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Medizin

Neuer Wirkstoff lindert chronischen Husten in Phase-2-Studie

Donnerstag, 27. Februar 2020

Mann hustet /Kzenon, stock.adobe.com
/Kzenon, stock.adobe.com

Manchester – Der P2X3-Antagonist Gefapixant, der die Signalweiterleitung in sensorischen Nervenfasern der Lunge blockiert, hat in einer Phase-2-Studie in Lancet Respiratory Medicine (2020; doi: S2213-2600(19)30471-0) die Zahl der Hustenattacken von Patienten mit chronischem Husten gesenkt.

Chronischer Husten ist weit verbreitet. Epidemiologische Studien geben die Prävalenz mit 4 bis 10 % an. Nicht bei allen Patienten finden sich Gründe – etwa COPD, Asthma oder Umweltreize – für den ständigen Hustenreiz, der sich dann häufig durch die Behandlung der Grunderkrankung gut lindern lässt.

Für einen chronischen refraktären Husten gibt es derzeit keine zugelassene Behandlung, auch wenn Substanzen wie Gabapentin, Pregabalin, Amitriptylin und Morphin „off label“ eingesetzt werden (und randomisierte Studien teilweise eine Wirksamkeit belegt haben). Die Mittel wirken allerdings primär auf die Verarbeitung der Hustenreize im Gehirn und sind mit Risiken (vor allem bei Morphin) und Nebenwirkungen verbunden.

P2X3-Antagonist Gefapixant blockiert Rezeptoren auf nociceptiven Neuronen

Eine neue Perspektive erhofft man sich derzeit von Substanzen, die den Hustenreiz auf der Ebene der sensiblen Nervenfasern hemmen (was gut zu der Hypothese passt, dass dem Husten häufig eine Hypersensitivität der Signalleitung zugrunde liegt). Eine dieser Substanzen ist der P2X3-Antagonist Gefapixant. Die Substanz blockiert Rezeptoren auf nociceptiven Neuronen, die an der Weiterleitung der Hustenreize beteiligt sind.

Nachdem Gefapixant in einer Pilotstudie die Hustenhäufigkeit um 75 % gesenkt hat, ließ der Hersteller in einer größeren Phase-2-Studie die optimale Dosis ermitteln. An der Studie nahmen an 44 Zentren in Großbritannien und den USA 253 Patienten teil, die seit durchschnittlich 14,5 Jahren an einem ungeklärten oder therapierefraktären Husten litten. Die Patienten waren im Durchschnitt 60 Jahre alt, und die meisten Patienten (70 %) hatten niemals geraucht.

Sie wurden auf 4 Gruppen randomisiert, wo sie über 84 Tage zweimal täglich mit Gefapixant in einer Dosis von 7,5 mg, 20 mg oder 50 mg oder mit Placebo behandelt wurden. Die Patienten führten über den Verlauf der 12-wöchigen Studie ein Hustentagebuch. Die Patienten trugen außerdem ein kleines Gerät bei sich, das die Hustenanfälle akustisch erkannte. Den Schweregrad des Hustens bewerteten die Studienteilnehmer mit einem Fragebogen („Leicester Cough Questionnaire“). Primärer Endpunkt war die Häufigkeit des Hustens.

Gefapixant reduziert Hustenhäufigkeit nur in höchster Dosierung signifikant

Wie das Team um Jacky Smith von der Universität in Manchester berichtet, hatten die Patienten vor Beginn der Behandlung etwa 24 bis 29 Mal pro Stunde gehustet. Schon in den ersten Wochen der Behandlung kam es zu einem deutlichen Rückgang. Am Ende der Studie war die Hustenhäufigkeit unter der Dosis von 7,5 mg Gefapixant auf 14,5 pro Stunde, unter der Dosis von 20 mg Gefapixant auf 12,0 pro Stunde und unter der Dosis von 50 mg Gefapixant auf 11,3 pro Stunde zurückgegangen.

Es kann allerdings auch in der Placebogruppe zu einem deutlichen Rückgang der Hustenhäufigkeit auf 18,2 pro Stunde, so dass am Ende nur für die höchste Dosis von Gefapixant eine signifikante Wirkung nachweisbar war. Er betrug nach den Berechnungen von Smith 37,0 % und war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 14,9 bis 53,3 % signifikant.

Häufige Nebenwirkungen

In der laufenden internationalen Phase-3-Studie (ohne deutsche Beteiligung) werden an 720 Patienten die Dosierungen von 45 und 15 mg Gefapixant mit Placebo verglichen. Dies soll die Häufigkeit der Nebenwirkungen senken, die in der aktuellen Studie relativ hoch waren. Am meisten störte die Patienten eine Geschmacksstörung (Dysgeusie). Sie trat unter der Dosierung von 50 mg bei 48 % der Patienten auf und war der häufigste Grund für den Abbruch der Studie. Unter der Dosis von 50 mg beendeten 13 von 63 Patienten (21 %) die Behandlung vorzeitig, weil die Dysgeusie für sie unangenehmer war als der Husten. © rme/aerzteblatt.de

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