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Medizin

Körpergröße junger Männer mit späterem Demenzrisiko assoziiert

Dienstag, 18. Februar 2020

/Kirsty Pargeter, stock.adobe.com

Kopenhagen – Eine retrospektive Studie aus Dänemark zeigt bei jungen Männern eine signifikante Assoziation zwischen der Körpergröße und dem späteren Demenzrisiko: Männer, die am Übertritt zum Erwachsenenalter sechs Zentimeter größer waren als der Durchschnitt hatten ein geringeres Demenzrisiko. Das berichten Präventionsforscher der Universität Kopenhagen online im Fachjournal eLIFE (doi: 10.7554/eLife.51168).

Die Assoziation blieb auch nach Bereinigung um Störfaktoren bestehen: Terese Sara Høj Jørgensen und ihre Kollegen berücksichtigten unter anderem den Bildungsstand der Männer sowie die Resultate von Intelligenztests. Dies deute darauf hin, dass die Körpergröße nicht nur einen Indikator für die kognitive Reserve darstelle, schreiben sie.

Die Ergebnisse basieren auf den Daten von 666.333 Männern, 70.608 Brüdern und 7.388 Zwillingsbrüdern, die bei der Musterung für den Wehrdienst untersucht und anschließend im Rahmen nationaler dänischer Register nachverfolgt wurden.

Bei der Messung der Körpergröße waren sie zwischen 19 und 20 Jahre alt, die Durch­schnittsgröße über alle Geburtskohorten lag bei 176,8 Zentimetern (SD 6,6). Die Nachverfolgung endete zwischen dem 57. und 77. Lebensjahr der Männer. In der Gesamtgruppe erkrankten 19.599 Männer (1,6%) an einer Demenz.

Männer mit höherer Intelligenz, einem höheren Bildungsstand, aus jüngeren Geburtskohorten sowie diejenigen, die in der Hauptstadt Kopenhagen lebten, waren im Durchschnitt größer – und diese Untergruppen erkrankten auch seltener an Demenz.
Die vollständige Adjustierung schwächte die Assoziation zwar etwas ab, sie blieb aber signifikant.

Die Wahrscheinlichkeit, an einer Demenz zu erkranken, war auch bei Berücksichtigung von Intelligenz und Bildungsstand immer noch geringer, wenn die Männer als junge Erwachsene größer als der Durchschnitt waren: Ein 1939 geborener Mann, der bei der Musterung 181,5 Zentimeter groß war – sprich eine z-Score-Einheit über dem Durchschnitt – hatte zum Beispiel ein um 10 % niedrigeres Demenzrisiko als ein Mann mit durchschnittlicher Körpergröße von 175,0 Zentimetern (HR 0,90; 95%-KI 0,89-0,90).

„Die Vergleiche zwischen Brüdern sowie zwischen Zwillingsbrüdern bestätigten den Zusammenhang zwischen Körpergröße und Demenzrisiko“, berichten Jørgensen und ihre Koautoren. Auch die Ergebnisse der Zwillingsanalysen gingen in Richtung einer Assoziation, fielen aber nicht ganz so eindeutig aus.

Die Wissenschaftler schließen daraus, dass sich der Zusammenhang zwischen Körpergröße und Demenzrisiko nicht durch genetische Gemeinsamkeiten und andere erbliche Faktoren erklären lassen.

Der Mechanismus ist noch gänzlich unbekannt

Es handelt sich nicht um die erste Studie, die eine entsprechende Assoziation aufzeigt. Doch alle vorhergehenden Studien hätten nur um Bildungsstand und andere sozioöko­nomische Faktoren adjustiert, nicht aber um die Intelligenz, so Jørgensen und ihre Kollegen in eLIFE. Es ist bereits gezeigt worden, dass die Intelligenz ein stärkerer Marker für die kognitive Reserve ist als der Bildungsstand.

Welcher Mechanismus dem Zusammenhang zwischen Körpergröße und Demenzrisiko zugrunde liegen könnte, ist unbekannt. Den Autoren zufolge deuteten die Ergebnisse der Bruder – sowie der Zwillings-Analysen darauf hin, dass die Assoziation gemeinsame Wurzeln in der kindlichen Umwelt haben könnte, die aber nicht mit erblichen Faktoren zusammenhängen, die Brüder sich üblicherweise teilen. © nec/aerzteblatt.de

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Avatar #683778
Freudi
am Mittwoch, 19. Februar 2020, 00:27

Schade!

Ein Jammer: Ich war zu klein und bin in Deutschland aufgewachsen....
LNS

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