NewsPolitikBier und Wein weiter ab 16 Jahren
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Bier und Wein weiter ab 16 Jahren

Mittwoch, 19. Februar 2020

/WavebreakmediaMicro, stock.adobe.com

Berlin – Die Bundesregierung sieht keinen Anlass dazu, die Altersgrenze zum Verkauf von Bier, Wein und weinähnlichen Getränken auf das 18. Lebensjahr anzuheben. Stattdessen wolle man Jugendliche weiterhin durch Aufklärung und Information zu verantwortungs­bewusstem Trinken bewegen. Das geht aus einer Antwort auf eine parlamentarische An­frage der Grünen hervor.

Deutschland zählt seit Jahren zu den Ländern mit dem höchsten Alkoholkonsum. Laut dem Drogen- und Suchtbericht 2019 der Bundesregierung gelten 3,1 Prozent der Deutschen als alkoholabhängig.

Anzeige

Seit 2004, dem Jahr der Einführung der sogenannten Alkopopsteuer auf alkoholische Mischgetränke, sei der regelmäßige Konsum sowie das Rauschtrinken (vier beziehungs­weise fünf Gläser oder mehr für Frauen und Männer) von 12- bis 17-jährigen zurückge­gangen, von 22,6 Prozent im Jahr 2004 auf 13,6 Prozent im Jahr 2018, so die Bundes­regierung.

Auch unter jungen Erwachsenen (18- bis 25-Jährige) sei der Konsum gesunken. 2004 tranken 43,6 Prozent dieser Altersgruppe regelmäßig (33,4 Prozent 2018). In einen Rausch gerieten 2004 noch 43,5 Prozent (37,8 Prozent 2018). Zum Vergleich berichtet die Regierung in ihrer Antwort vom Suchtverhalten der 60- bis 79-Jährigen. Von ihnen zeig­ten im Jahr 2011 rund 17 Prozent ein riskantes Trinkverhalten, knapp 67 Prozent konsu­mierten Alkohol „moderat“.

Regierung setzt auf Aufklärung statt Kontrolle

Mit den beiden Kampagnen „Alkohol? Kenn dein Limit“ und „Null Alkohol – Voll Power“ sowie der Aktion „Alkoholfrei Sport genießen“ verfolge die Bundesregierung das Ziel, der breiten Bevölkerung einen Verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol zu vermitteln. Für die Umsetzung der Aufklärungskampagnen sowie die Versorgung suchtkranker Menschen seien die Länder zuständig.

„Nach den von der BZgA 2005 bei den 12- bis 17-jährigen Jugendlichen erhobenen Daten lässt der Vergleich mit den Umfrageergebnissen vor Einführung der Alkopopsteuer er­kennen, dass der Konsum von spirituosenhaltigen Alkopops bei dieser Altersgruppe er­heblich zurückgegangen ist“, hieß es in der Antwort der Bundesregierung.

Diese Reduktion sei nicht von einer ausgleichenden Steigerung der Verkäufe anderer alkoholischer Getränke begleitet gewesen. Weitere Besteuerungen, wie eine einheitliche Steuer, die sich nach dem Reinalkoholgehalt richtet, seien jedoch nicht geplant.

Auch der Einführung von verpflichtenden Warnhinweisen auf alkoholischen Getränken, beispielsweise für Schwangere, steht die Bundesregierung weiterhin zurückhaltend ge­genüber. Sie hält die Information der Bevölkerung über Gefahren des Alkoholkonsums für ausreichend.

Die Präventionsstrategien beruhen laut der Antwort „auf wissenschaftlicher Basis“. Die Wirksamkeit der bestehenden Maßnahmen sei bereits belegt. Es würden weiterhin Stu­dien zu Einzelmaßnahmen durchgeführt sowie regelmäßige Umfragen, um das Risiko­verhalten der Deutschen zu eruieren.

Die Grünen bezeichneten die Präventionsmaßnahmen der Regierung aktuell als unzurei­chend. Dabei beriefen sie sich auf Evidenz, die besagt, dass bereits moderater Alkohol­ge­nuss ein signifikantes Erkrankungsrisiko mit sich bringt. Somit sei die bisherige Empfeh­lung eines risikoarmen Schwellenwerts wissenschaftlich nicht zu rechtfertigen, heißt es in der Kleinen Anfrage.

Zudem sei in Ländern, welche Alkoholwerbung verbieten oder effektiv beschränken der Konsum pro Kopf deutlich geringer als in Deutschland. In Schottland zeige darüber hi­naus ein Mindestpreis für Alkohol bereits erste Wirkungen auf den Konsum.

Die WHO hatte Deutschland 2019 unter anderem empfohlen, als wirksame und kosten­effektive Präventionsmaßnahme Alkoholwerbung einzuschränken. Auch die Steuern auf alkoholhaltige Getränke zu erhöhen, wäre eine praktikable Herangehensweise. © jff/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

24. März 2020
Berlin − Die Zahl der Drogentoten in Deutschland ist im vergangenen Jahr gestiegen. 2019 starben insgesamt 1.398 Menschen durch illegalen Rauschgiftkonsum, wie die Bundesdrogenbeauftragte
Mehr Drogentote in Deutschland in vergangenem Jahr
18. März 2020
München – Auch 3 Jahrzehnte nach dem Ende der DDR ist ein problematischer Alkoholkonsum in den neuen Bundesländern häufiger anzutreffen als im Westen. Doch auch im Süden der Republik wird laut einer
Studie: Menschen in Ost- und Süddeutschland trinken mehr Alkohol
17. März 2020
Palo Alto/Kalifornien – Die Anonymen Alkoholiker, eine weltweit agierende Selbsthilfebewegung mit kulturellen Wurzeln in den USA, sind nach einer Metaanalyse in der Cochrane Library (2020; DOI:
Cochrane-Analyse: Anonyme Alkoholiker langfristig erfolgreicher als Psychotherapien
16. März 2020
Hannover – Ein halbes Jahr nach der Initiative mehrerer Länder im Bundesrat für ein Rauchverbot im Auto ist keine Entscheidung absehbar. Der Gesetzentwurf liege dem Bundestag vor, wann darüber beraten
Entscheidung zum Rauchverbot im Auto nicht absehbar
10. März 2020
Charleston/South Carolina –Das Antiepileptikum Gabapentin, das bei der Alkoholkrankheit die Entzugssymptome lindert, hat in einer randomisierten kontrollierten Studie bei ausgesuchten Patienten den
Alkoholkrankheit: Gabapentin erleichtert in Studie Abstinenz
9. März 2020
Berlin – Die Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig will bessere Hilfen für Kinder aus Familien mit Suchtproblemen erreichen. „Kinder dürfen kein Kollateralschaden der elterlichen Sucht sein, um den
Drogenbeauftragte für bessere Hilfen für Kinder aus Sucht-Familien
5. März 2020
Berlin – DAK-Gesundheit und Suchtforscher haben sich erneut gegen eine geplante Zulassung von Online-Casinospielen ausgesprochen. Dies erhöhe die Suchtgefahr für Spieler deutlich und habe hohe
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER