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Vermischtes

Krankenhäuser werben sich mit Prämien die Pflegefachkräfte ab

Montag, 24. Februar 2020

/dpa

Frankfurt/Eschborn – Der Mangel an Fachkräften sorgt dafür, dass der Wettbewerb auch zwischen den Krankenhäusern härter wird. Eine Frankfurter Klinik wirbt mit Postkarten um Pflegekräfte – und verspricht den Kandidaten 3.000 Euro Wechselprämie.

Die Hessische Krankenhausgesellschaft findet solche Aktionen „nicht schön“, aber auch verständlich. „Die Krankenhäuser stehen häufig mit dem Rücken zur Wand“, sagte der Geschäftsführende Direktor, Steffen Gramminger. „Wenn die Kliniken nicht die Betten schließen und somit notwendige Behandlungskapazitäten reduzieren wollen, müssen sie irgendwo die Pflegekräfte herbekommen.“

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Die Werbeaktionen würden „immer offensiver“, hat Gramminger beobachtet. Neben dem Fachpersonalmangel verschärften die neuen Pflegepersonaluntergrenzen zusätzlich die Situation. Inzwischen habe sich „ein ruinöser Wettbewerb“ entwickelt.

Die ersten Kran­ken­häuser hätten mit 1.000 Euro Wechselprämie geworben, inzwischen zahlten manche bis zu 5.000 Euro. „Das ist immer noch günstiger als horrende Preise für Honorarkräfte an Vermitt­lungs­agenturen zu bezahlen.“

Manche legten Flyer bei der Konkurrenz aus oder stellten jemanden vor die Tür. „Das führt natürlich zu bösen Anrufen.“ In Ballungszentren wie dem Rhein-Main-Gebiet „ist das Gebuhle besonders groß“: Hier sei der Konkurrenzdruck besonders hoch, weil durch die Nähe der Krankenhäuser der Arbeitgeberwechsel leicht sei. „Aber das passiert landauf, landab“.

Das Frankfurter St. Elisabethen-Krankenhaus wertet seine „Pflege-Helden“-Kampagne als Erfolg. Es sei eine zeitlich begrenzte Aktion zwischen Mitte Dezember 2019 und Ende Ja­nuar 2020 gewesen, erklärte die Geschäftsführung. Wie viele Mitarbeiter damit gewonn­en wurden, ist nicht bekannt: Es sei nicht immer nachvollziehbar, über welche Kanäle die Bewerber auf offene Stellen aufmerksam geworden seien.

Von anderen Kliniken habe man „keine Resonanz auf die Aktion erhalten“. Gramminger glaubt, dass solche Aktionen nur kurzfristige Erfolge bringen. Langfristig helfe nur „aus­bil­den, ausbilden, ausbilden“, eine bessere Bezahlung, mehr Anerkennung, bessere Ar­beitsbedingungen. Mittelfristig könnten Pflegekräfte aus dem Ausland die Not lindern, hier seien aber oft die bürokratischen Hürden sehr hoch und die Anerkennungsverfahren zu lang.

Wie groß der Mangel an Fachkräften in der Pflege ist, ist unklar. Bei der Arbeitsagentur waren zuletzt hessenweit 910 freie Stellen für Fachkräfte in der Gesundheits- und Kran­kenpflege gemeldet. In den 165 hessischen Krankenhäusern arbeiteten laut Statistischem Landesamt zuletzt 31.700 Beschäftigte in der Pflege (Stand 2017). © dpa/aerzteblatt.de

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bluedreams54
am Montag, 24. Februar 2020, 19:28

Zurecht

Jetzt lernt ' man' arbeitgeberseitig mal endlich den Wert der Pflegekräfte im Rahmen aller Berufsgruppen in den Kliniken kennen.
Bisher wurden sie ja als sog. Kostenfaktoren bezeichnet.
Jetzt merkt man dass eine Station/ ein Funktionsbereich ja garnicht ohne Pflege laufen. Und die Patienten ggfs wegbleiben bzw ja nicht versorgt werden können
LNS

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