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Politik

Ethikrat verabschiedet Ad-hoc-Empfehlung zur Trans-Identität bei Kindern und Jugendlichen

Freitag, 21. Februar 2020

/nito, adobe.stock.com

Berlin – Da derzeit die Zahl derjenigen Kinder und Jugendlichen, die ihre empfundene geschlechtliche Identität im Widerspruch zu der ihnen personenstandsrechtlich zuge­schriebenen Geschlechtszugehörigkeit wahrnehmen, stetig steigt, hat der Deutsche Ethikrat gestern eine Ad-hoc-Empfehlung zum Thema Trans-Identität bei Kindern und Jugendlichen verabschiedet.

Damit möchte das interdisziplinär besetzte Gremium die Öffentlichkeit für die diffizilen Fragen eines angemessenen gesellschaftlichen und medizinischen Umgangs mit Trans-Identität sensibilisieren. Gleichzeitig wollen die Experten aber auch mit Betroffenen, Ex­perten aus Medizin, Ethik und Recht sowie der Öffentlichkeit in einen Dialog treten.

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Bereits vor einer solchen breiten Debatte weist der Rat in seiner Empfehlung mit Nach­druck auf wichtige ethische Grundsätze hin, die als Orientierung bei der Begleitung und Behandlung der Betroffenen dienen sollen.

So müsse zum einen das allgemeine Persönlichkeitsrecht beachtet werden, das auch das Recht, ein Leben entsprechend der eigenen, subjektiv empfundenen geschlechtlichen Iden­­tität zu führen und in dieser Identität anerkannt zu werden, umfasse. In allen Ent­scheidungsprozessen müsse das Kind gehört und müssten seine Vorstellungen und Wün­sche seiner Reife und seinem Alter entsprechend berücksichtigt werden.

An wichtige Entscheidungen heranführen

Die therapeutische Interaktion mit dem Kind müsse schließlich so gestaltet werden, dass es an die mit zunehmendem Alter folgenreicher werdenden Entscheidungen herange­führt werde, betont der Rat. Eltern und behandelnde Personen sollten das Kind dabei bestmöglich unterstützen.

Sei das Kind hinreichend einsichts- und urteilsfähig, um die Tragweite und Be­deutung der geplanten Behandlung zu verstehen, sich ein eigenes Urteil zu bilden und danach zu entscheiden, müsse sein Wille maßgeblich berücksichtigt werden. Ohne seine Zu­stim­mung oder gar gegen seinen Willen dürfe es nicht behandelt werden.

Nutzen und Schaden der medizinisch-therapeutischen Maßnahmen müssten in jedem in­dividuellen Fall sorgfältig abgewogen werden, betonen die Experten. Dies gelte ins­be­sondere deshalb, weil die Maßnahmen hinsichtlich ihrer Risiken, Nebenwirkungen und Folgen teilweise umstritten sind.

Wie die Risiken, (Neben-)Wirkungen und langfristigen Folgen, die den Minderjährigen durch aktives medizinisch-therapeutisches Eingreifen entstünden, müssten aber auch solche berücksichtigt werden, die durch das Unterlassen von Maßnahmen drohen.

Sowohl die in Betracht gezogenen Behandlungsmöglichkeiten als auch deren Unterlass­ung könnten schwerwiegende und teils irreversible Folgen haben, schreibt der Rat in seiner Stellungnahme.

Gerade angesichts der Streitigkeit einzelner Handlungsoptionen hätten Betroffene und ihre Eltern einen Anspruch auf eine ausgewogene Beratung und Aufklärung. Zudem sollte ein entstigmatisierender Umgang mit Trans-Identität bei Kindern gefördert werden. Ent­sprechende Angebote psychosozialer Beratung müssten gestärkt werden.

Auch der Gesetzgeber hat begonnen, sich mit dem Thema zu befassen (Referentenent­wurf des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz, Entwurf eines Gesetzes zum Schutz von Kindern vor geschlechtsverändernden operativen Eingriffen sowie Ge­setz zum Schutz vor Konversionsbehandlungen, Kabinettsbeschluss vom 18. Dezember 2019).

Die Ursachen des deutlichen Anstiegs der Zahl der Behandlungs- und Beratungssuchen­den, unter diesen ein hoher Anteil von (nach ihrem Geburtsgeschlecht) weiblichen Ju­gend­lichen, sind jedoch umstritten. Sie bedürfen nach Ansicht des Ethikrates dringend weiterer Klärung.

Auch die langfristigen Auswirkungen medizinischer Behandlungen müssten weiter untersucht werden, um die schwierigen prognostischen Entscheidungen auf eine bessere empirische Basis zu stellen. © ER/aerzteblatt.de

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Avatar #819331
S.Schwanczar
am Freitag, 13. März 2020, 13:53

"geplanten Behandlung"

Zitat:
"Sei das Kind hinreichend einsichts- und urteilsfähig, um die Tragweite und Be­deutung der geplanten Behandlung zu verstehen?

Das verwundert mich doch sehr.
Maßen sich hier wieder irgendwelche selbsternannten "Fachleute" aus Medizin und Psychologie an, IHRE Behandlungen am Kind zu exekutieren?
Das ist in höchsten Maße verwerflich und destruktiv.
Die Kinder müssen gerade vor solchen "Fachleuten" geschützt werden.

Wenn das Kind eine Behandlung wünscht, wird es sich selbst melden. Und das ist in der Regel in der Zeit der Geschlechtsreife.

Ich kann Ihnen noch als durchaus sehr gut Informierte (leider) noch mitteilen, dass Ärzte in keinem Fall die Betroffenen wahrheitsgemäß aufklären.

