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Mehr als 1.000 Menschen an 2019-nCoV gestorben

Dienstag, 11. Februar 2020

/picture alliance, AP Images

Peking – Das Coronavirus 2019-nCoV hat in China inzwischen mehr als 1.000 Menschen das Leben gekostet. Der Höhepunkt der Epidemie wird jetzt noch später erwartet. Der Chef des Ex­per­tengremiums der Regierung, Zhong Nanshan, rechnet nun in zehn Tagen bis zwei Wo­chen mit dem Höchststand.

Er korrigierte damit zum zweiten Mal in Folge seine Vorher­sage um eine weitere Woche. 108 neue Todesfälle wurden erfasst – so viele wie nie zu­vor binnen eines Tages. Die Gesamtzahl liegt nach der offiziellen Statistik in China nun bei 1.016.

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Nachweislich infiziert haben sich demnach bisher gut 42.600 Menschen – knapp 2.500 mehr als noch am Vortag. Allerdings zählt die Gesundheitskommission Menschen, bei de­nen das Virus mit einem Test nachgewiesen wurde, die aber keine Symptome der Lun­gen­krankheit zeigen, schon seit einigen Tagen nicht mehr mit – ein Vorgehen, dass klar der Definition der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) widerspricht.

Die WHO betrachtet jemanden als nachweislich infiziert, wenn eine 2019-nCoV-Infektion durch ein Labor bestätigt wurde – „ungeachtet klinischer Zeichen oder Symptome“, wie es heißt. Ein Grund, warum die Statistik geändert wurde, nannte die chinesische Kom­missi­on nicht.

In welchem Ausmaß Infektionen gar nicht erst erfasst werden, ist vollkommen unklar. Mit dem Coronavirus infizierte Menschen können in der Inkubationszeit schon selbst anste­ckend sein – auch wenn sie keine Symptome zeigen. Experten gehen in der Regel von bis zu 14 Tagen aus. Die WHO hatte zuletzt betont, dass rund 80 Prozent der Infek­tionen einen milden Verlauf nähmen.

Hohe Dunkelziffer?

Generell dürfte die Dunkelziffer nicht erfasster Fälle in China immens sein. „Wir sehen nicht den echten täglichen Anstieg, sondern die tägliche Obergrenze in der Fähigkeit, neue Fälle zu identifizieren“, erklärte der Coronavirus-Experte Christian Drosten von der Berliner Charité. Es könne sein, dass das Hindernis im Meldesystem die Testung ist, es könne aber auch etwas anderes sein. „Ich gebe inzwischen nichts mehr auf diese Zahlen.“

Vor dem Hintergrund von Vorwürfen über eine zu langsame Reaktion der Behörden auf den Ausbruch, der im Dezember in Zentralchina begann, gibt es inzwischen personelle Konsequenzen: Wie Chinas Staatsfernsehen heute berichtete, wurden die Chefs der Ge­sundheitskommission in der besonders schwer betroffenen Provinz Hubei entlassen.

Zhang Jin, Parteisekretär der Gesundheitskommission von Hubei, und Liu Yingzi, der Di­rek­tor der Behörde, wurden von Wang Hesheng, dem Vizedirektor der nationalen Gesund­heitskommission in Peking, abgelöst.

Zuletzt war in China immer mehr Kritik an Untätigkeit und Vertuschung der Behörden laut geworden. Für landesweite Bestürzung und große Anteilnahme sorgte vergangene Woche der Tod des Arztes Li Wenliang, der frühzeitig vor dem Ausbruch des Coronavirus gewarnt hatte, aber gezwungen worden war, diese „Gerüchte“ nicht weiter zu verbreiten.
Der 34-Jährige starb, weil er sich mit dem Virus angesteckt hatte.

Von neuer Offenheit im Umgang mit der Epidemie lässt sich auch nach den Entlassungen nicht reden. So setzte die Polizei zwei chinesische „Bürgerjournalisten“ fest, die im Inter­net über die überfüllten Krankenhäuser in Wuhan, der schwer heimgesuchten Provinz­haupt­stadt von Hubei, berichtet hatten.

Wie die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) unter Verweis auf Fa­mi­lie und Freunde berichtete, hätten Polizisten den Anwalt Chen Qiushi und den Blogger Fang Bin „unter dem Vorwand der Quarantäne abgeholt“. Seither seien beide nicht mehr über ihr Handy erreichbar.

