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Medizin

Wie gestörte zelluläre Abbauprozesse an der Parkinson-Ent­wicklung beteiligt sind

Dienstag, 18. Februar 2020

/Kateryna_Kon, stock.adobe.com

Los Angeles – Bei vielen Patienten mit einer Parkinsonerkrankung besteht bereits von Geburt an eine Störung der lysosomalen Zellreinigung. Das berichten Wissenschaftler des Regenerative Medicine Institute, Los Angeles, in der Zeitschrift Nature Medicine (doi 10.1038/s41591-019-0739-1).

Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung, bei der dopaminerge Nervenzellen absterben. Der resultierende Dopaminmangel führt zu den typischen Symptomen wie Zittern und Bewegungsverlangsamung.

Bei 5 bis 10 % der Patienten finden sich definierte monogene Mutationen, also Mutationen in nur einem Gen.

Den verschiedenen bekannten Mutationen gemeinsam ist, dass sie dazu führen, dass sich das mutierte Protein α-Synuklein in dopaminergen Neuronen ablagert. Ein zelleigenes Reinigungssystem baut in bestimmten Zellorganellen, den Lysosomen, diese α-Synuklein-Verklumpungen zwar ab, aber wenn die Aggregationen zu ausgeprägt sind oder eine lysosomale Insuffizienz besteht, führt die zunehmende α-Synuklein-Anhäufung zum Absterben der Neuronen.

Bei mindestens 90 % der Patienten, den sogenannten sporadischen Parkinson-Erkrankungen, wird jedoch keine Genmutation gefunden. Es scheinen hier viele Faktoren zusammenzuspielen, wie eine durch Umweltfaktoren gesteigerte Synuklein-Produktion, aber auch eine Vielzahl kleiner genetischer Varianten, die in der Bevölkerung generell häufig vorkommen und das Parkinson-Risiko leicht erhöhen, daher als „Parkinson-assoziiert“ gelten.

„Das Vorhandensein von 1 oder vielleicht 2 solcher kleinsten genetischen Veränderungen verursacht noch keine Parkinson-Krankheit, sondern erhöht lediglich das Risiko dafür“, erklärt der Experte der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), Günter Höglinger. Erst beim Zusammentreffen mehrerer solcher kleinen Genveränderungen werde eine Schwelle überschritten und es komme zur Erkrankung. Auch in diesen Fällen liegt laut dem DGN-Experten nach heutigem Erkenntnisstand eine Synuklein-Pathologie vor.

Die amerikanischen Wissenschaftler haben in der vorliegenden Studie Parkinson-Patienten mit einer solchen sporadischen Erkrankung herangezogen. Diese Patienten hatten keine Hinweise für eine erbliche Form, keine monogene Mutation und keine Parkinson-Fälle in der Familiengeschichte. Bei der Ganzgenom-Sequenzierung zeigten sich bei ihnen aber viele einzelne kleine Parkinson-assoziierte Risiko-Varianten.

Von diesen Patienten haben die Forscher Blutzellen entnommen und gentechnisch in sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen (iPSC) reprogrammiert, das heißt, die Zellen wurden in undifferenzierte Zellen wie im Embryonalstadium zurückgeführt. Daraus wiederum differenzierten die Forscher Neurone. Bei deren Untersuchung zeigten sich erhöhte α-Synuklein-Konzentrationen sowie ein reduzierter lysosomaler Stoffwechsel.

„Diese Parkinson-typischen Zelleigenschaften zeigen, dass bei späteren sporadischen Parkinson-Patienten bereits bei der Geburt eine zelluläre biochemische Parkinson-Signatur angelegt ist“, so Höglinger. Zudem gebe es mit den Zellen erstmals ein Zell-Modell des sporadischen Parkinsons, an dem Medikamente getestet werden könnten. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #790218
Henniger
am Samstag, 21. März 2020, 12:27

Dr. vet. med.

Gibt es bei der frühzeitigen Parkinson-Diagnostik eine Empfehlung, den Serum- oder besser den Stuhl-Mangan-Spiegel zu bestimmen, um den sog. Mangan-Parkinson früher erfassen und therapieren zu können (womit ?)
LNS

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