Das fängt schon damit an, dass sie bei der Diagnose belogen werden, indem man sie für "transsexuell" oder "transidentisch" erklärt, obwohl körperliche Zwischengeschlechtlichkeit, also Intersexualität, vorliegt.

Das geht weiter, indem falsche Angaben über den Erhalt der Orgasmusfähigkeit gemacht werden

Und das geht weiter, dass über die außerordentlich destruktiven Folgen des Hormonausfalls nach Gonadektomie nicht informiert wird.

Es wird nicht darüber informiert, dass dieser Hormonausfall mit einer einfachen Gabe von Östrogenen, Gestagenen, Testosteron nicht substituiert wird, von den natürlichen Schwankungen des Hormonhaushalts je nach Zyklus, Tageszeit, Belastung und Krankheit ganz zu schweigen.

Hormongaben sind durchaus notwendig, aber zurückhaltend zu dosieren, zum Beispiel 2 mg Estradiolvalerat täglich oral (bei Erwachsenen) und NICHT intramuskulär. Androcur ist schädlich und nicht indiziert.

Chirurgische Maßnahmen haben bei Kindern und Jugendlichen und meiner Meinung nach auf Grund unzureichendender Aufklärung durch die Ärtze auch im jungen Erwachsenalter zu unterbleiben.
Sie sind in dem Alter auch keineswegs indiziert.
Avatar #819331
S.Schwanczar
am Freitag, 13. März 2020, 13:37

Falsche Diagnose

Man sollte, insbesondere dann, wenn man im Mantel des Experten auftritt, schon wissen, wovon man spricht.

Es gibt nämlich keine "Trans-Identität"

Psychische Fortpflanzungsvoraussetzungen sind immer körperlich festgelegt.
Körperliche Geschlechtsmerkmale werden bis auf wenige Ausnahmen nicht durch Gene, sondern durch Hormone geprägt. Dazu gehören auch die psychischen Fortpflanzungsvoraussetzungen:
- das Geschlecht, in das man sich verliebt
- das Geschlecht, in dem man sich richtig verortet fühlt

Aus diesem Grund, konnten weder geschlechtliche Orientierung noch geschlechtliche Identität jemals geändert werden. Das ist alles seit vielen Jahrzehnten durch entsprechende Untersuchungen bewiesen:

Untersuchungen zur Bedeutung partieller 21-Hydroxylase- und 3beta-Hydroxysteroiddehydrogenasedefizienzen für die Ätiogenese von Formen psychischer Intersexualität / von Rolf Lindner
Lindner, Rolf (Verfasser)
http://d-nb.info/948413921

Geschlechtsspezifische Differenzen der Hirnaktivität in der fMRT bei Normalprobanden im Vergleich mit transsexuellen Probanden / vorgelegt von Eva Renate Krause, geb. Heuel
http://d-nb.info/987460315
https://duepublico2.uni-due.de/servlets/MCRFileNodeServlet/duepublico_derivate_00018593/Dissertation_EvaKrause.pdf

Wissenschaftlich korrekt sind Lesben, Schwule und "Transsexuelle" Zwitter, genauer: körperliche geschlechtliche Zwischenformen (Fachbegriff Intersexuelle).

Es gibt übrigens keinerlei wissenschaftlichen Erkenntnisse, dass die Fremdeinschätzung selbsternannter Experten aus der Medizin wie beispielsweise jener selbsternannten "Sexualwissenschaftlichen" Gesellschaften wie der "Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung" aus Hamburg, der "Akademie für Sexualmedizin" aus Kiel oder der "Gesellschaft für Sexualwissenschaft" aus Leipzig, diagnostisch treffsicher ist, als die Selbsteinschätzung der Betroffenen, die ihr ganzes bisheriges Leben "Alltagstest" im falschen Geschlecht absolviert haben.
Übrigens ist der von genannten "wissenschaftlichen Gesellschaften geforderte Alltagstest "in allen sozialen Bereichen" http://www.bernhard-breuer.de/download/StandardsTS.pdf ein besonders destruktiver Übergriff
Die in diesen "Standards" geforderte Psychotherapie ist eine der sogenannten Konversationstherapien
Und zu guter letzt wird in diesen Standards ganz klar die Bereitschaft zur Inkaufnahme chirurgischer Eingriffe zum diagnostischen Kriterium erhoben und daran die Gewährung von Hormonen geknüpft.
Zitat:
"Transsexualität ist (...) gekennzeichnet. Dazu gehören (...) der Wunsch, durch hormonelle UND chirurgische Maßnahmen soweit als möglich die körperliche Erscheinungsform des Identitätsgeschlechts anzunehmen" (Hervorhebung von mir)

Es sind wie bereits nachgewiesen keine "Transsexuellen" sondern Zwitter.

Sie werden als "Transsexuelle" psychopathologisiert, um genau solche rechtswidrigen Praktiken wie diese in ihren Auswirkungen außerordentlich destruktiven "Standards der Behandlung und Begutachtung von Transsexuellen" aufzwingen zu können.
http://www.bernhard-breuer.de/download/StandardsTS.pdf

Ich plädiere als selbst davon Betroffene sehr dafür, dass es die Ärzteschaft endlich auf die Reihe bekommt, diese Praktiken zu unterbinden und diesen "sexualwissenschaftlichen" Gesellschaften das Handwerk zu legen.

-------------------
Anmerkung
Die Offizielle Veröffentlichung dieser "Standards" erschien in der Zeitschrift für Sexualforschung:
Z. Sexualforsch. 10, 147-156, 1997

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