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Medizin

Studie: Sars-CoV-2 wird wie Grippe übertragen

Donnerstag, 20. Februar 2020

/psdesign1, stock.adobe.com

Guangzhou – Das Sars-CoV-2, das sich weiterhin rasch in China ausbreitet, ist in der Nasenschleimhaut in höheren Konzentrationen enthalten als im Rachen. Dies zeigt eine Studie im New England Journal of Medicine (2020; doi: 10.1056/NEJMc2001737) an Patienten, die im Verlauf der Erkrankung mehrmals untersucht worden waren.

Da Sars-CoV-2 eine schwere Pneumonie mit akutem Lungenversagen auslösen kann, gingen die Forscher anfangs davon aus, dass die Viren sich bevorzugt in den tiefen Atemwegen vermehren. Die Dynamik der Covid-19-Epidemie in China hat in den letzten Wochen Zweifel an dieser Hypothese aufkommen lassen.

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Die jetzt von einem Team um Jie Wu von den Gesundheitsbehörden der Provinz Guangdong in Guangzhou vorgestellten Ergebnisse liefern den Beweis, dass die Viren auch im Rachenraum und in der Nasenschleimhaut vorhanden sind. Die Konzentration war in den Abstrichen aus der Nasenschleimhaut sogar tendenziell höher als in den Rachenabstrichen. Die Ausscheidung des Virus sei Grippeviren ähnlicher als dem Sars-CoV, schreibt Wu.

Die Forscher haben bei 18 Patienten im Verlauf der Erkrankungen 1- bis 9-mal Abstriche von Nasen- und Rachenschleimhaut entnommen und mit der Reverse-Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion vermehrt.

Die Zahl der Vermehrungszyklen, die bis zum Nachweis der Viren erforderlich war („cycle threshold“ oder Ct-Wert), lieferte einen Hinweis auf die Virusmenge in den Abstrichen und damit der Virusausscheidung. Ein hoher Ct-Wert zeigt dabei eine niedrige Viruskonzentration an.

Unter den 18 Patienten waren 4, die sich bei den anderen Mitgliedern der Kohorte angesteckt hatten. Einer der 4 Patienten erkrankte nicht an Covid-19. Doch auch bei dieser Person wurden die Viren sowohl im Nasen- als auch im Rachenabstrich gefunden. Dies ist laut Wu ein klarer Beweis dafür, dass die Erkrankung auch im asymptomatischen Stadium übertragen werden kann.

Da die Viren auch im Nasenabstrich enthalten waren, könnte das Übertragungsrisiko so hoch sein wie bei einer Grippe. Bei Sars-Patienten war das Virus zwar auch im Nasen-Rachen-Raum nachgewiesen worden. Die Viruskonzentration war jedoch zu Beginn niedrig und erreichte erst im Verlauf der Erkrankung nach etwa 10 bis 15 Tagen einen Höhepunkt (Lancet 2003; 361: 1767-72).

In der aktuellen Kohorte von Patienten mit Sars-CoV-2 waren die Viren bereits bei Einsetzen der Symptome – und bei einer Person auch ohne Symptome – in hoher Konzentration vorhanden, wobei die Konzentration in den Nasenabstrichen sogar tendenziell höher war.

Dies deutet auf eine erhöhte Ansteckungsfähigkeit hin und dürfte erklären, warum deutlich mehr Menschen an Covid-19 als an Sars erkrankt sind und warum es in China trotz drastischer Maßnahmen bisher nicht gelang, die Epidemie einzudämmen.

Drei Patienten erkrankten schwer. Sie mussten auf der Intensivstation behandelt werden. Bei ihnen war der Ct-Wert im Nasenabstrich 2,8-fach und im Rachenabstrich 2,5-fach niedriger (sprich die Viruskonzentration höher) als bei den Patienten, die nur leicht oder mittelschwer erkrankten.

Wu schätzt die Viruskonzentration auf 1,5 mal 10 hoch 4 bis 1,5 mal 10 hoch 7 Kopien pro Milliliter. Das Virus wird in erster Linie per Tröpfchen übertragen. Jedes Tröpfchen dürfte demnach mehrere Tausend bis Millionen Viren enthalten. © rme/aerzteblatt.de

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