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Sars-CoV-2-Impf­stoff: Peking hält baldige Testphase für möglich

Freitag, 21. Februar 2020

/picture alliance, Xinhua

Peking – Ein erster Impfstoff gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 könnte nach Einschät­zung der chinesischen Behörden ab Ende April bei Menschen getestet werden. Mehrere For­scherteams arbeiteten mit unterschiedlichen Techniken an der Entwicklung eines Impf­stoffs, sagte der chinesische Vize-Forschungsminister Xu Nanping heute bei einer Pressekonferenz in Peking. „Der erste dürfte gegen Ende April in klinischen Tests erprobt werden.“

Der Vize-Direktor von Chinas Nationaler Gesundheitskommission, Zeng Yixin, erläuterte die unterschiedlichen Methoden bei der Entwicklung eines Impfstoffs. Die chinesischen Forscher verwenden demnach unter anderem deaktivierte Viren oder produzieren mit Gentechnik Proteine, die als Antikörper gegen den Erreger dienen sollen. Ein weiterer Ansatz ist die Modifizierung von bestehenden Grippe-Impfstoffen. Einige der Substanzen würden derzeit an Tieren getestet, sagte Zeng.

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Außer chinesischen Wissenschaftlern arbeiten auch Forschungseinrichtungen und Unter­­nehmen in anderen Ländern wie etwa das Institut für Virologie der Philipps-Universität im hessischen Marburg an einem Impfstoff. Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) hatte Anfang der Woche erklärt, es werde mindestens ein Jahr dauern, bis ein im großen Maß­stab einsetzbarer Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus vorliege.

Chinas Staatschef Xi Jinping sagte heute bei einer Politbüro-Sitzung, der Höhepunkt der Epidemie sei „noch nicht gekommen“, die Lage in der besonders schwer betroffenen Pro­vinz Hubei sei weiterhin „düster und kompliziert“. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreye­­sus mahnte, wenn die internationale Gemeinschaft jetzt nicht „hart“ gegen das Virus vorgehe, werde sie vor einem „schwerwiegenden Problem“ stehen.

Erneut Arzt gestorben

In der chinesischen Millionenmetropole Wuhan ist gestern erneut ein junger Arzt am Co­ro­navirus gestorben. Der 29-jährige Peng Yinhua starb, nachdem er sich bei der Arbeit am Volkskrankenhaus Nummer 1 des Bezirks Jiangxia in Wuhan angesteckt hatte, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Er ist eines der jüngsten bekannten Opfer.

Insgesamt sind nach offiziellen chinesischen Angaben mindestens acht Mitarbeiter des medizinischen Personals des Landes durch die Epidemie gestorben, die von Wuhan ihren Ausgang genommen hatte. Mehr als 1.700 Ärzte und anderes medizinisches Personal haben sich angesteckt.

Besonders großes Aufsehen erregte der Tod des 34 Jahre alten Augenarztes Li Wenliang, der Anfang Februar an der Infektion gestorben war. Li hatte als einer der ersten vor dem Virus gewarnt. Nach seiner Schilderung versuchte die Polizei jedoch, ihn mundtot zu machen.

Fehlende Ausrüstung

Viele Ärzte in Wuhan haben nicht genug Atemmasken und Schutzanzüge, wie medizini­sche Angestellte der Nachrichtenagentur AFP sagten. Viele tragen demnach ungeeignete Schutzkleidung und arbeiten wegen Personalmangels weiter, wenn sie bereits unter Atemwegsbeschwerden leiden.

Pengs Tod sorgte in den Online-Netzwerken für große Trauer. Viele Nutzer des Online­diens­tes Weibo zeigten sich betroffen über seinen frühen Tod. Experten zufolge ist das Virus in der Regel vor allem für Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen gefährlich.

Das Virus war im Dezember in China erstmals bei Menschen festgestellt worden. Es löst die Atemwegserkrankung Covid-19 aus. In Festlandchina steckten sich nach Behördenan­gaben bislang rund 75.000 Menschen mit dem Virus an, mehr als 2.200 von ihnen star­ben. In etwa 25 weiteren Ländern, darunter Deutschland, wurden insgesamt rund 1.100 Infektionen nachgewiesen, elf Infizierte starben.

