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Medizin

ADHS: Tablet-App trainiert (nur) die Aufmerksamkeit

Dienstag, 25. Februar 2020

/Pixel-Shot, stock.adobe.com

Durham/North Carolina – Eine für Kinder mit der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivi­tätsstörung (ADHS) konzipierte Spiele-App für Tablets hat in einer randomisierten Studie die Aufmerksamkeit und die Inhibitionsfähigkeit von pädiatrischen Patienten verbessert. Ein Einfluss auf die Symptome der Erkrankung war laut der Publikation in Lancet Digital Health (2020; doi: 10.1016/S2589-7500(20)30017-0) jedoch nicht erkennbar.

Kinder mit ADHS zeigen häufig ein starkes Interesse an Computerspielen, dessen exzessi­ver Konsum als Verstärker der Erkrankung diskutiert wird. Die hohe Affinität könnte aber auch genutzt werden, um die Kinder gezielt zu fördern.

Es gibt eine Reihe von Anbietern von Computerprogrammen, die sich an Kinder mit ADHS richten. Die wenigsten wurden jedoch klinisch geprüft, und wenn, waren die Ergebnisse aus Sicht einer früheren Meta-Analyse nicht überzeugend (Journal of Child Psychology and Psychiatry 2017; 58: 474-503).

Eine Besonderheit von „AKL-T01“, einer neuen Spiele-App für Tablets, ist es deshalb, dass der Hersteller das Spiel in einer größeren randomisierten Placebo-kontrollierten Studie untersuchen ließ mit dem Ziel, eine offizielle Zulassung von der US-Arzneimittelbehörde FDA zu erhalten.

An der „STARS-ADHD“-Studie nahmen an 20 Zentren in den USA 348 Kinder teil, bei de­nen eine ADHS („ADHD Rating Scale-IV“ im Mittel 39 Punkte) mit schweren Aufmerk­sam­keitsdefiziten („Attention Performance Index“ im Mittel minus 5 Punkte) diagnostiziert wurde. Die Kinder waren bei einem Screening von 857 Kindern ausgesucht worden. Die Medikamente wurden vor Beginn der Studie abgesetzt.

Die Intervention bestand aus einem Tablet-Spiel, das gezielt die Aufmerksamkeit und die Inhibitionskontrolle trainierte. Die Kinder sollten über 4 Wochen an 5 Tagen der Woche täglich 25 Minuten mit der App spielen. In der Kontrollgruppe erhielten die Kinder ein Spiel, in dem sie Wörter in einem Netz von Buchstaben finden sollten.

Die beiden Spiele kamen bei den 8- bis 12-jährigen Kindern gut an: „AKL-T01“ wurde zu 83 % der vorgesehenen Zeit genutzt (in der Kontrollgruppe sogar zu 96 %). Und es er­füllte seinen Zweck, die Aufmerksamkeit der Patienten besser zu fokussieren.

Nach den von Scott Kollins vom Duke University Medical Center in Durham und Mitarbei­tern vorgestellten Daten verbesserte sich der „Attention Performance Index“ um 0,93 Punk­te gegenüber einer Verbesserung um 0,03 Punkten in der Kontrollgruppe. Die „Ne­ben­wirkungen“ von „AKL-T01“ waren gering. Bei 5 Kindern (3 %) wurden Frustrationen beobachtet, 3 (2 %) beklagten sich über Kopfschmerzen.

Ob das Spiel damit die Kriterien für eine Zulassung erfüllt, bleibt abzuwarten. Denn au­ßer der (kurzfristigen) Verbesserung der Aufmerksamkeit (die gleich nach Spielende über­prüft wurde), konnte das Spiel keinen Aspekt der Erkrankung verbessern.

In allen sekundären Endpunkten wurden gegen Ende der 4-wöchigen Behandlung keine signifikanten Unterschiede gefunden. Zu den verwendeten Instrumenten gehörte die in den USA zur Einschätzung der Symptome verwendete „ADHD-Rating Scale“ (IV), eine „Impairment Rating Scale" und ein „Global Impression-Improvement score“

Dass die App den Kindern hilft, ihre Probleme im Alltag und in der Schule besser zu be­wältigen, ist deshalb zweifelhaft, worauf auch die vom Science Media Center in London befragten Experten hinwiesen.

Alle lobten die wissenschaftlich korrekte Durchführung der Studie, wiesen aber auch auf die Schwächen hin. Es könnte sein, dass die App einzig auf einen Aspekt der Erkrankung zielt (geringe Aufmerksamkeit, Inhibition), deren Nachhaltigkeit und allgemeiner Nutzen für die Kinder jedoch offen bleibt. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #749369
Ambush
am Donnerstag, 27. Februar 2020, 19:53

ADHS ist nicht "heilbar", man wird damit geboren und man stirbt damit

... das Erlernen von Coping-Strategien und Kompensations-Mechanismen in bestimmten Situationen ist natürlich möglich, aber dadurch verschwindet ADHS nicht. Das, was dem Individuum mit ADHS sowie der Gesamtheit der Personen mit ADHS in Deutschland viel eher helfen würde, das wäre ein Bewusstsein der gravierenden Quantität von ADHS , das wäre eine generelle Sondierung auf ADHS bei quasi jedem Psychiatrie-Patienten, das wäre das Erkennen von ADHS und damit unter Umständen der Weg zu einer Therapie und zu einer Aufarbeitung bestimmter biographischer Verläufe unter Mitbetrachtung einer ADHS bzw. ADHS-Konstitution (das die entsprechende Person überhaupt mal weiß, weshalb sie so ist, wie sie ist und sich dann auch eher selbst akzeptieren kann bzw. mit sich selbst im Reine sein kann)

59% ADHS Anteil in der stationären Psychiatrie laut nach wissenschaftlichen Standards durchgeführter Studie https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0043-119987 , https://adhsspektrum.com/2018/03/03/haeufigkeit-von-adhs-im-erwachsenenalter-in-der-allgemeinpsychiatrie/ sind ein Zahl, die es dem Stand der Psychiater generell verbietet, mal so schnell darüber hinweg zu gehen...
LNS

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