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Medizin

Sars-CoV-2: Screening von Reiserückkehrern ohne Rachenabstrich lückenhaft

Mittwoch, 19. Februar 2020

/Henrik Dolle, stock.adobe.com

Frankfurt am Main – Ein symptom- und kontaktbasiertes Screening allein kann eine Infektion mit dem neuartigen Sars-CoV-2 bei Reisenden aus Endemie-Gebieten nicht ausschließen. Dies zeigen die Erfahrungen der Passagiere, die am 1. Februar aus Wuhan nach Deutschland evakuiert wurden.

Bei zwei Personen, die ursprünglich als unbedenk­lich eingestuft worden waren, fiel der Virusnachweis in einem Rachenabstrich positiv aus. Einzelheiten stellen die Forscher im New England Journal of Medicine (2020; doi: 10.1056/NEJMc2001899) vor.

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Von den 126 Passagieren, die am 1. Februar auf dem Flughafen Frankfurt eintrafen, wurden 10 in die dortige Universitätsklinik überwiesen, wo sie in Einzelzimmern isoliert wurden. Der Verdacht beruhte bei 2 Personen auf einem Kontakt mit einer bestätigten Erkrankung, bei 6 Personen auf Symptomen.

Die übrigen beiden Personen hatten Personen mit Verdacht auf eine Sars-CoV-2-Infektion begleitet. Bei allen 10 Verdachtsfällen wurde die Infektion, wie ein Team um Prof. Sandra Ciesek, Leiterin des Instituts für Medizinische Virologie an der Uniklinik in Frankfurt, jetzt berichtet, nicht bestätigt.

Die übrigen 116 Reisenden verbrachten 2 Wochen in Quarantäne in der Südpfalz-Kaserne in Germersheim (sie wurden am 16. Februar entlassen). Allen war ein Rachenabstrich zum Gennachweis von Sars-CoV-2 angeboten worden, den bis auf eine Person alle akzep­tierten.

Bei 2 dieser Personen fiel der Gentest positiv aus. Sie wurden in die Isolierstation an die Uniklinik in Frankfurt überwiesen. Dort wurde bei einem Patienten ein leichter Hautaus­schlag und eine minimale Pharyngitis beobachtet. Beide Patienten blieben in den folgenden 7 Tagen ohne Fieber.

Dennoch hätten sie nach Einschätzung der Frankfurter Virologen das Sars-CoV-2 übertragen können. Laut Ciesek fiel nicht nur der Bestätigungstest positiv aus. Die Forscher konnten das Virus von beiden Patienten isolieren und in Caco-2-Zellen kulturell vermehren. Dort kam es zu zytopathischen Veränderungen, die eine Replikation und den Untergang von infizierten Zellen anzeigen. Die Forscher konnten das Coronavirus auch unter dem Elektronenmikroskop sichtbar machen.

Einer der beiden Patienten, eine 44-jährige Frau, gab später in einer Befragung an, dass sie zwischen dem 21. und 23. Januar einen Hautausschlag gehabt und unter Muskel- und Gelenkschmerzen gelitten habe. Sie konnte sich auch an eine erhöhte Temperatur (über 38°C) erinnern.

Am 25. Januar war es dann zu einem trockenen Husten und einem kratzenden Hals und am 28. Januar zu Ohrenschmerzen gekommen, woraufhin sie für 3 Tage Amoxicillin eingenommen hatte.

Den Behörden hatte sie dies offenbar verschwiegen. Der andere Patient, ein 58-jähriger Mann, konnte sich an keinerlei Symptome erinnern. Beide Patienten hätten ohne Rachenabstrich und ohne Quarantäne in Deutschland möglicherweise weitere Personen angesteckt. © rme/aerzteblatt.de

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