NewsAuslandKnochenfund in Israel erhellt prähistorische Krankenpflege
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Knochenfund in Israel erhellt prähistorische Krankenpflege

Donnerstag, 20. Februar 2020

Manot-Höhlen in Galiläa /picture alliance, AP Photo

Jerusalem – Ein 36.000 bis 38.000 Jahre alter menschlicher Fußknochen könnte neue Aufschlüsse über die sozialen und medizinischen Fähigkeiten des Homo sapiens in der Urgeschichte geben.

Spuren eines gut verheilten Bruchs des Knochen weisen Forschern zufolge darauf hin, dass der Verletzte über einen längeren Zeitraum gepflegt und versorgt wurde, wie die Zeitung Haaretz heute berichtet.

Anzeige

Gefunden wurden die Knochen demnach bei Grabungen in den Manot-Höhlen in Galiläa in den Jahren 2014 bis 2017. Untersuchungen des Fundes ergaben, dass sein Träger mut­maßlich einen komplizierten Mittelfußbruch auskuriert hatte.

Die Person unbe­kannten Geschlechts sei jung gestorben, aber an Ursachen, die wohl nichts mit dem Bruch zu tun hatten, so die Leiterin der Studie, die Anthropologin Hila May. Wahrschein­lich sei die Verletzung im Kindesalter durch einen Sturz oder einen Auf­schlag auf den Fuß entstanden.

Der oder die Verletzte sei über längere Zeit unbeweglich und auf Hilfe angewiesen gewe­sen, so May. Das Überleben und die Heilung des Bruchs zeugten in Mechanismen sozialer Solidarität in der prähistorischen Gesellschaft; über deren Funktionieren sei aber bislang wenig bekannt.

Die gute Heilung deute ferner auf medizinische Grundkenntnisse wie etwa das Schienen des Bruchs und die Ruhigstellung hin, so der Co-Leiter der Studie, Israel Herschkovitz.

Die Karsthöhlen von Manot nahe der libanesischen Grenze wurden laut der israelischen Antikenbehörde 2008 bei Bauarbeiten entdeckt; seit 2010 würden die Höhlen in der Negev-Wüste erforscht.

Archäologische Funde belegten eine Besiedlung der Höhle seit mehr als 100.000 Jahren. Zu den bedeutendsten Funden zählt ein 55.000 Jahre alter menschlicher Schädel. Er zeigt nach Einschätzung der Forscher, dass der moderne Mensch vor rund 65.000 Jahren von Afrika aus den Rest der Welt bevölkerte.

Der Fußknochen von Manot ist nicht der erste oder älteste Beleg für Krankenversorgung in der prähistorischen Gesellschaft. Unter anderem fanden Archäologen in einer Höhle im irakischen Kurdengebiet Überreste eines mehrfach behinderten Neandertalers, der etwa im Alter von 50 Jahren starb und nach Forschermeinung nicht ohne Hilfe so lange über­lebt hätte. © kna/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

27. Januar 2020
Berlin – Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung Jürgen Dusel hat an die vom NS-Regime ermordeten Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen erinnert. Dusel mahnte heute, dass
Gedenken an NS-Morde von Menschen mit Behinderung
15. Januar 2020
Berlin – Vor einer längeren Modernisierung öffnet das Medizinhistorische Museum der Berliner Charité zeitweise kostenlos seine Pforten. Vom 30. Januar bis zum 2. Februar bietet die Einrichtung den
Charité-Museum lädt vor Schließung zu Gratisbesuchen ein
3. Januar 2020
Berlin – Die komplette Rekonstruktion der RNA eines Masernvirus aus einem Lungenpräparat von einem Mädchen, das 1912 an Komplikationen der Infektion gestorben ist, ermöglicht eine neue Abschätzung zur
Masernvirus älter als angenommen
7. Juni 2019
Jena/München – Im Jahr 541 begann im Byzantinischen Reich mit der Justinianischen Pest eine verheerende Seuche, benannt nach dem damals regierenden Kaiser Justinian I. In der Folge suchte die
Wie die „Justinianische Pest“ sich im Frühmittelalter in Europa ausbreitete
22. März 2019
Berlin – Lange Zeit war das Bild des Chirurgen Ferdinand Sauerbruch überwiegend positiv geprägt. Dass hinter der Koryphäe eine ambivalente und streitbare Person liegt, machten erst spätere Forschungen
Sauerbruch zwischen Medizin und Mythos
15. März 2019
Berlin – Die Berliner Charite zeigt ab dem 22. März eine Ausstellung über den berühmten Chirurgen Ferndinand Sauerbruch (1875–1951). Anders als in der aktuellen ARD-Serie „Charite“ zeige die Schau
Charité zeigt Ausstellung über Sauerbruch
8. Februar 2019
Berlin – Ein in Süddeutschland gefundenes Fossil ist der bisher älteste Hinweis auf eine Krebserkrankung in der Natur. Der in JAMA Oncology (2019; doi: 10.1001/jamaoncol.2018.6766) vorgestellte
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER