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Medizin

Nach Schlaganfall reagiert das betroffene Gewebe mit schneller Entzündungsreaktion

Donnerstag, 13. Februar 2020

/peterschreiber.media, stock.adobe.com

Würzburg – Das von einem Schlaganfall betroffene Hirngewebe reagiert sehr rasch mit einer Entzündungsreaktion auf die Minderdurchblutung. Das berichten Wissenschaftler um Alexander Kollikowski vom Institut für Diagnostische und Interventionelle Neuro­radiologie des Uniklinikums Würzburg in der Fachzeitschrift Annals of Neurology (doi 10.1002/ana.25665).

Beim ischämischen Schlaganfall verschließt ein Blutgerinnsel ein Gefäß im Gehirn und verhindert die ausreichende Durchblutung des dahinterliegenden Areals. In der Folge kommt es dort zu einer Mangelversorgung mit Nährstoffen, allen voran Sauerstoff, und die betroffenen Nervenzellen beginnen abzusterben.

„Es wird vermutet, dass sich in der abgeriegelten Zone weitere pathologische Mecha­nismen abspielen, die einen entscheidenden Einfluss auf das Absterben von Hirngewebe, also das Voranschreiten des Hirninfarkts haben“, erläutert Kollikowski.

Dem Forscherteam gelang es, bei Schlaganfallpatienten winzige Blutproben direkt aus der abgeriegelten Zone zu gewinnen und zu analysieren.

„Hierfür haben wir ein zuge­lassenes Mikrokatheterverfahren so modifiziert, dass wir kurz vor der Gerinnselentfer­nung eine winzige Blutprobe aus dem abgeriegelten Kompartiment direkt hinter dem Gerinnsel gewinnen können“, schildert Kollikowski. Die Probenahme erfolgte also wäh­rend des zur Entfernung des Gerinnsels ohnehin nötigen minimal-invasiven opera­tiven Eingriffs, ohne diesen zu verlängern.

Die Wissenschaftler konnten im Menschen Botenstoffe der Entzündung und vor allem eine Invasion der abgeriegelten Zone durch Immunzellen, insbesondere Granulozyten und Lymphozyten, nachweisen. Sie belegten so, dass auch im Menschen eine sofortige massive Entzündungsreaktion im Gehirn stattfindet, die den in Tiermodellen sehr ähnlich ist.

„Dies ist ein wichtiger Schritt der Translation von der Maus zum Menschen, einem zentralen Anliegen des Sonderforschungsbereichs TR 240, in dem diese Arbeit entstanden ist“, erläuterte der Sprecher des Sonderforschungsbereichs, Bernhard Nieswandt vom Institut für Experimentelle Biomedizin.

Die Wissenschaftler hoffen, dass ihre Erkenntnisse die Therapie des Schlaganfalls verbessern kann, möglicherweise durch die frühzeitige Gabe entzündungshemmender Medikamente. © hil/aerzteblatt.de

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