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Politik

Gesundheits­ministerium sieht wenig Nutzen in Schockfotos auf Tabakwaren

Dienstag, 11. Februar 2020

/dpa

Erfurt – Schockbilder auf Zigarettenschachteln sind aus Sicht des Thüringer Gesundheits­ministeriums nur wenig geeignet, um vom Rauchen abzuschrecken. „Wissenschaftliche Evidenzen belegen, dass das Abschreckungskonzept keine langfristige Wirkung hat und sogar gegensätzliche Ergebnisse verursacht“, sagte ein Sprecher des Ministeriums.

Die Schockbilder zeigen zum Beispiel Fotos von Menschen, die wegen ihres Tabakkon­sums im Sterben liegen oder Fotos von Kindern, die durch das Rauchen ihrer Eltern krank geworden sind.

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Anders verhalte es sich mit dem vor mehr als zehn Jahren in Thüringen eingeführten Nichtraucherschutzgesetz. Diese Regelung trägt nach Einschätzung des Ministeriums da­zu bei, dass Rauchen im öffentlichen Raum nicht mehr als normal und selbstverständ­lich angesehen wird.

Damit sei auch die Belastung von Nichtrauchern durch den Tabakkonsum von Rauchern – das Passivrauchen – deutlich zurückgegangen. Thüringens ehemalige Gesundheitsminis­terin Heike Werner (Linke) hatte sich in der Vergangenheit unter anderem für ein gene­relles Werbeverbot für Tabakprodukte ausgesprochen. Dies sei längst überfällig, sagte sie.

In Thüringen rauchen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes so viele Menschen wie in kaum einem anderen Bundesland. Nach dessen jüngsten verfügbaren Daten zähl­ten sich 26,2 Prozent der Menschen im Freistaat zu den Rauchern. Im Bundesdurchschnitt waren es 22,4 Prozent.

Nur in Mecklenburg-Vorpommern und Bremen rauchten demnach mit jeweils fast 28 Prozent der Menschen noch mehr Männer und Frauen als in Thüringen. Bei der Statistik geht es nicht nur um den Konsum von Zigaretten, Zigarillos oder Pfeifen, sondern etwa auch um Wasserpfeifentabak.

Die Angaben fußen auf den Mikrozensus-Erhebungen, die zuletzt 2017 erhoben wurden. „Der Mikrozensus ist die größte Repräsentativstatistik über Bevölkerung, Haushalte und Arbeitsmarkt in Europa“, sagte eine Sprecherin des Bundesamtes. Im Abstand von vier Jahren würden den Menschen dabei Fragen zur Gesundheit gestellt. Die nächste derartige Erhebung sei für 2021 geplant.

Die wenigsten Raucher in Deutschland gibt es der Statistik nach in Bayern und im Saar­land, wo sich 20,5 beziehungsweise 20,6 Prozent der Menschen zu dieser Personen­gruppe zählten.

Auch in den Daten zum Rauchverhalten der Deutschen aus dem Jahr 2013 hatten die Menschen in Thüringen in der Spitzengruppe derer gelegen, die zu allen Arten von Tabak greifen. Durchschnittlich beginnen Männer und Frauen nach den Daten aus dem Jahr 2017 im Alter von etwa 18 Jahren mit dem Rauchen.

Der Sprecher des Thüringer Ge­sund­heits­mi­nis­teriums erklärte, dass man mit Blick auf diese Zahlen nicht vergessen dürfe, dass der Tabakkonsum in Deutschland insgesamt in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen sei.

So zeigten Beobachtungen etwa des Institutes für Therapieforschung München, dass un­ter anderem die Zahl der stark rauchenden Männer im Freistaat seit den 1990er-Jahren deutlich zurückgegangen sei. „Bei den Frauen zeigt sich dieser signifikante Rückgang des Konsums seit 2006“, sagte er. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #747035
strohbuecker
am Mittwoch, 12. Februar 2020, 11:19

Bilder für Nichtraucher unerträglich

Ich ärgere mich jedes Mal, wenn ich im Supermarkt oder an der Tankstelle an der Kasse warten muss und diese Bilder auf mich einwirken. Warum muss ich, die ich nicht rauche, mit diesen Bildern konfrontiert werden? Ich bin Krankenschwester und habe Erfahrung in der Begleitung von Patienten mit Krebs. Wenn ich aber einkaufen gehe, möchte ich mit dieser Seite des Lebens nicht zu tun haben.
Avatar #768562
G. Gross
am Mittwoch, 12. Februar 2020, 01:19

Angst machen kann auch Freude bereiten

Die Thüringer Erkenntnis erinnert mich an die Zeit als vor ca. 20 Jahren in England Horrorfotos auf Zigarettenpackungen eingeführt wurden. Ein Zigarettenschachtel-Produzent amüsierte sich: Seinen Umsätzen nach müsste der Tabakkonsum seither stark zugenommen haben. Grund: Weniger die Sammler solcher Fotos sondern die Kinder. Die würden jetzt die Eltern auffordern, mehr zu rauchen. Die bunten Verpackungsfotos würden gerne für Kartenspiele aller Art genutzt - man brauche dazu jedoch komplette Serien wie z. B. vier "Lungen" oder "Rachenkrebse" etc.
LNS

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