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Medizin

Hirnforschung: Doppelte Blutversorgung des Hippocampus verbessert kognitive Leistungen

Montag, 17. Februar 2020

/Sebastian Kaulitzki, stock.adobe.com

Göttingen – Eine gute Durchblutung des Hippocampus, der zentralen Schaltstelle für das Gedächtnis, ist eine wichtige Voraussetzung für kognitive Fähigkeiten. Nach einer Studie in Brain (2020: 143; 622–634) könnten einige Menschen einen Vorteil haben, da ihre Hippocampi von 2 statt 1 Arterie versorgt werden.

Die beiden Seepferdchen-förmigen Hippocampi, die sich unter dem Boden der beiden Seitenventrikel befinden, können von 2 Seiten mit Blut versorgt werden. Bei vielen Menschen ist allein die Art. cerebri posterior, die aus der Art. basalaris entspringt, für die Blutversorgung zuständig. Bei einigen Menschen erreichen auch Äste der Art choroidea anterior, die primär die Plexus choroideus versorgen, auf einer oder beiden Seiten die Schaltzentralen des Gedächtnisses.

Diese doppelte Blutversorgung kann vorteilhaft sein, da die Blutgefäße in den Hippo­campi relativ klein sind und kapillare Anastomosen selten. Bei Versorgungsengpässen, zu denen es häufig bei Menschen mit zerebraler Mikroangiopathie kommt, kann es schnell zu Mikroinfarkten kommen, die naturgemäß die Gedächtnisleistungen verschlechtern.

Mit hochauflösenden Magnetresonanztomografen kann die Blutversorgung bis in die kleineren Äste zum Hippocampus (Durchmesser 0,5 mm) heute sichtbar gemacht werden. Ein Team um Stefanie Schreiber und Emrah Düzel vom Deutschen Zentrum für Neuro­degenerative Erkrankungen (DZNE) in Göttingen haben 43 Frauen und Männer im mittleren Alter von 71 Jahren in Magnetresonanztomografen mit 3 und 7 Tesla starken Magnetfeldern untersucht. Von diesen wiesen 32 Teilnehmer wenigstens auf einer Hirnseite eine gemischte Blutversorgung des Hippocampus aus den beiden Hirnarterien auf.

Diese Patienten erzielten in diversen kognitiven Tests fast immer die besseren Ergebnisse. Neben speziellen Tests zu Gedächtnisleistung, Sprachverständnis und Konzentrations­vermögen gehörte auch die Ärzten bekannte „Mini-Mental State Examination“ (MMSE).

Auch in einem Vokabeltest („California Verbal Memory Test“) konnten sich Probanden mit doppelter Blutversorgung schneller neue Worte merken. In der Voxel-basierten Morpho­metrie hatten die Probanden mit doppelter Blutversorgung eine größere graue Substanz im Hippocampus.

Warum einige Menschen eine doppelte Blutversorgung in den Hippocampi haben, ist laut den Forschern nicht bekannt. Es könnte sich um eine genetische Veranlagung handeln. Schreiber hält es aber auch für möglich, dass die individuelle Struktur der Blutver­sorgung durch die Lebensumstände beeinflusst würde. Dann könnte ein gesunder Lebensstil die Blutversorgung des Hippocampus verbessern, so Schreiber.

Relativ sicher ist, dass der Lebensstil die allgemeinen Durchblutungsverhältnisse im Gehirn beeinflusst. Dies gilt vor allem im Fall einer sogenannten Mikroangiopathie („cerebral small vessel disease“), bei der die kleinen Blutgefäße im Gehirn geschädigt sind. Zu den bekannten Risikofaktoren zählen Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte, Rauchen und Bewegungsmangel. Die CSVD tritt auch häufig bei Stoffwechselstörungen wie dem Typ-2-Diabetes auf.

Von den 43 Studienteilnehmern litten 17 an einer Mikroangiopathie. Bei den Probanden mit doppelter Blutversorgung hatte dies kaum Folgen für die kognitiven Leistungen. Bei den Probanden, deren Hippocampi nur von der Art. cerebri posterior versorgt wurde, waren jedoch deutliche Einbußen vor allem in den Lerntests erkennbar. Auch im ADAS-Cog, einem klinischen Test zur Alzheimer-Diagnose, gab es deutliche Einbußen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #819847
Chris1991
am Freitag, 27. März 2020, 16:52

Versorgung

Heißt das, das B 12, OPC und Q10 dann förderlich und nebenwirkungsfrei wären. Viele Ältere nehmen das ja bereits?
Avatar #550935
Dr. med. Armin Conradt
am Montag, 17. Februar 2020, 18:59

Bluthochdruck und Cholesterinerhöhung....

Annex: Wie kann es sein, dass in Deutschland 59% aller GKV Patienten Antihypertonika verordnet werden? Und in Belgien nur 30%, in Luxemburg nur 20%.

Weshalb sind in Deutschland 60% aller Statinverordnungen nicht ausreichend medizinisch indiziert?
Avatar #550935
Dr. med. Armin Conradt
am Montag, 17. Februar 2020, 18:54

Bluthochdruck und Cholesterinerhöhung....

... sollen Ursache für Mikrodurchblutungsstörungen sein. Was mantraartig wiederholt und auf den ersten Blick logisch erscheint, ist dennoch kritisch zu hinterfragen.
Ohne Zweifel sind Gesamt- Cholesterinwerte von weit über 300 pathologisch. Und dauerhafte Blutdruckwerte von über 150/90 ebenfalls.
Grundsätzlich ist aber auch festzuhalten, dass alte Blutgefäße ab 55 enger und härter sind und von daher Blutdruckwerte im Alter höher sind als in der Jugend. Auch höhere Blutdruckschwankungen sind normal.
Viskositätszunahmen des Blutes auch.
Und, ganz wichtig: Eine zu ambitionierte Blutdrucksenkung führt zu Minderperfusion in wichtigen Cerebralregionen und damit Demenz. Eine nicht indizierte Cholesterinsenkung (Statine) führt zu deutlichen Cholesterin-Abbauschäden im gesamten (Z)NS und damit Demenz.
LNS

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