Erstmals hat Israel eine Infektion gemeldet. Ein Passagier des Kreuzfahrtschiffs „Diamond Princess“, das wegen des Virus in Japan zwei Wochen unter Quarantäne stand, sei bei sei­ner Heimkehr positiv auf den Erreger getestet worden, teilte die israelische Regierung heute mit. Bei rund einem Dutzend weiteren heimgekehrten Passagieren aus Israel sei das Virus hingegen nicht nachgewiesen worden.

Ansteckung von Gefangenen

In chinesischen Gefängnissen in mindestens drei Provinzen des Landes haben sich bis­lang mehr als 450 Insassen und sieben Aufseher mit dem neuartigen Coronavirus infi­ziert. Be­troffen seien Haftanstalten in der schwer von der Lungenkrankheit Covid-19 be­troffenen Provinz Hubei in Zentralchina, aber auch in Ostprovinzen Zhejiang und Shan­dong, wie die Zeitung Global Times heute berichtete.

Als Konsequenz seien Verantwortliche der Haftanstalten und Justiz in Zhejiang und Shan­dong ihrer Posten entbunden worden. Allein in der Provinz Hubei seien 220 Infektionen gemeldet worden – in einem „handschriftlichen Bericht“ der Gefängnisverwaltung, weil es kein computerbasiertes Meldesystem gebe, wie die Zeitung berichtete.

Im Rencheng-Gefängnis in Shandong gebe es weitere 207 Infektionen, darunter sieben Polizei­beamte. Der Parteichef des Justizverwaltung der Provinz sei entlassen worden, weil er den Ausbruch nicht verhindert habe, so die Zeitung. Auch in der Provinz Zhejiang seien in der Shilifang-Haftanstalt 34 Insassen infiziert, berichtete das Blatt auf Twitter. Sie seien zur Behandlung in Krankenhäuser gebracht worden.

In den engen und überfüllten chinesischen Gefängnis mit schlechter medizischen Versor­gung könne sich das Virus leicht ausbreiten, zitierte die Global Times einen Beamten, der namentlich nicht genannt werden wollte. „Es ist nicht einfach, mit mangelhaften medizi­ni­schen Einrichtungen in Haftanstalten verdächtige Patienten zu entdecken und die Über­tragungswege rechtzeitig zu unterbinden.“

In der Ukraine gab es unterdessen Ausschreitungen auf dem Weg von Dutzenden Ukrai­nern aus der chine­si­schen Stadt Wuhan in eine Quarantänestation in der Zentralukraine.

Auf der Fahrt dorthin wurden mehrere Scheiben der Busse eingeworfen, wie Live-Bilder im ukrainischen Fernsehen zeigten. Die Polizei musste für den Konvoi eine brennende Barrikade räumen. Neun Polizisten und ein Zivilist hätten danach ärztliche Hilfe benötigt. Über den Grad der Verletzungen machten die Behörden zunächst keine Angaben.

Hunderte Menschen hatten gegen die Rückkehr aus Angst vor dem Coronavirus demons­triert. Sie waren teilweise mit Eisenstangen bewaffnet. Es flogen Steine. Mehrere Hun­dert Polizisten waren im Einsatz, um die Lage zu beruhigen. Anwohner hatten eine Ver­bin­dungsstraße zu der Quarantänestation blockiert.

Die Quarantänestation befindet sich in einem Sanatorium der ukrainischen Nationalgarde in der Ortschaft Nowi Sanschary knapp 300 Kilometer östlich von Kiew. Die China-Rück­kehrer kamen dort am Abend an. Das Gelände war komplett abgeriegelt.

Die ukrainische Ge­sund­heits­mi­nis­terin Sorjana Skalezkaja kündigte als Konsequenz der Ausschreitungen an, ebenfalls für zwei Wochen in die Quarantänestation zu gehen. „Ich hoffe, dass mein persönliches Verhalten eine Beruhigung der Situation und eine Aussöh­nung begünstigt. Das brauchen wir alle“, schrieb sie bei Facebook.

