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Medizin

Blutdrucktherapie senkt Demenzrisiko bei Menschen mit Bluthochdruck

Freitag, 14. Februar 2020

/giorgiomtb, stock.adobe.com

Baltimore – Eine erfolgreiche medikamentöse Einstellung eines Bluthochdrucks kann das Demenzrisiko um 12 % senken. Das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, sinkt um 16 %. Zu diesem Ergebnis kommt eine Metaanalyse von Wissenschaftlern des National Institute on Aging in Baltimore in der Fachzeitschrift Lancet Neurology (doi: 10.1016/S1474-4422(19)30393-X).

In Deutschland leben derzeit etwa 1,2 Millionen Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Pro Jahr kommen schätzungsweise 244.000 Betroffene neu hinzu. Laut der S3-Leitlinie der deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) sind etwa 50 bis 70 % der Demenz­erkrankten der Alzheimer-Demenz und rund 15 bis 25 % der sogenannten vaskulären Demenz zuzuordnen.

Die Metaanalyse wertete 6 große Kohorten prospektiver Beobachtungsstudien mit insgesamt knapp über 31.000 Menschen ohne vorbestehende Demenzerkrankung im Alter von über 55 Jahren aus – und teilte sie in 2 Gruppen: Eine Gruppe umfasste Studienteilnehmer, die zum Zeitpunkt des Studieneinschlusses normale Blutdruckwerte (kleiner 140/90 mm Hg) aufwiesen (n=15.553). Die andere Gruppe enthielt jene Studien­teilnehmer mit erhöhten Blutdruckwerten (n=15.537). Der Anteil der Studien­teilnehmer, die eine medikamentöse blutdrucksenkende Therapie erhielten, variierte in den 6 Studien zwischen 32,5 und 62,1 %.

Während der Beobachtungszeit erkrankten 3.728 Studienteilnehmer neu an einer Demenz, bei 1.741 Patienten handelte es sich um eine Alzheimer-Demenz.

Patienten, deren Bluthochdruckerkrankung behandelt wurde, hatten ein um 12 % signifikant geringeres Risiko, an Demenz allgemein und ein um 16 % niedrigeres Risiko, an Alzheimer zu erkranken.

„Bluthochdruck ist ein immenses Gesundheitsproblem in unserer Bevölkerung. Im Alter von über 60 ist fast jeder 2. davon betroffen und viele Patienten sind unbehandelt oder unzureichend eingestellt.

Wir wissen nun, dass diese Menschen durch die medikamentöse Blutdrucksenkung nicht nur ihr Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen verringern können, sondern auch das Risiko, später an Demenz zu erkranken. Dieses Präventionspotenzial sollte unbedingt ausgeschöpft werden“, sagte Richard Dodel, DGN-Experte für demenzielle Erkrankungen.

Die Auswertung zeigte außerdem, dass es nicht entscheidend war, mit welcher Substanz­klasse die Patienten behandelt worden waren. „Es ist also nicht so, dass eine bestimmte Klasse von Blutdrucksenkern einen ‚Anti-Demenz-Effekt‘ hätte, sondern, dass eine erfolg­reiche Blutdrucksenkung in den Zielwertbereich unter 140/90 mm Hg zur Reduktion des Demenzrisikos führt“, so der Experte weiter. © hil/aerzteblatt.de

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