie sich in der Kontrollgruppe (weiter) um 0,84 Punkte verschlechterte. Der Behandlungseffekt war mit 1,87 Punkten und einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,47 bis 3,27 Punkten signifikant.

Die klinische Relevanz ist bei einer Breite der QoL-AD-Bewertung von 13 bis 52 Punkten allerdings fraglich. Die Vorteile blieben längere Zeit erhalten. Erst bei einer Nachunter­suchung nach 24 Monaten war kein signifikanter Vorteil mehr erkennbar.

Auf die Belastung der Betreuer hatte die verbesserte Lebensqualität der Patienten keinen Einfluss. In den „Zarit Burden Interviews“ waren über den gesamten Verlauf der Studie nur tendenzielle Vorteile erkennbar. Der Unterschied zur Vergleichsgruppe war zu keinem Zeitpunkt signifikant.

Trotz der insgesamt bescheidenen Verbesserungen stuft Kluger die Ergebnisse positiv ein. Sie verweist auf Vorteile in einigen sekundären Ergebnissen. Dazu gehörte auch die Verbesserung der motorischen Symptome. Dies ist überraschend, weil die medikamentöse Therapie des Morbus Parkinson nicht Gegenstand der palliativen Versorgung war.

In beiden Gruppen kümmerte sich ein Neurologe um die medikamentöse Versorgung. Dennoch kam es in der Palliativgruppe nach 6 Monaten zu einer Verbesserung in der motorischen Skala der „Unified Parkinson’s Disease Rating Scale“ (UPDRS) um 5,98 Punkte zugunsten der Palliativversorgung.

Klinger führt die Verbesserung auf das allgemeine Ziel des Palliativteams zurück, Aktivitäten, Freude, Lebenssinn und Verbundenheit zu fördern. Es erscheint aber auch möglich, dass die intensivere Betreuung der Patienten auf irgendeine Weise zu einer Intensivierung der medikamentösen Therapie geführt hat. Das vermutet jedenfalls Bastiaan Bloem von der Radboud Universität in den Niederlanden im Editorial. © rme/aerzteblatt.de

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