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Ärzteschaft

Berliner Notdienstpraxis soll Rettungsstelle Arbeit abnehmen

Montag, 17. Februar 2020

Klinikum Steglitz-Campus Benjamin Franklin der Charité Berlin. /picture alliance, Bildagentur-online

Berlin – Die neue Notdienstpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin (KVB) hat in Räumen der Rettungsstelle des Charité Campus Benjamin Franklin am vergangenen Wochenende bereits fast 60 Patienten versorgt. An dem neuen Standort sollen so zu­künf­tig Wartezeiten verkürzt und Patienten an die geeignete Versorgung verwiesen werden, sagten Vertreter der KVB und der Charité heute auf einer gemeinsamen Pressekonferenz.

„Damit jeder Patient genau die medizinische Versorgung bekommt, die er braucht, ist es sinnvoll, die ambulanten und stationären Strukturen gut miteinander zu vernetzen“, sagte Ulrich Frei, Charité-Vorstand der Krankenversorgung.

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Er betonte, dass sich die Abläufe der Notdienstpraxis nicht wesentlich von denen der integrierten Notfallzentren, wie sie im aktuellen Gesetzesentwurf zur Verbesserung der Notfallversorgung des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums vorgesehen sind, unterscheiden.

Hauptsächlich sei der Entwurf eine „Girlande an Regulationen“, die eine weitere Koopera­tion der Kassenärztlichen Vereinigungen mit den Krankenhäusern erfordere. „Die KV soll eigentlich die 24-7-Versorgung übernehmen und dann wird sich ganz schnell und auf der Stelle herausstellen, dass sie das nicht kann“, kommentierte Frei. Dann sei sie auf die Zu­sammenarbeit mit den Kliniken angewiesen.

Mit Blick auf den Gesetzesentwurf zur Notfallversorgung sprach sich Burkhard Ruppert, stellvertretender Vor­standsvorsitzender der KVB, für eine Zentralisierung der Notfall­behandlung aus. Unter 38 Rettungsstellen in Berlin sei das hier angewandte Konzept „ein gutes Beispiel für sektor­über­greifende Versorgung unter Erhalt der bestehenden Strukturen“, erklärte Ruppert.

Die Notdienstpraxen werden „zur Entlastung der Notaufnahme beitragen“, sagte er weiter. Das habe sich bereits bei den bestehenden neun Notdienstpraxen gezeigt. Die Notdienst­praxis am Benjamin Franklin Krankenhaus im Süden Berlins ist berlinweit die fünfte für Erwachsene, vier Praxen versorgen ausschließlich Kinder. Im Sommer sollen zwei weitere – je eine für Erwachsene und Kinder – ihren Dienst beginnen.

Eine Praxis in der Rettungsstelle

Am zentralen Tresen der Notaufnahme sollen Hilfesuchende zunächst wie bisher triagiert werden. Im Anschluss wird entschieden, ob sie in die Warteliste der Notaufnahme oder in die der ambulanten Notdienstpraxis eingetragen werden, erklärte Rajan Somasundaram, Ärztlicher Leiter der zentralen Notaufnahme am Campus Benjamin Franklin.

In zwei nebeneinanderliegenden Räumen der Charité Rettungsstelle werde zukünftig ein Allgemeinmediziner an Wochenenden und Feiertagen jene Patienten versorgen, die auf­grund kleinerer oder weniger bedrohlicher Erkrankungen die Rettungsstelle aufsuchen.

Unterstützung sollen die Ärzte von einer Medizinischen Fachangestellten (MFA) erhalten, die Vor- und Nachbereitung der Patienten, assistierende Aufgaben sowie die Dokumenta­tion übernimmt. So hätte der Arzt mehr Zeit für die Patienten und sei weniger an Büro­kra­tie gebunden, meinte KV-Vize Ruppert.

Niedergelassene Fachärzte der Allgemeinmedizin sollen in dem in Berlin freiwilligen Bereitschaftsdienst am Wochenende die ambulante Versorgung in der Klinik bereitstellen. Ob man so die Rettungs­stellen entlasten können wird, bleibe abzuwarten, meinte Cha­ri­té-Professor So­ma­sundaram. Kurzfristig erwartet er einen Zuwachs der Patientenzahlen.

