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Medizin

Weltpremiere: Krebspatientin wird 5 Jahre nach In-vitro-Maturation Mutter

Mittwoch, 19. Februar 2020

/Andriy Bezuglov, stock.adobe.com

Paris – Eine In-vitro-Maturation ermöglicht die Verwendung von unreifen Eizellen, die dem Ovar ohne vorherige Hormonbehandlung entnommen werden. In Frankreich wurde das Verfahren weltweit erstmals angewendet, um einer jungen Krebspatientin die Option auf einen Kinderwunsch zu erhalten.

Die Eizellen wurden nach der In-vitro-Maturation kryokonserviert und 5 Jahre später für eine In-vitro-Fertilisation benutzt, die nach dem Bericht in den Annals of Oncology (2020; DOI: 10.1016/j.annonc.2020.01.005) zur Geburt eines gesunden Kindes führte.

Die In-vitro-Fertilisation wird üblicherweise an ausgereiften Eizellen durchgeführt. Um nicht nur auf eine einzelne Eizelle angewiesen zu sein, wird in der Regel durch eine Hormonbehandlung die Reifung mehrerer Eizellen induziert. Die Behandlung führt zu einem Anstieg der Östrogenproduktion im Ovar, weshalb die Ärzte einer 29-jährigen Frau, die an Brustkrebs erkrankt war, von der Behandlung abrieten.

Die Frau war an einem invasiven duktalen Karzinom erkrankt, dessen Zellen Rezeptoren für Östrogen- und Progesteron exprimierten. Eine ovarielle Hyperstimulation hätte möglicherweise das Wachstum von Metastasen gefördert und den Erfolg der geplanten Chemotherapie gefährdet.

Der Beginn der Chemotherapie sollte bald begonnen werden. Es blieb deshalb keine Zeit, um mit der Entnahme einer reifen Eizelle bis zur nächsten Ovulation zu warten (abgesehen davon, dass bei einer einzelnen Eizelle eine erfolgreiche In-vitro-Fertilisation nicht garantiert werden kann).

Das Team um Michaël Grynberg von der Universitätsklinik Antoine Béclère in Clamart bei Paris schlug der Frau deshalb vor, mehrere unreife Eizellen aus dem Ovar zu entnehmen und diese im Labor in einer Petrischale auszureifen. Diese In-vitro-Maturation ist seit etwa zwei Jahrzehnten möglich. Sie wird allerdings selten angewendet, weil die Erfolgs­rate bei der anschließenden In-vitro-Fertilisation niedriger ist als nach der Entnahme reifer Eizellen.

Bei der Krebspatientin kam hinzu, dass die In-vitro-Fertilisation nicht sofort erfolgen sollte, sondern erst nach Abschluss der Chemotherapie und nur im Fall einer erfolg­reichen Brustkrebsbehandlung. Die Mediziner froren deshalb die Eizellen nach der In-vitro-Maturation ein, um sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufzutauen und dann eine In-vitro-Fertilisation durchzuführen.

Dieser Zeitpunkt war fünf Jahre später gekommen. Die Frau war inzwischen 34 Jahre alt und sie hatte ihre Brustkrebserkrankung dank der Chemotherapie überlebt. Die Chemo­therapie hatte allerdings alle Eizellen im Ovar zerstört, so dass die gefrorenen 6 Eizellen ihre einzige Chance waren, ein eigenes Kind zu bekommen.

Nach dem Auftauen der Eizellen wurden mittels intrazytoplasmatischer Spermieninjek­tion 5 Embryonen gezeugt, von denen einer in den Uterus der Patientin implantiert wurde. Eine Hormonbehandlung hatte zuvor die Uterusschleimhaut auf die Schwanger­schaft vorbereitet (die Ovarien, die dies normalerweise bewerkstelligen, waren nach der Chemotherapie dazu nicht mehr in der Lage).

Die Implantation des Embryos gelang, die Frau wurde schwanger. Inzwischen wurde sie an einem normalen Termin entbunden. Der Junge ist gesund. Die einzelnen Schritte der Be­handlung, In-vitro-Maturation, Kryokonservierung der Eizellen und intrazytoplas­mati­sche Spermieninjektion, sind seit langem Routine. Die Kombination der drei Verfahren war nach Angabe der Mediziner jedoch eine weltweite Premiere. © rme/aerzteblatt.de

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