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Medizin

Prurigo nodularis: Nemolizumab lindert den Juckreiz

Freitag, 21. Februar 2020

/dpa

Münster – Der Antikörper Nemolizumab, der die Signale von Interleukin 31 blockiert, hat in einer Phase-2-Studie im New England Journal of Medicine (2020; 382: 706-716) den Juckreiz von Patienten gelindert, bei denen es infolge des häufigen Kratzens zu einer Prurigo nodularis gekommen ist.

Kratzen verstärkt häufig den Juckreiz. Bei einigen Patienten kommt es zu einem Kreislauf, der die Haut am Ende so weit schädigt, dass sich hyperkeratotische, verkrustete oder aufgekratzte Knötchen bilden. Bei einigen Patienten bildeten sich nur einige Noduli, bei anderen ist die Haut regelrecht übersät mit den stark juckenden Läsionen.

Eine solche Prurigo nodularis ist selten, die Betroffenen haben jedoch einen hohen Leidensdruck. In einer frühere Studie litten 37 % der Patienten mit Prurigo nodularis unter Angstzuständen, 29 % unter Depressionen, und 19 % berichteten über Selbstmord­gedanken.

Die Behandlungsmöglichkeiten waren bisher begrenzt. Die üblichen Behandlungen – topische Steroide und Antihistaminika – sind weitgehend wirkungslos, ebenso Metho­trexat, Phototherapie, Gabapentin und Pregabalin. Die besten Ergebnisse werden mit Cyclosporin und Thalidomid erzielt, die jedoch mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden sind.

Die Ursache der Erkrankung ist nicht bekannt. Frühere Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass es – vielleicht bedingt durch das häufige Kratzen, zu einer Entzündungs­reaktion kommt, an der unter anderem Interleukin 31 beteiligt ist. Die Bildung dieses Zytokins kann um den Faktor 50 verstärkt sein.

Der Antikörper Nemolizumab, der an einem Rezeptor von Interleukin 31 bindet, könnte deshalb den Juckreiz lindern und möglicherweise den Juckreiz-Kratz-Kreislauf stoppen. Der Wirkstoff hat sich bereits in einer früheren Studie zur Behandlung der Neurodermitis als wirksam erwiesen. In der aktuellen Studie wurde die Wirkung von Nemolizumab mit Placebo an 70 Patienten verglichen, die an 16 Zentren in Deutschland, Frankreich, Österreich und Polen behandelt wurden.

Die Patienten litten seit längerem unter einem stärkeren Juckreiz, den sie auf der „Peak Pruritus Numerical rating scale“ (PP-NRS) mit 8,4 von 10 möglichen Punkten bewertet haben. Bei 28 der 70 Patienten war es zur Bildung von mehr als 100 Juckreizknötchen auf der Haut gekommen.

Die Patienten erhielten im Verlauf von 12 Wochen 3 Mal eine subkutane Injektion mit Nemolizumab (Dosis 0,5 mg/kg) oder Placebo. Primärer Endpunkt war der Rückgang des PP-NRS.

Wie Sonja Ständer vom Kompetenzzentrum chronischer Pruritus an der Universität Münster und Mitarbeiter berichten, kam es bereits nach der 1. Injektion zu einem Rückgang des PP-NRS um 4,5 Punkte, sprich zu einer Verbesserung um 53,0 % gegenüber einem Rückgang des PP-NRS um 1,7 Punkte (20,2 %) in der Placebo-Gruppe. Die Differenz von 32,8-%-punkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 18,8 bis 46,8- %-punkten signifikant.

Auch in allen sekundären Endpunkten, die verschiedene Aspekte des Juckreizes und die Auswirkungen auf die Lebensqualität untersuchten, erzielte Nemolizumab eine deutlich bessere Wirkung als Placebo. Erstaunlich war, dass die Wirkung auch 10 Wochen nach der letzten Dosis noch anhielt. Dies könnte bedeuten, dass die Behandlung den Juckreiz-Kratz-Kreislauf zumindest vorübergehend gestoppt hat.

Obwohl sich die Sicherheit in einer Phase-2-Studie nicht abschließend beurteilen lässt, scheint die Verträglichkeit von Nemolizumab insgesamt gut zu sein. Einzig gastrointes­tinale Symptome (Bauchschmerzen und Diarrhö) traten in der Nemolizumab-Gruppe häufiger auf als in der Placebo-Gruppe.

Der Hersteller zeigt sich in einer Pressemitteilung „fest entschlossen“, Nemolizumab in Phase-3-Studien weiter zu testen. Auf clinicaltrials.gov ist derzeit aber nur eine Langzeitstudie ohne Placebo-Vergleich gelistet. © rme/aerzteblatt.de

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