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Medizin

Kakao verlängert Gehstrecke bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit

Mittwoch, 19. Februar 2020

/Leonid, stock.adobe.com

Chicago – 3 Tassen Kakao am Tag haben in einer Phase-2-Studie in Circulation Research (2020; doi: 10.1161/CIRCRESAHA.119.315600) die 6-Minuten-Gehstrecke von Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) signifikant verbessert.

Den im Kakao enthaltenen Flavanolen, insbesondere Epicatechin, werden günstige Eigenschaften auf die Durchblutung der Extremitäten zugeschrieben. In präklinischen Studien wurde eine verbesserte Funktion von Mitochondrien und Muskelfunktion beschrieben.

Ein Team um Mary McDermott von der Feinberg School of Medicine in Chicago hat jetzt in einer Pilotstudie untersucht, ob das regelmäßige Trinken eines Kakao-haltigen Getränks einen therapeutischen Nutzen bei der peripheren arteriellen Verschluss­krankheit (pAVK) haben könnte, an der in Deutschland zwischen 3 und 10 % der Bevölkerung leiden und die laut einer Leitlinie der Fachgesellschaften für 3 % aller Krankenhausbehandlungen verantwortlich ist.

An der Studie nahmen 44 Patienten im Alter von durchschnittlich 72,3 Jahren teil, bei denen eine pAVK diagnostiziert worden war mit einem mittleren Knöchel-Arm-Index von 0,66. Die Patienten wurden gebeten, über 6 Monate 3 Mal täglich einen Becher Kakao zu trinken. Für die Zubereitung wurde ihnen ein Pulver bereitgestellt. Es enthielt in einer Gruppe jeweils 15 Gramm Kakao mit einem Gehalt von 75 mg Epicatechin.

In der 2. Gruppe enthielt das Pulver keinen Kakao. Nach 6 Monaten wurden die Patienten zu Tests eingeladen. Primärer Endpunkt der Studie war ein Gehtest. Gemessen wurde die Strecke, die die Patienten in 6 Minuten zurücklegten. Der Test fand einmal 2,5 Stunden und das andere Mal 24 Stunden nach dem letzten Kakao/Placebo-Getränk statt.

Beim 1. Mal schafften die Patienten aus der Kakao-Gruppe 42,6 Meter mehr als die Placebo-Gruppe. Der Unterschied war mit einem 90-%-Konfidenzintervall von 22,2 Metern bis unendlich signifikant. Ein Unterschied von 12 Metern ist laut von McDermott klinisch relevant, ab 34 Meter könne von einer deutlichen Verbesserung gesprochen werden, schreibt die Forscherin.

Beim 2. Termin schafften die Patienten aus der Kakao-Gruppe nur noch 18,0 Meter mehr als in der Placebogruppe. Dieses Mal war der Unterschied nicht mehr signifikant. Bei einem Ergometertest, der 48 Stunden nach dem letzten Getränk stattfand, wurden ebenfalls keine Verbesserungen gefunden. Dies spräche dafür, dass das Kakaogetränk nur eine kurzfristige Wirkung erzielt.

In den Muskelbiopsien, zu denen einige Teilnehmer bereit waren, wurden jedoch Veränderungen gefunden, die eher für eine dauerhafte Wirkung sprechen. Dazu gehört eine um 14 % erhöhte Kapillardichte und eine um 98 % gesteigerte Aktivität der Mitochondrien (COX-Enzyme). Auch die Mikrostruktur der Muskelfasern lässt laut McDermott durch einen höheren Anteil von zentralen Zellkernen eine dauerhaft günstige Wirkung des Kakaogetränks erkennen.

Nicht ganz ins positive Bild passt, dass es in der Kakao-Gruppe den einzigen Todesfall in der Studie gab und mehr Patienten hospitalisiert wurden. Dies könnte laut McDermott jedoch daran gelegen haben, dass in der Kakao-Gruppe mehr Patienten geraucht hatten. Die Kakao-Getränke hatten übrigens trotz des hohen Kaloriengehaltes keinen Einfluss auf das Körpergewicht.

Aufgrund der geringen Teilnehmerzahl bleibt die Aussagekraft der Studie gering. Da Kakao bekömmlich ist und keine ernsthaften Nebenwirkungen zu befürchten sind, könnte Patienten zu dem Getränkt geraten werden. Dabei muss laut McDermott jedoch darauf geachtet werden, dass das Kakao-Pulver bei der Herstellung nicht alkalisiert wurde.

Dieser „Dutch Process“, der die Flavanole zerstört, wird bei kommerziell erhältlichem Kakaopulver häufig durchgeführt, um den Geschmack zu verbessern. Bei dunkler Schokolade wird dagegen meist auf den „Dutch Process“ verzichtet. Bleibt noch zu erwähnen, dass die bei den meisten Menschen beliebtere Vollmilchschokolade kaum Flavanole enthält und deshalb zur Behandlung der pAVK ungeeignet ist. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #802051
Meinewelt
am Mittwoch, 26. Februar 2020, 20:54

Ohne

Meine Wadenkrämpfe, die mich jahrelang gequält haben hörten schlagartig auf; nachdem ich mir zweimal in der Woche einen großen „Pott“ Kakao gönne.
Zutaten: 2 gehäufte TL. Kakaopulver,
1TL Zucker
beide Zutaten gut durchmischen
1/4 l heiße Milch hinzugefügt
alle Zutaten gut verrühren.
Avatar #748223
Campo0908
am Mittwoch, 19. Februar 2020, 20:41

Andere Wirkstoffe

Natives Kakaopulver enthält ua. auch Theobromin. Dieses wird zu Pentoxifyllin metabolisiert. Die positive Wirkung auf die pAVK ist seit langem bekannt (Verlängerung der Gehstrecke). Diese Effekte könnten bei der o.a. Studie auch eine Rolle gespielt haben
LNS

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