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Politik

Notfallreform: Patienten müssen nach Dringlichkeit gesteuert werden

Mittwoch, 26. Februar 2020

KBV-Vize Stephan Hofmeister /Lopata

Berlin – Ziel einer Reform der Notfallversorgung müsse es sein, Patienten nach Dringlich­keit in die für sie angemessene Versorgungsebene zu steuern. Nur so könne verhindert werden, dass Patienten mit Bagatellerkrankungen die Notaufnahmen der Krankenhäuser überlasteten.

Darin waren sich der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundes­vereinigung (KBV), Stephan Hofmeister, und der Sprecher der Sektion „Strukturen Klini­sche Akut- und Notfallmedizin“ der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Inten­siv- und Notfallmedizin (DIVI), André Gries, einig.

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Beide diskutierten heute auf Einladung der KBV bei einem Streitgespräch in Berlin über die geplante Reform der Notfallversorgung. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hatte dafür im Januar dieses Jahres einen Gesetzentwurf vorgelegt.

Das Gespräch zwischen Hofmeister und Gries verlief weniger kontrovers als ange­nommen. Denn einer der Streitpunkte konnte gleich zu Beginn ausgeräumt werden. Dass der Gesetzentwurf den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) die Verantwortung für die Leitung der neuen zentralen Anlaufstellen für Akutpatienten in den Krankenhäusern über­trage, bedeute nicht, dass die Vertragsärzte irgendeinen Einfluss auf die Notaufnah­men der Kliniken einforderten, betonte Hofmeister.

Die niedergelassenen Ärzte seien ausschließlich für die Versorgung der ambulanten Patienten in den Intersektoralen Notfallzentren (INZ) verantwortlich. Klinische Notfälle würden dagegen weiterhin in den zentralen Notaufnahmen und Schockräumen unter Regie der Krankenhausärzte versorgt.

Keine eigenständige Notfallabteilung

Die Vertragsärzte strebten eine vertraglich abgesicherte Zusammenarbeit an, aber keinen eigenen Notfallbereich analog den Emergency Rooms etwa in den USA, betonte Hofmeis­ter.

Zur Kooperation gehörten auch Vereinbarungen über die Gerätenutzung oder den Perso­nal­einsatz. Denn in der Nacht suchten mit im Schnitt 0,7 bis 1,4 Patienten in der Stunde viel zu wenige Patienten den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst auf, um eine Portal­praxis oder ein INZ rund um die Uhr wirtschaftlich betreiben zu können.

Gries räumte ein, dass man die Aussagen zur Verantwortlichkeit in den INZ anfangs wohl falsch verstanden habe. Zugleich forderte er weitere Klarstellungen durch den Gesetzge­ber. So gebe es bislang keinerlei Standardisierung der Notfallversorgung durch die KVen.

Vorgaben für die Qualifikation der niedergelassenen Ärzte, die in den INZ Akutpatienten versorgen sollen, fehlten ebenso wie verbindliche Anforderungen an die Ausstattung der Einrichtungen. Zurzeit würden Ärzte aller möglichen Fachrichtungen zum Bereitschafts­dienst eingeteilt. Viele schickten Akutpatienten dann weiter in die Notfallambulanzen der Kliniken, weil sie verunsichert seien.

Erst wenn man die strukturellen Fragen zur Ausstattung der INZ und zur Qualifikation der dort tätigen Ärzte geklärt habe, lasse sich auch die Frage beantworten, wie viele dieser Einrichtungen man an welchen Kliniken benötige, erklärte Gries.

Bestandsschutz für regionale Lösungen fehlt im Gesetz

Es sei nicht leistbar, an allen 1.600 Akutkrankenhäusern in Deutschland rund um die Uhr INZ zu betreiben, erklärte Hofmeister. Dazu fehlten schlicht die Ärzte. „Wir brauchen sicher keine 20 INZ in Berlin“, meinte der KBV-Vorstand.

Auf dem Land könne es dagegen aus Gründen der Erreichbarkeit notwendig sein, Bereit­schaftsdienstpraxen auch ohne Anbindung an ein Krankenhaus vorzuhalten. Hier müsse man auch auf vorhandene Angebote zurückgreifen können. „Der Bestandsschutz für regi­o­nale Lösungen fehlt aber im Gesetz“, kritisierte Hofmeister.

Gries warnte davor, den Bedarf an INZ allein anhand der Zahl der Fälle zu definieren, die sich im Nachhinein als ambulante Fälle herausgestellt hätten. „Patienten benötigen oft die Krankenhausressourcen, damit der Arzt entscheiden kann, ob sie ambulant weiter­be­handelt werden können oder nicht“, sagte der Notfallmediziner. Dazu komme, dass die Krankenhausärzte Patienten oft gerne an niedergelassene Kolle­gen weiterverweisen würden. „Aber die Ressourcen gibt es nicht. Das ist das Problem“, sagte Gries.

Nach Zahlen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) behandeln nie­der­gelassene Ärzte jährlich rund 600 Millionen und die Krankenhäuser gut 19 Millionen Fälle. In der Notfallversorgung landen jährlich 20 Millionen Fälle. Zwischen 8 und 18 Uhr, also zu den regulären Sprechstundenzeiten der niedergelassenen Ärzte, nehmen jährlich 2,3 Millionen Patienten die Notaufnahmen der Krankenhäuser in An­spruch. © HK/aerzteblatt.de

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