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Interprofessionelle Zusammenarbeit braucht Energie und Überzeugung

Donnerstag, 20. Februar 2020

/FotolEdhar, stock.adobe.com

Bern – Eine gute Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen wird immer mehr zum Erfolgsfaktor in der Gesundheitsversorgung. Die Schweizerische Akademie der Medizini­schen Wissenschaften (SAMW) hat daher eine Studie zu den Erfolgsfaktoren interprofessi­o­neller Zusammenarbeit (IPZ) initiiert. Die Wissenschaftler ziehen aus leitfadengestütz­ten Interviews mit verschiedenen Gesundheitsfachleuten mehrere Fazits.

„Das professionelle Neben-, Mit- und gelegentlich auch Gegeneinander stellt gewisser­maßen die etablierte und gewohnte Normalsituation dar“, schreiben die Autoren der Stu­die. IPZ sei also die Ausnahme, eine Abweichung vom Normalfall.

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Sie folgern daraus: „Eine Abweichung vom Normalfall wird gute Gründe benötigen, um sich behaupten zu können, mehr noch: Weil der Normalfall organisatorisch und professio­nell begründet ist, wird die Behauptung einer produktiven Abweichung organisatorische wie professionelle Vorteile bieten müssen.“

Dies erkläre, warum Appelle zu mehr Zusammenarbeit der Professionen nicht genügten, sondern regelmäßig ins Leere liefen, so die Wissenschaftler. Es braucht also Bindekräfte, die dazu führe, dass sich die IPZ gegenüber dem Normalfall der Arbeitsteilung durchsetzt und längerfristig bestehen bleibt.

„In jedem Fall braucht es Energie, um IPZ behaupten zu können“, schreiben die Wissens­chaftler. Dafür müsse die IPZ für alle Beteiligten im Alltag als sinnhaft und produktiv er­lebt werden. Eine rein technische Implementierung, zum Beispiel in Form von gemeinsa­men Besprechungen oder Visiten, reiche allein nicht aus, schreiben sie.

Letztlich brauche es „starke Überzeugungen der Beteiligten“, um IPZ einzuführen und dauerhaft zu leben. „Kulturen der IPZ sind mit Sorgsamkeit zu pflegen. Der Normalfall droht immer“, schreiben die Wissenschaftler – und meinen mit dem „Normalfall“ das übliche Nebeneinander der Professionen.

Sie warnen, gerade Ärzte seien wegen ihrer herausgehobenen Position besonders gefähr­det, unter sich zu bleiben und die IPZ zu vernachlässigen. „Ohne entsprechenden Einsatz und Energiemobilisierung kommt der Rückfall rasch zum Tragen. Der Normalfall droht“, so die Wissenschaftler. © hil/aerzteblatt.de

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