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Medizin

Studie: Adipositas der Schwangeren erhöht ADHS-Risiko des Kindes

Montag, 24. Februar 2020

/New Africa, stock.adobe.com

Bethesda/Maryland und Stockholm – Kinder von Frauen, die vor der Schwangerschaft adipös waren, erkrankten in einer prospektiven Beobachtungsstudie häufiger an der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Das Körpergewicht der Väter hatte laut der Publikation im Journal of Pediatrics (2020; DOI: 10.1016/j.jpeds.2020.01.016) keinen Einfluss. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Studie aus Finnland in JAMA Network Open (2020; 3: e1920787).

In den USA ist 1 von 5 Frauen adipös, wenn sie schwanger wird. Bei einigen liegt bereits eine prädiabetische Stoffwechsellage mit erhöhten Glukose- und Insulinkonzentrationen vor. Ein Team um Edwina Yeung vom US-National Institute of Child Health and Human Development in Bethesda/Maryland hat untersucht, welche Folgen dies für die spätere Gesundheit des Kindes hat.

Die Forscher analysierten hierzu die Daten der „NICHD Upstate KIDS Study“, die eine Kohorte von Kindern aus dem US-Staat New York seit der Schwangerschaft ihrer Mütter begleitet. Im Alter von 7 bis 8 Jahren wurden die Mütter zu Verhaltensauffälligkeiten der Kinder („Strengths and Difficulties Questionnaire“) und zu möglichen ADHS-Symptomen („Vanderbilt ADHD Diagnostic Parent Rating Scale“) befragt. Die Antworten wurden mit dem Body-Mass-Index (BMI) der Eltern in Beziehung gesetzt.

Ergebnis: Die Kinder von übergewichtigen und adipösen Schwangeren erkrankten häufiger an einer ADHS. Yeung ermittelt eine adjustierte Risiko Ratio von 1,14 (95-%-Konfidenz­intervall 0,78 bis 1,69) bei einem BMI der Mutter vor der Schwangerschaft von 25-30 (gegenüber normalgewichtigen Müttern). Bei einem BMI von 30-35 stieg die adjustierte Risiko Ratio auf 1,96 (1,29-2,98) und bei einem BMI von über 35 auf 1,82 (1,21-2,74). Für eine Adipositas der Väter konnte keine Assoziation mit dem ADHS-Risiko des Kindes nachgewiesen werden.

Ein erhöhtes ADHS-Risiko von Kindern adipöser Schwangerer ist auch in einer Studie erkennbar, die ein Team um Catharina Lavebratt vom Karolinska Institut in Stockholm an Daten aus Finnland durchgeführt hat. Die Forscher verglichen das Gewicht aller Schwangeren, die zwischen 2004 und 2014 entbunden haben, mit den psychiatrischen Erkrankungen ihrer Kinder, darunter auch AHDS.

Wie erwartet, steigerte eine Diabeteserkrankung der Mutter das ADHS-Risiko des Kindes. Am deutlichsten war dies bei einem insulinpflichtigen Typ-1-Diabetes, etwas weniger ausgeprägt bei einem Typ-2-Diabetes und am geringsten bei einem Gestationsdiabetes.

Das Risiko der Kinder war allerdings nur dann erhöht, wenn bei der Mutter neben einem Diabetes noch eine Adipositas vorlag. Bei einem Normalgewicht erkrankten die Kinder diabetischer Mütter nicht überdurchschnittlich häufig an einer ADHS. Andererseits war das ADHS-Risiko der Kinder auch dann erhöht, wenn die Mütter keinen Diabetes hatten. Die Adipositas scheint demnach der entscheidende Faktor für das ADHS-Risiko des Kindes zu sein. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #749369
Ambush
am Montag, 24. Februar 2020, 20:01

Essstörungen sind bei ADHS häufig

...und der Anteil an "verdecktem" ADHS bei Patienten bzw. sehr oft Patientinnen mit Anorexie, Bulimie oder auch Binge-Eating-Störung wird dramatisch unterschätzt und unterdiagnostiziert https://www.youtube.com/watch?v=W27G1djHj4s
https://link.springer.com/article/10.1007/s15014-019-1807-1
https://steemit.com/adhs/@nightshadow1217/adhs-auf-der-intensivstation-eine-begegnung
Avatar #749369
Ambush
am Montag, 24. Februar 2020, 19:54

Henne-Ei-Problem

...bekanntlich sind Essstörungen bei ADHS, und zwar sowohl Anorexie und Bulimie einerseits als auch Binge-Eating-Störung und generell Überernährung und mangelnde Kontrolle über das Essverhalten nicht gerade selten. Es stellt sich hier die Frage, ob die adipösen Mütter nicht deutlich häufiger selbst von ADHS betroffen sind als nicht-adipöse Mütter und somit ADHS und ADHS-Gene an ihre Kinder weiter geben...
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