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Politik

Bremer Gesundheitssenatorin will Anwendung von Misoprostol zur Geburtseinleitung vereinheitlichen

Mittwoch, 19. Februar 2020

/Kzenon, stock.adobe.com

Bremen – In die Diskussion um den Einsatz des Prostaglandin E1-Analogons Misoprostol und dessen Off-Label-Anwendung in der Geburtshilfe hat sich die Bremer Gesundheits­se­nato­rin Claudia Bernhard (Linke) eingeschaltet.

Sie kündigte an, im Rahmen eines Runden Tisches prüfen zu wollen, wie die Risiken des Arzneimittels einzuschätzen sind und den Einsatz des Medikaments in der Geburtshilfe zu vereinheitlichen. Die Ärztekammer Bremen warnte heute umgehend davor, die ärztliche Therapiefreiheit durch politische Anordnungen einzuschränken.

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Misoprostol ist in seiner ursprünglichen Indikation zur Therapie von Magen- und Duoden­alulcera im Handel und zugelassen. Wegen seiner kontraktilen Wirkung auf den Uterus findet es aber auch als Mittel zur Einleitung von Geburten breite Anwendung – in Deutschland ist diese Anwendung aber nur als Off-Label-Use möglich, also als Anwen­dung außerhalb des von den Arzneimittelbehörden zugelassenen Bereiches.

Allerdings hat die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) bei geburtshilflichem Einsatz Mi­so­prostol auf die Liste der unverzichtbaren Medikamente gesetzt. Zudem ist Misoprostol in einer Dosierung von 25 Mikrogramm in skandinavischen Ländern und in Frankreich für die Geburtseinleitung zugelassen.

Eine Cochrane Review aus dem Jahr 2014 fand 75 relevante Studien mit fast 14.000 Teil­nehmerinnen zum Einsatz des Präparates in der Geburtshilfe. Sie kommt zu dem Schluss, dass das Profil von Wirkung und Risiken von Misoprostol mit dem anderer gängiger Wirk­stoffe vergleichbar ist.

Die Präsidentin der Ärztekammer Bremen, Heidrun Gitter, betonte, Ärzte handelten nicht illegal, wenn sie das Medikament einsetzten. Es sei dabei wichtig, Patientinnen vor dem Einsatz des Medikamentes in Ruhe und ausführlich über Wirkungen und mögliche Neben­wirkungen aufzuklären und über Alternativen zu informieren.

„Die Patientin hat ein Recht darauf, vor der Einleitung der Geburt umfassend mit dem sie betreuenden Arzt zu sprechen. Auch mit der Hebamme und dem sie in der Schwanger­schaft begleitenden Gynäkologen sollte sie besprechen können, welche Maßnahme für sie die beste ist“, sagte die Kammerpräsidentin.

Von einem Runden Tisch wie von der Gesundheitssenatorin angekündigt, hält Gitter nichts: Die Politik dürfe nicht in die individuelle Patienten-Arzt-Beziehung und die hier getroffene gemeinsame Entscheidung hineinregieren, betonte sie. © hil/aerzteblatt.de

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