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Ausland

Kinder und Eltern werden an US-Grenzen traumatisiert

Mittwoch, 26. Februar 2020

Migranten in einer Notunterkunft in Tijuana, Mexiko, an der US-amerikanischen Grenze. /dpa

New York – Asylsuchende Eltern und ihre Kinder, die an der südlichen US-Grenze vonein­ander getrennt wurden, leiden auch Jahre später an schwerwiegenden psychologischen Traumata. Das zeigt eine Untersuchung, die Ärzte und Psychologen der Non-Profit-Orga­ni­sation Physicians for Human Rights (PHR) durchgeführt haben. Die Behandlung erfülle in allen bewerteten Fällen die Kriterien der Vereinten Nationen (United Nations, UN) für Folter, so die Autoren.

„Selbst ein Jahr nach der Wiedervereinigung mit ihren Familien weisen die Kinder und Eltern bei Untersuchungen durch medizinisches Fachpersonal immer noch Anzeichen von schwerwiegenden Traumata auf“, sagte Ranit Mishori, Mitverfasserin des Berichts und leitende medizinische Beraterin des PHR.

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Der Bericht dokumentiert erstmals medizinisch und psychologisch den lang anhaltenden Schaden, der durch erzwungene Familientrennungen entsteht. „Die Familientrennungen sind weder beendet, noch sind alle getrennten Familien wieder zusammengeführt wor­den“, sagte Donna McKay, Direktorin der PHR.

Für die Studie untersuchte ein Team aus 20 Psychiatern, Psychologen, Pädiatern und an­deren psychiatrisch ausgebildeten Fachkräften 26 Asylsuchende (neun Kinder und 17 El­tern). Diese waren vor Bandengewalt aus El Salvador, Guatemala und Honduras in die USA geflohen und dort im Schnitt 60 bis 69 Tage lang getrennt worden. Nach offiziellen Zahlen der US-Regierung liegt die durchschnittliche Dauer der Familienteilungen bei 154 Tagen, berichten die Autoren.

Die medizinischen Experten folgten dem Istanbul-Protokoll der UN zur Bewertung und Dokumentation von Folter. Sie verfassten nach den Gesprächen eidesstattliche Erklärun­gen über ihre Erkenntnisse. Darin wurden bei allen neun Kindern sowie bei 15 der 17 Er­wachsenen Symptome und Verhaltensweisen dokumentiert, die die Diagnosekriterien für eine posttraumatische Belastungsstörung, eine schwere depressive Störung oder eine generalisierte Angststörung erfüllen.

Unter anderem berichteten die Erwachsenen von Verwirrung, häufigem Weinen, Schlaf­stö­rungen und Alpträumen sowie depressive Stimmung, Panik und Verzweiflung. Die Kin­der fielen oft durch Regression in nicht-altersgemäßes Verhalten auf, wie Urininkonti­nenz, unkontrolliertes Weinen, Weigerung zu essen, Festhalten an den Eltern, Alpträume und andere Schlafstörungen.

Die Kliniker empfehlen daher therapeutische Unterstützung für fast alle untersuchten Eltern und Kinder, einschließlich Psychotherapie und psychiatrischer Medikation.

5.500 Kinder von ihren Eltern getrennt

Seit 2017 werden an der südlichen Grenze der Vereinigten Staaten Eltern und ihre Kinder gewaltsam voneinander getrennt und in Haftanstalten untergebracht – meist in unter­schiedlichen Bundesstaaten. Auch nach dem Aufschrei der Öffentlichkeit und einer ge­richtlichen Verfügung im Juni 2018, die diese Praxis verbietet, fänden die Familien­trennun­­gen weiterhin statt, heißt es in dem Bericht.

Nach Regierungsstatistiken, die der Amerikanischen Bürgerrechtsunion (American Civil Liberties Union, ACLU) vorliegen, wurden von 2017 bis Dezember 2019 mehr als 5.500 Kinder von ihren Eltern getrennt. Allein seit der landesweit geltenden Verfügung vom Juni 2018 wurden mindestens 1.142 Familien separiert. Laut dem PHR-Bericht waren da­runter zuletzt 300 Kinder im Alter zwischen 0 und 5 Jahren sowie 294 Kinder zwischen 6 und 9 Jahren. 281 weitere Kinder waren 10 bis 14 Jahre alt.

Die befragten Eltern schildern in dem Bericht, wie Einwanderungsbehörden kurz nach der Ankunft in den Vereinigten Staaten die Kinder gewaltsam aus den Armen ihrer Eltern zogen. Eltern wurden festgenommen, während ihre Kinder schliefen oder Kinder „ver­schwan­den einfach“, während ihre Eltern in Gerichtsverhandlungen saßen oder medizi­nisch versorgt wurden.

Dabei erhielten die Verbliebenen meist weder Informationen über die Gründe der Trennung, noch wohin ihre Familienmitglieder gebracht wurden oder ob und wann sie wieder vereint werden würden.

Die Studienautoren kommen zu dem Schluss, dass die US-Beamten absichtlich „schwere Schmerzen und Leiden verursachten, um Asylsuchende zu bestrafen, zu zwingen und ein­zuschüchtern, ihre Asylanträge aufzugeben“, so die Mitautorin und leitende Asylbeauf­trag­te des PHR, Kathryn Hampton. Mit dieser Absichtlichkeit sei der rechtliche Tatbestand der Folter erfüllt. © jff/aerzteblatt.de

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