NewsMedizinJunk Food kann neuronale Appetitkontrolle schwinden lassen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Junk Food kann neuronale Appetitkontrolle schwinden lassen

Mittwoch, 19. Februar 2020

/vaaseenaa, stock.adobe.com

Sydney – Sind Menschen satt, reduziert ein Teil des Hippocampus das Verlangen nach mehr Essen. Bei Junk Food wie Pommes, Pizza oder Burger scheint diese neuronale Appe­titregulation allerdings nicht richtig zu funktionieren.

Zu diesem Schluss kommen zumin­dest Forscher um Richard Stevenson von der Macquarie Universität in Sydney in einer kleinen Studie. Wie sie in Royal Society Open Science berichten (doi: 10.1098/rsos.191338) kann bereits eine Woche einer an Junk Food reichen Ernährung die Funktion des Hippocampus beeinträchtigen.

Die Studie reiht sich in eine Vielzahl von Untersuchungen ein, die Hinweise darauf lie­fern, dass sich zu viel Junk Food nicht nur ungünstig auf die Figur auswirkt, sondern auch dem Gehirn schadet. Beobachtet wurde unter anderem, dass Zucker die Vergesslichkeit fördern und zu viel ungesundes Essen Aggressivität, Depressionen und Stress steigern sowie bestimmte Hirnareale schrumpfen lassen kann.

Wie das Team um Stevenson nun berichtet, beeinflusst eine ungesunde Ernährungsweise den Hippocampus und lässt das Verlangen nach mehr steigen – selbst, wenn man eigent­lich schon satt ist.

In ihre Untersuchung bezogen die Wissenschaftler 105 junge, gesunde Freiwillige ein, die sich normalerweise gesund ernährten, und teilten sie in 2 Gruppen ein. Die eine Gruppe aß 8 Tage lang Junk Food, also Lebensmittel, die viel Zucker und gesättigte Fette enthielten.

So gab es zum Frühstück etwa getoastete Sandwiches und Milchshakes oder belgische Waffeln sowie im weiteren Verlauf des Tages eine Hauptmahlzeit von einer Fast-Food-Kette. Die Kontrollgruppe aß ihre üblichen Mahlzeiten.

Am 1. und am letzten Tag des Experiments wurden beiden Gruppen vor und nach dem Frühstück unterschiedliche ungesunde Snacks angeboten. Die Teilnehmer mussten angeben, wie groß ihr Verlangen danach war und – im Anschluss nach dem Probieren – bewerten, wie gut ihnen diese geschmeckt hatten.

Das Ergebnis: In der Gruppe, die sich von Waffeln, Burgern und Ähnlichem ernährt hatte, war die Selbstkontrolle nach einer Woche geringer ausgeprägt als in der Vergleichs­gruppe. Der Appetit der Teilnehmer auf ungesunde Snacks war wesentlich größer, auch dann noch, wenn sie schon genug gegessen hatten.

Die Wissenschaftler empfehlen nun, die Rolle des Hippocampus genauer zu untersuchen: Andere Forschungsarbeiten hätten nahegelegt, dass diese Hirnregion anfällig für Um­welt­einflüsse ist, etwa in Bezug auf Schlaflosigkeit, Stress, Umweltgifte, Depressionen und Diabetes Typ II – alles Faktoren, die gerade in der westlichen Welt häufig aufträten.

Kombiniert mit ungesunder Ernährung könnten diese nicht nur akute, sondern auch langfristige und zunehmende Schäden für den Hippocampus bedeuten. © dpa/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

7. April 2020
Kiel – Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel, hat eine bundesweite Ernährungsstudie zu COVID-19 initiiert. Ziel ist, milde Erkrankungen zu stabilisieren und die Zahl schwerer
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein startet Ernährungsstudie zu COVID-19
3. April 2020
Boston − Der häufige Verzehr von Tofu und Lebensmitteln, die höhere Mengen an Isoflavonen enthalten, war in 3 großen prospektiven Beobachtungsstudien mit einem leicht verminderten Risiko auf
Ernährung: Isoflavone und Tofu senken Herz-Kreislauf-Risiko
2. April 2020
Berlin – 99 Prozent der speziell an Kinder gerichteten Cerealien wie Müslis und Cornflakes überschreiten beim Zuckergehalt die Empfehlung der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) von 15 Gramm Zucker pro
Kindercerealien enthalten zu viel Zucker
1. April 2020
München – Münchner Wissenschaftler haben ein Verfahren vorgestellt, mit dem sich die Strukturen und eventuelle krankhafte Veränderungen von Gefäßen im Gehirn analysieren lassen – auch auf Ebene der
Neues Verfahren zur automatisierten Analyse von Hirngefäßen
31. März 2020
Providence, Rhode Island − Die Einnahme von Methylphenidat, besser bekannt unter dem Markennamen Ritalin, verbessert nicht die kognitiven Fähigkeiten, sie könnte allerdings die Motivation
Hirnforschung: Ritalin macht nicht klüger, motiviert aber zum Lernen
26. März 2020
München – Menschen können möglicherweise erst als 4-jährige die Denkweise eines anderen nachvollziehen – und nicht schon sehr viel früher, wie bislang angenommen. Das berichten Wissenschaftler des
Wann das Gehirn die Fähigkeit zur Empathie ausbildet
24. März 2020
Bayreuth – Wissenschaftler eines europäischen Verbundprojektes von sechs Partnern wollen neue Proteine entwickeln, die auf Lichtwellen reagieren und so Nervenzellen im Gehirn therapeutisch
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER