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Ärzteschaft

Rund vier Prozent der Mütter entwickeln nach der Geburt eine posttraumatische Belastungsstörung

Mittwoch, 19. Februar 2020

/dpa

Berlin – Rund vier Prozent der Mütter entwickeln nach der Entbindung Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Sie leiden unter sehr negativen Stimmun­gen oder durchleben die traumatische Situation immer wieder. Eine neue Schwangers­chaft scheint aber von diesen negativen Erfahrungen nicht belastet zu sein. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (DGPM) hin.

„Die vorgeburtliche Bindung an das Kind gilt als wichtiger Faktor dafür, wie Schwanger­schaft und Geburt verlaufen“, sagte Susan Garthus-Niegel, Leiterin der Forschungsgruppe Epidemiologie und Frauengesundheit an der Klinik und Poliklinik für Psychotherapie und Psychosomatik der TU Dresden.

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Eine starke Bindung an das Ungeborene sei jedoch nicht selbstverständlich. Aus Studien sei vielmehr bekannt, dass psychische Risikofaktoren bei der Mutter wie Depressionen oder Ängste die pränatale Bindung stören können. „Es war daher anzunehmen, dass sich auch eine traumatische Geburtserfahrung auf die pränatale Bindung in einer weiteren Schwangerschaft auswirkt“, erläuterte Garthus-Niegel.

Sie befragte daher werdende Mütter in der 17. Schwangerschaftswoche zu früheren Ge­burtserfahrungen und möglichen posttraumatischen Symptomen. Gegen Ende der Schwangerschaft – in der 34. Woche – wurden die Frauen erneut befragt. Diesmal stand die Bindung zum heranwachsenden Kind im Fokus.

Wie die Auswertung ergab, hatten Frauen mit Anzeichen für eine frühere PTBS sogar eine stärkere Bindung an ihr Kind als Frauen mit niedrigen Belastungswerten. „Dieses Ergeb­nis hat uns überrascht“, so Garthus-Niegel. Es gebe jedoch einige mögliche Erklärungen.

So sei es denkbar, dass Frauen, die bei einer vorangegangenen Geburt Angst um das Le­ben ihres Kindes gehabt hätten, sich nun besonders protektiv verhielten. Auch könne die ausgesprochen positive Einstellung zur neuen Schwangerschaft die Möglichkeit bieten, die belastenden Vorkommnisse zu heilen.

Die DGPM nimmt die Untersuchung zum Anlass, jungen Müttern auch nach einer als schwierig erlebten Geburt Mut zu machen, sich für ein weiteres Kind zu entscheiden. © hil/aerzteblatt.de

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Dr West
am Donnerstag, 20. Februar 2020, 08:09

Keine Posttraumatische Belastungsstörung

Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist konzipiert als ein kausal definiertes Syndrom, dass nach katastrophaler Belastung (z. B. Zeuge bei einem gewaltsamen Tod, Opfer von Vergewaltigung) auftritt, "die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde" (ICD-10). Wenn herausgefunden wird, dass bei nur ca. 4 Prozent der Betroffen eine PTBS-Symptomatik auftritt, dann ist diese Diagnose nicht zu stellen, weil das Traumakriterium nicht hinreichend erfüllt ist. Das ohnehin bestehende Problem einer zu häufigen Diagnose der PTSB wird damit noch vergrößert.
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