Dies sei auch ausdrücklich erwünscht, ergänzte KVB-Vorstand Ruppert. „In den nächsten drei bis fünf Jahren werden wir rund 800 Hausärzte weniger haben“, erklärte er weiter. Jährlich kämen circa 20 neue hausärztliche Niederlassungen dazu. Dass das nicht reiche, sei absehbar.

Bei aktuell um die 2.300 niedergelassenen Allgemeinmedizinern in Berlin sieht Ruppert eine große Aufgabe für die Versorgungssicherung der nächsten Jahre auf die KV zu­kommen. © jff/aerzteblatt.de

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fjmvw
am Dienstag, 18. Februar 2020, 16:58

Könnt oder wollt ihr es nicht besser? Unfassbare Inkompetenz!

Wenn an einem Wochenende weniger als 60 Patienten versorgt werden, dann sind das weniger als 30 Patienten pro Tag. Dafür sind ein (Haus-)Arzt und eine MFA notwendig. Wie viele Patienten behandelt ein Hausarzt üblicherweise in 8h in seiner eigenen Praxis? Mit zwei MFA sicherlich mehr als 50 – pro Tag.
Einen (Haus-)Arzt in einer Notdienstpraxis der KV Berlin einzusetzen ist also weniger effizient als ihn in seiner eigenen Praxis arbeiten zu lassen. Je mehr Notdienstpraxen die KV Berlin installiert, desto ineffizienter der Einsatz der Ressource Arzt. Das kann man für gut befinden, wie es beispielsweise die KV Berlin findet. Für jede Notdienstpraxis, die geöffnet wird, wird eine niedergelassene Praxis geschlossen bleiben.
Oder man hält es für eine Ressourcenverschwendung, wie es beispielsweise Ökonomen tun.

Aber man kann den Unfug noch steigern, wie Berlin gerade vorexerziert. Es gibt zunächst einen zentralen Tresen der Notaufnahmen, der über hüben (Eingang Notaufnahme) oder drüben (Eingang Notdienstpraxis) entscheidet. Vorausgesetzt, es entscheidet keine Self-service-app, die der Patient selbst mit Informationen bestücken muss, damit die app entscheidet, ob hüben oder drüben. (Zwischenfrage: Wieviele Patienten würden sich mit der Auskunft der app zufrieden geben, ohne sich zusätzlich nochmals bei einer realen Person zu versichern?)
Wird der Tresen mit einer realen Person besetzt, kostet diese Zwischenschaltstelle schon wieder Manpower. Der Patient erzählt seine Geschichte, die Person erfasst und dokumentiert. Anschließend geht es nach hüben oder drüben.

Drüben oder hüben erzählt der Patient schon wieder seine Geschichte, dieses Mal einem Arzt. Die MFA dokumentiert, der Patient wird behandelt (Variante Notfallpraxis). Oder er erzählt die Geschichte einem Arzt plus Krankenschwester (Variante Notaufnahme).

Aus ursprünglich einer Notaufnahme (1 Assistenzarzt, 1 Krankenschwester) wurden in Berlin:
- 1 zentraler Tresen (Minimum MFA, eher Krankenschwester)
- 1 Notdienstpraxis (1 Facharzt, 1 MFA)
- 1 Notaufnahme (1 Assistenzarzt, 1 Krankenschwester)
Die Ausgaben steigen deutlich an, Ressourcen werden vergeudet.

Die Versorgung der ambulanten Patienten wird systematisch von den Praxen der Niedergelassenen in die Krankenhäuser, entweder Notdienstpraxis oder Notaufnahme, umgeroutet. Warum? Weil es für die Patienten „besser“ ist, wenn sie gleich zu der Stelle gehen, die sie optimal versorgt. Denn sicher ist sicher. Und wenn sich mein Wehwehchen doch als schwerwiegender herausstellt als erwartet, dann ist es doch besser, ich bin gleich im Krankenhaus und kann sofort in die Notaufnahmen.

Wer dieses Konzept befürwortet, hat damit lediglich seine ökonomische Inkompetenz öffentlich zur Schau gestellt.
LNS

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