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Medizin

Neurodermitis: Emollienzien schützen in Studien nicht vor Ekzemen

Freitag, 21. Februar 2020

/S.Kobold, stock.adobe.com

Nottingham und Oslo – Emollienzien, die die Hautbarriere schützen und einen transepidermalen Wasserverlust verhindern sollen, haben in 2 randomisierten Studien im Lancet (2020; doi: 10.1016/S0140-6736(19)32983-6 und 32984-8) Säuglinge nicht vor einer Atopischen Dermatitis (Neurodermitis) geschützt. In einer Studie erhöhte die Hautpflege das Infektionsrisiko, in der anderen Studie blieb das frühe Zufüttern zur Vermeidung von Allergien wirkungslos.

1 von 5 Kindern leidet in den 1. Lebensjahren unter einer Atopischen Dermatitis (AD). Die Ekzeme und der damit verbundene Juckreiz sind nicht nur eine starke Belastung für das Kind (und die Eltern). Die AD ist häufig auch der Beginn einer allergischen Karriere, die sich später in einer erhöhten Neigung zu Heuschnupfen, Asthma und Nahrungsmittel­allergien äußert.

Da die Ekzeme auf einer Störung der Hautbarriere mit einem gesteigerten transepi­dermalen Wasserverlust beruhen, könnte eine präventive Behandlung mit Cremes, Salben, Emulsionen, Ölen und Lotionen, die die Haut befeuchten und „schmieren“, eine präventive Wirkung entfalten. Diese Hypothese wurde in den letzten Jahren in 2 randomisierten Studien untersucht, deren Ergebnisse jetzt veröffentlicht wurden.

In der PreventADALL-Studie („Preventing Atopic Dermatitis and ALLergies in Children“) wurden in Norwegen und Schweden 2.397 Neugeborene auf 2 Gruppen randomisiert. In der 1. Gruppe wurden die Eltern gebeten, ab der 2. Lebenswoche regelmäßig Emolli­enzien (Badeöl und Gesichtscreme) anzuwenden. Die 2. Gruppe erhielt keine besonderen Pflegeanweisungen. In einer 2. Randomisierung wurde die Hälfte der stillenden Mütter gebeten, ab dem 3. bis 6. Monat Erdnüsse, Kuhmilch, Weizen und Eier zuzufüttern.

Beide Interventionen – Hautpflege und frühes Zufüttern – zeigten als Einzelmaßnahme nicht die gewünschte Wirkung. Während in der Kontrollgruppe nur 8 % der Säuglinge an einer AD litten, waren es in der Hautpflegegruppe 11 %, in der Gruppe mit früher Zufütterung 9 %.

Wie Håvard Ove Skjerven von der Universitätsklinik Oslo und Mitarbeiter berichten, waren die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen nicht signifikant.

Die intensive Hautpflege und das frühe Zufüttern hatten den Kindern also wahrscheinlich nicht geschadet. Interessanterweise erkrankten in der Gruppe, in der beide Interventionen eingesetzt wurden, nur 5 % der Kinder an einer AD. Ob dies ein Zufallsergebnis war oder auf eine mögliche synergistische Wirkung hinweist, konnte die Studie nicht klären.

Auch in der britischen BEEP-Studie („Barrier Enhancement for Eczema Prevention“) gelang es nicht, Kinder mit einem erhöhten Allergierisiko (positive Familienanamnese atopischer Erkrankungen) durch eine intensive Hautpflege vor einer AD zu schützen.

Bei der Hälfte der 1.394 Neugeborenen wurden die Mütter gebeten, im 1. Lebensjahr täglich Emollienzien auf den gesamten Körper ihres Säuglings (außer den Kopfhaaren) aufzutragen. Die andere Gruppe wurde gebeten, keine Feuchtigkeitscreme zu verwenden.

Wie das Team um Hywel Williams von der Universität Nottingham berichtet, waren im Alter von 2 Jahren in der Interventionsgruppe 23 % und in der Kontrollgruppe 25 % der Kinder an Ekzemen erkrankt. Die adjustierte Risikodifferenz von 1,2-%-punkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von minus 3,6 bis 5,9-%-punkten nicht signifikant.

Die tägliche Hautpflege war nicht nur nutzlos, sie könnte den Kindern sogar geschadet haben. Williams ermittelte eine erhöhte Rate von Hautinfektionen (0,23 versus 0,15 Infektionen pro Kind und Jahr) mit einer adjustierten relativen Inzidenzrate von 1,55 (95-%-Konfidenzintervall 1,15 bis 2,09). Auch das Risiko von Nahrungsmittel-Allergien war in der Gruppe mit der intensiven Hautpflege tendenziell erhöht (adjustiertes relatives Risiko 1,47; 0,93 bis 2,33).

Die Frage, ob Säuglinge mit einem erhöhten Risiko durch Emollienzien vor einer AD geschützt werden können, wird derzeit noch in einer weiteren randomisierten Studie in Australien untersucht. An der PEBBLES-Studie nehmen 760 Säuglinge mit einem erhöhten Risiko (positive Familienanamnese) teil. Ergebnisse werden für Mai 2021 erwartet. © rme/aerzteblatt.de

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