Keiner von beiden habe Symptome einer Infektion gehabt. „Beide haben die Zustände in Wuhan untersucht und unverblümt darüber gesprochen“, sagte Wang Yaqiu von HRW. Die Videos von Fang Bin, der auch Leichensäcke gefilmt hatte, waren um die Welt gegangen. Chen Qiushi schilderte in einem Video: „Es gibt nicht genug Gesichtsmasken, nicht genug Schutzanzüge, nicht genug Material und was noch wichtiger ist, nicht genug Tests.“

Der renommierte Chef der Expertenkommission, Zhong Nanshan, räumte in einem Inter­view der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua „viele Probleme und Herausfor­derungen“ beim Kampf gegen die neuartige Lungenkrankheit ein. Wie viele medizinische Fachkräfte sich bereits angesteckt haben, wird weiter verschwiegen.

Zhong Nanshan ging auch nicht darauf ein, warum er seine Vorhersage über den erwarte­ten Höhepunkt der Epidemie schon wieder verschieben musste. Er betonte, dass die Vor­beu­gung und Kontrolle „weiter verstärkt werden muss“. „Wir dürfen in unserer Wachsam­keit nicht nachlassen.“

Gipfel in Genf

Der Chef der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) rief die Welt zu Solidarität auf. „Es geht jetzt nicht um Publikationen, Patente und Profite“, sagte Tedros Adhanom Ghebreyesus zum Auftakt eines Expertengipfels heute in Genf. „Jetzt geht es darum, den Ausbruch zu stoppen und Leben zu retten. Mit Ihrer Unterstützung können wir das hinbekommen.“

In Genf tagen bis morgen Experten aus aller Welt, um die Erforschung des Virus voranzu­brin­gen und möglichst die Grundlage zur Entwicklung eines Impfstoffs zu legen. Die WHO sprach zu Beginn von einer weltweit „ernsten Bedrohung“.

Zwar beschränkten sich derzeit noch rund 99 Prozent der Infektionsfälle auf China, doch stelle das Virus auch eine „sehr ernste Bedrohung für den Rest der Welt dar“, sagte WHO-Chef Ghebreyesus. „Das Wichtigste ist, die Ausbreitung aufzuhalten und Leben zu retten“, sagte Tedros vor den rund 400 Forschern und Experten aus aller Welt.

Das zweitägige von der WHO organisierte Treffen soll zur Eindämmung der Krankheit bei­tragen. Forscher arbeiten derzeit an einem Impfstoff und gehen den Verbreitungswegen der Atemwegserkrankung auf den Grund. Bislang gibt es keinen Impfstoff gegen die Er­krankung. Er hoffe, dass „eines der Ergebnisse dieses Treffens ein gemeinsamer Fahrplan für die Forschung sein wird“, an dem sich Wissenschaftler und Spender weltweit orientie­ren könnten, sagte Tedros weiter.

Forschung dringend notwendig

Dass Forschung dringend weiter notwendig ist, zeigen auch letzte Meldungen aus Japan. Dort sind zwei aus Wuhan evakuierte Japaner an 2019-nCoV erkrankt, obwohl ihre Tests zuvor negativ ausgefallen waren. Wie das japanische Ge­sund­heits­mi­nis­terium mitteilte, wurde einer von ihnen sogar zwei Mal getestet, ohne dass das Virus entdeckt wurde. Bei­de Männer waren Ende Januar aus Wuhan, dem Epizentrum des Ausbruchs, ausgeflogen worden.

Den Angaben zufolge wurde bei dem Mann zwölf Tage nach dem zweiten Test nun doch die Atemwegserkrankung nachgewiesen. Seit seiner Rückkehr nach Japan am 29. Januar wurde er in einem Hotelzimmer unter Quarantäne gestellt. Der zweite Mann war laut Ge­sund­heitsministeriums am 30. Januar zurückgekehrt und zunächst ebenfalls negativ ge­testet worden. Ein zweiter Test am Montag habe dann das Virus nachgewiesen. Nach An­gaben der WHO beträgt die Inkubationszeit des neuartigen Coronavirus rund 14 Tage. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #763881
Ruxandra1962
am Mittwoch, 12. Februar 2020, 16:26

beschleunigte Ansteckung

Obwohl allgemein bekannt ist, dass sich auf Flughäfen etc die Ansteckungsgefahr am größten ist, werden die weltweit besten Spezialisten nach Genf zu einem Treffen geschickt. wie Anno dunnemals vor Erfindung des Internets.
LNS

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