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Ärzteschaft

Onkologen wünschen sich schnelleren Transfer von Innovationen in die Versorgung

Mittwoch, 19. Februar 2020

/Juan Gärtner, stock.adob.ecom

Berlin – Innovative Behandlungsverfahren wie die CAR-T-Zelltherapie bedeuten für onko­logische Patienten – speziell die austherapierten – eine große Chance. Doch in Deutsch­land hapere es am raschen Transfer der neuen Therapien in den Versorgungs­alltag, hieß es heute bei der Auftakt-Pressekonferenz zum 34. Deutschen Krebskongress in Berlin.

„Dass eine Therapie zugelassen ist, bedeutet nicht, dass sie für einen Patienten im Kran­kenhaus auch finanziert wird, kritisierte Johannes Bruns, Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft.

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Am Beispiel der 2018 in Deutschland zugelassenen CAR-T-Zelltherapie zeige sich das sehr gut, so Bruns. Nur wenige Krankenhäuser verfügen über die notwendige Erfahrung mit der hochkomplexen neuen Therapie.

Mittlerweile wurden fünf Innovationszentren für die CAR-T-Zelltherapie ausgewählt, eine Sonderstellung bezüglich der Finanzierung haben aber auch diese nicht. „Es ist für jeden Patienten ein Antrag bei der Krankenkasse erforderlich“, sagte Bruns.

Bruns zufolge befinden sich derzeit bis zu 20 weitere Zelltherapien in der Pipeline, die Frage der Finanzierung müsse deshalb zügig geklärt werden. „Wir haben in der Onkologie die Strukturen, aber es fehlen die festgelegten Abläufe – auch mit den Kostenträgern – für die Umsetzung neuer Therapien“, bestätigte Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe.

Er sprach allerdings ein weiteres Hindernis an, welches dem raschen Innovationstransfer im Weg steht: „Wir brauchen nicht nur eine bessere Vernetzung von Forschung und Ver­sor­gung, sondern auch gut ausgebildete medizinisch-wissenschaftliche Nachwuchs­kräf­te.“ Nur so sei man künftig für die immer komplexer werdende Krebsmedizin gewappnet.

Er bemängelte auch, dass jungen Onkologen an deutschen Universi­täten selten gute Pers­pektiven geboten würden. Die Deutsche Krebshilfe investiert deshalb jährlich fast sechs Millionen Euro in die Nachwuchsförderung.

Als eine der ersten nimmt zum Beispiel die Dresdner Ärztin Cornelia Link-Rachner am Förderprogramm „Mildred-Scheel-Nachwuchszentren“ teil. Sie erforscht am Universitäts­klinikum Dresden den Zusammenhang zwischen dem T-Zell-Rezeptorprofil und dem Risi­ko für eine Graft-versus-Host-Erkrankung. 50 Prozent ihrer Arbeitszeit ist der wissen­schaft­lichen Forschung gewidmet.

Forschung nach Feierabend ist heute keine Option mehr“, sagte die junge Mutter, „ich muss abends mein Kind aus der Kita abholen“. „Der Bedarf an Ärzten, die in den Innovati­o­nszentren an der Schnittstelle von Labor und Klinik forschen, ist längst nicht gedeckt“, ergänzte Andreas Hochhaus, Kongresspräsident des DKK 2020.

Im Hinblick auf die Facharztweiterbildung Hämatologie/Onkologie forderte er die Ärzte­kammern auf, die Laborzeit für die Weiterbildung anzuerkennen. Momentan sei dies nur vereinzelt und im geringen Umfang der Fall.

Ein rascherer Transfer des medizinischen Wissens in die Versorgung, einen geregelten – und finanzierten- Zugang zu innovativen Therapien und die Nachwuchsförderung – nur mit diesen flächendeckenden Strukturveränderungen sei „optimale Versorgung für alle“ – das Kongressmotto – möglich, da waren sich die Experten einig. © nec/aerzteblatt.de

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