Irak schließt die Grenzen

Aus Furcht vor einem Überschwappen des nun auch im Iran nachgewiesenen Coronavirus schloss der Irak seine Grenze zum Nachbarland. Iraner dürften die Übergänge nicht län­ger passieren.

Aus der Islamischen Republik einreisende Iraker würden den vom Ge­sund­heits­mi­nis­teri­um angeordneten Prüfungen unterzogen, teilte die irakische Grenzschutz­behörde mit. Irakischen Medienberichten zufolge setzte die staatliche Fluggesellschaft Iraqi Airways zudem vorerst ihre Verbindungen zu iranischen Zielen aus.

Im Iran sind nach Angaben des Ge­sund­heits­mi­nis­teriums inzwischen zwei weitere Covid-19-Patienten gestorben. „In den letzten Tagen gab es positive Testergebnisse bei 13 wei­te­ren Coronavirus Sars-CoV-2 Patienten und leider sind zwei von ihnen in der Zwischen­zeit gestorben“, twitterte Ministeriumssprecher Kianusch Dschahnpur heute.

Von den 13 Patienten kommen 4 aus der Hauptstadt Teheran, 7 aus der Stadt Ghom und 4 aus der Gilan Provinz am Kaspischen Meer in Nordiran, so der Sprecher. Weitere Details zu den beiden Toten und den Patienten gab der Sprecher nicht an. Schon vorgestern wa­ren in Ghom zwei Patienten an der von dem Virus verursachten Lungenkrankheit Covid-19 gestorben. Es soll sich um zwei ältere Männer handeln, die Anfang der Woche mit Atemproblemen ins Krankenhaus gebracht wurden. © dpa/afp/aerzteblatt.de

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Avatar #767798
Cryonix
am Freitag, 6. März 2020, 20:36

Vakzinentwicklung: Das Sciencemediacenter Germany

hat heute ein Webinar (1) zum Thema Impfstoffentwicklung abgehalten. "Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus – Welche Hürden sind noch zu nehmen? " Auf dem Podium:
Prof. Dr. Stephan Becker
Direktor des Instituts für Virologie, Philipps-Universität Marburg, Prof. Dr. Klaus Cichutek
Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts – Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel und über Telefon aus USA Prof. Dr. Florian Krammer
Professor of Vaccinology at the Department of Microbiology, Icahn School of Medicine at Mount Sinai, New York

(1) https://www.sciencemediacenter.de/alle-angebote/press-briefing/details/news/impfstoff-gegen-das-neuartige-coronavirus-welche-huerden-sind-noch-zu-nehmen/

Audiodatei frei, Transkript frei, Webinar anmeldepflichtig
Avatar #767798
Cryonix
am Montag, 24. Februar 2020, 10:34

Bei aller Empathie

für rasche und dringend nötige Erfolge, einen Impfstoff - egal wo - zu etwickeln und bereitzustellen, sollte man nicht darauf hereinfallen, unbeabsichtigt zur Echokammer für Durchhalteparolen chinesischer Staatsmedien zu avancieren.
Avatar #799020
Sivend
am Montag, 24. Februar 2020, 10:21

Danke!

Danke Cryonix für die Verlinkung, war eine gute Aktualisierung!
Avatar #767798
Cryonix
am Montag, 24. Februar 2020, 09:32

Schwerer Dämpfer

Die chinesische Ärztin und Vakzinforscherin Tao Lina hat am 24.02.2020 die hochgeschraubten Erwartungen an die rasche Bereitstellung eines Impfstoffes gegen COVID-19 auf ein realistischeres Zeitfenster zurückgesetzt. (1)

(1) "Unrealistic to expect vaccine for novel coronavirus to arrive soon", TAO LINA, ChinaDaily 24.02.2020
https://www.chinadaily.com.cn/a/202002/24/WS5e5316b3a310128217279a30.html
LNS

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