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Medizin

Ernährung beeinflusst Schlaganfallrisiko unterschiedlich

Dienstag, 25. Februar 2020

/psdesign1, stock.adobe.com

Oxford – Ein vermehrter Verzehr von Obst und Gemüse, Ballaststoffen, Milch, Joghurt und Käse ging in einer großen europäischen Kohortenstudie mit einer verminderten Zahl von ischämischen Schlaganfällen einher, während rotes Fleisch das Risiko tendenziell erhöhte. Das Risiko auf einen hämorrhagischen Schlaganfall wurde nach der Publikation im European Heart Journal (2020; DOI: 10.1093/eurheartj/ehaa007) durch den häufigen Verzehr von Eiern erhöht.

Viele Schlaganfälle lassen sich auf modifizierbare Risikofaktoren zurückführen, von denen einige wie Blutdruck, Typ-2-Diabetes, Cholesterin und Übergewicht durch eine gesunde Ernährung vermieden werden könnten.

Bisherige Untersuchungen hatten nicht zwischen den beiden wesentlichen Schlaganfall­formen – einem ischämischen Schlaganfall durch eine Unterbrechung der Blutver­sorgung und einem hämorrhagischen Schlaganfall durch eine Hirnblutung – unterschieden. Dies ist jedoch wichtig, da beispielsweise ein niedriges LDL-Cholesterin laut früheren Studie vor einem ischämischen Schlaganfall schützen könnte, das Risiko auf einen hämorrhagischen Schlaganfall jedoch ansteigt.

Ein Team um Tammy Tong vom Nuffield Department of Population Health an der Universität Oxford hat dies bei der Analyse der „European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition“ (EPIC) berücksichtigt, an der in 9 europäischen Ländern mehr als ein halbe Million Menschen teilnahmen.

Tong konnte die Daten von 418.329 Männern und Frauen im Durchschnittsalter von 52 beziehungsweise 50 Jahren auswerten, die einen ausführlichen Ernährungsfragebogen ausgefüllt hatten. Während einer Nachbeobachtungszeit von 12,7 Jahren erlitten 4.281 Teilnehmer einen ischämischen und 1.430 Teilnehmer einen hämorrhagischen Schlaganfall.

Der wichtigste Schutzfaktor war der Verzehr von Ballaststoffen. Tong ermittelte für jede zusätzliche tägliche Zufuhr von 10 Gramm eine Hazard Ratio von 0,77, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,69 bis 0,86 statistisch signifikant war. Auf 1.000 Personen könnten durch diesen Ernährungsfaktor in einem Zeitraum von 10 Jahren 1,86 Schlag­anfälle (1,16 bis 2,56) vermieden werden.

Laut Tong enthalten 2 dicke Scheiben Vollkorntoast 6,6 Gramm Ballaststoffe. In einer Portion Brokkoli (etwa 8 Blütchen) sind 3 Gramm, in einem ungeschälten Apfel mittlerer Größe etwa 1,2 Gramm Ballaststoffe enthalten.

Der Verzehr von täglich 200 Gramm Obst und Gemüse war mit einem um 13 % verminderten Erkrankungsrisiko an einem ischämischen Schlaganfall verbunden (Hazard Ratio 0,87; 0,82 bis 0,93), was 1,02 weniger Schlaganfällen auf 1.000 Personen pro Dekade entspräche – wie immer unter der in epidemiologischen Studien unsicheren Voraussetzung, dass der Assoziation eine Kausalität zugrunde liegt.

Milch, Joghurt und Käse könnten ebenfalls vor einem ischämischen Schlaganfall schützen. Die Hazard Ratio betrugen 0,95 (0,91 bis 0,99) pro 200 Gramm Milch am Tag, 0,91 (0,85 bis 0,97) pro 100 Gramm Joghurt am Tag und 0,88 (0,81 bis 0,97) pro 30 Gramm Käse am Tag.

Für den Verzehr von rotem Fleisch ermittelte Tong eine Hazard Ratio von 1,07 pro 50 Gramm am Tag. Die Assoziation verfehlte jedoch mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,96 bis 1,20 das Signifikanzniveau.

Für den hämorrhagischen Schlaganfall fand Tong keine protektiven Assoziationen. Der einzige signifikante Risikofaktor war der vermehrte Verzehr von Eiern. Pro 20 Gramm am Tag stieg das Risiko um 25 % (Hazard Ratio 1,25; 1,09 bis 1,43). Bezogen auf 1.000 Personen wären das 0,66 zusätzliche hämorrhagische Schlaganfälle in 10 Jahren.

Auf welche Weise die Nahrungsmittel das Schlaganfallrisiko beeinflussen, ist nicht genau bekannt. Ballaststoffe sollen eine günstige Auswirkung auf den Blutdruck und den Cholesterinspiegel haben. Bei Obst und Gemüse könnten neben dem Gehalt an Ballaststoffen Kalium (senkt den Blutdruck) und Folsäure (senkt Homozysteinsäure) von Bedeutung sein.

Bei Milchprodukten könnten neben Kalium und Kalzium Tripeptide und Milchproteine das Schlaganfallrisiko senken, da sie möglicherweise den Blutdruck senken, schreibt Tong. Warum Eier das Risiko auf einen hämorrhagischen Schlaganfall erhöhen, ist unklar. Tong vermutet, dass ein Anstieg des systolischen Blutdrucks eine Rolle spielt. © rme/aerzteblatt.de

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