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Medizin

Vitamin D in der Schwangerschaft erhöht Knochendichte des Kindes

Donnerstag, 27. Februar 2020

Vitamin D3 /dpa
Vitamin D3 /dpa

Kopenhagen – Dänische Kinder, deren Mütter im Rahmen einer randomisierten kontrollierten Studie während der Schwangerschaft hochdosiert mit Vitamin D behandelt wurden, hatten im Alter von 3 und 6 Jahren eine höhere Knochendichte. Ein Einfluss auf anthropometrische Merkmale war laut der Publikation in JAMA Pediatrics (2020; doi: 10.1001/jamapediatrics.2019.6083) jedoch nicht erkennbar.

Die „ABCvitaminD“-Studie (für „Asthma Begins in Childhood“) hat untersucht, ob die tägliche Einnahme von 2.400 IE Vitamin D3 ab der 24. Schwangerschaftswoche (zusätzlich zu den in Dänemark empfohlenen 400 IE/die) Kinder vor einer Asthma-Erkrankung schützen kann, was nach den vor 4 Jahren veröffentlichten Ergebnissen nicht der Fall war (JAMA 2016; 315: 362-370). Auch die dieser Tage publizierten Ergebnisse der VDAART-Studie fanden keine Hinweise auf eine präventive Wirkung (NEJM 2020; 382: 525-33).

Die ABCvitaminD“-Studie wird noch bis 2027 fortgesetzt, um andere langfristige Auswirkungen der pränatalen Vitamin-D-Gabe zu untersuchen. Zu den erhofften Wirkungen zählt eine Stärkung des Knochenbaus bei den Kindern. Dies scheint eine plausible Hypothese zu sein, da Vitamin D von zentraler Bedeutung für den Knochenstoffwechsel ist.

Im Alter von 3 und 6 Jahren wurde bei den Kindern die Knochendichte mit der Dual-Röntgen-Absorptiometrie (DXA) gemessen. Bei den 6-jährigen wurden zudem anthropometrische Messungen vorgenommen.

Nicht alle Kinder nahmen an den Nachuntersuchungen teil. Ein Team um Hans Bisgaard von der Universität Kopenhagen konnte 244 DXA-Scans (42 % der Kinder) im Alter von 3 Jahren und 383 DXA-Scans (66 %) im Alter von 6 Jahren auswerten. An den anthropometrischen Messungen im Alter von 6 Jahren nahmen 517 Kinder (89 %) teil.

11,5 Gramm höherer Mineralgehalt im Knochen

In beiden Untersuchungen hatten die Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft hochdosiert mit Vitamin D3 behandelt worden waren, einen höheren Mineralgehalt im Knochen. Die Gesamtmenge lag im Alter von 3 Jahren bei 526,2 Gramm versus 513,5 Gramm in der Placebo-Gruppe. Im Alter von 6 Jahren waren es nach pränataler Vitamin D3-Gabe 833,2 Gramm und ohne pränatale Vitamin D3-Gabe 817,8 Gramm. Die Differenz zwischen beiden Gruppen lag nach Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Größe und Gewicht bei 11,5 Gramm und war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 2,3 bis 20,7 Gramm signifikant.

Die größten Vorteile wurden bei den Kindern der Frauen beobachtet, die vor der Schwangerschaft den ausgeprägtesten Vitamin D-Mangel hatten. Im Vorteil waren auch die Kinder, die in den Monaten Dezember bis Februar geboren wurden. Bisgaard führt dies darauf zurück, dass die Mütter in der Spätschwangerschaft wegen der kürzeren Tage im Winter weniger Vitamin D in der Haut bilden konnten.

Einen konkreten gesundheitlichen Nutzen der höheren Knochenmineralisierung konnte Bisgaard nicht nachweisen. In den anthropometrischen Untersuchungen wurden keine signifikanten Unterschiede zwischen den Kindern aus den beiden Gruppen in Größe, Gewicht, Body-Mass-Index, Taille, Kopfumfang und Thoraxumfang gefunden.

Weniger Knochenbrüche ohne Signifikanz

Auffällig ist allerdings, dass nach pränataler Vitamin D3-Substitution tendenziell weniger Kinder in den ersten 6 Lebensjahren Knochenbrüche erlitten (22 versus 33 Kinder). Die relative Inzidenzrate von 0,62 verfehlte aber mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,37 bis 1,05 das Signifikanzniveau.

Es bleibt möglich, dass die höhere Knochenmineralisation zu einer höheren „peak bone mass“ im Erwachsenenalter führt. Die „peak bone mass“ wird im Alter von 20 bis 30 Jahren erreicht. Danach kommt es zu einem kontinuierlichen Abfall. Eine niedrige „peak bone mass“ gilt als Risikofaktor für eine Osteoporose im Alter. Die pränatale Vitamin D3-Substitution könnte die Kinder davor schützen. Beweisen lässt sich dies durch die jetzigen Ergebnisse jedoch nicht.

Noch keine Leitlinienempfehlung

Ob die Leitlinien aufgrund der Studienergebnisse Schwangeren empfehlen werden, eine 7-fache Substitution mit Vitamin D2 durchzuführen, bleibt abzuwarten. Dem Editorialisten—Team um Sture Andersson von der Universität Helsinki scheint jedenfalls unwohl bei dem Gedanken zu sein. Die Sicherheit der Vitamin-D-Gabe sollte zunächst weiter untersucht werden, rät Andersson. Er verweist auf die Schwächen der Studie. Dazu gehört der relativ geringe Anteil der Kinder, für die verwertbare DXA-Scans zur Verfügung standen. Außerdem gibt es keine Angaben zur Vitamin-D-Behandlung der Kinder nach der Geburt. Die Mütter erfuhren zudem im Alter der Kinder von 3 Jahren, ob sie in der Schwangerschaft Vitamin D erhalten hatten. Die Verblindung war damit aufgehoben.

Die pränatale Vitamin D-Substitution wurde in den letzten Jahren in einer weiteren randomisierten Studie untersucht. In der MAVIDOS-Studie („Maternal Vitamin D Osteoporosis Study“) waren 1.134 Frauen auf eine Substitution mit 1.000 IU 25-hydroxy-Vitamin D oder Placebo randomisiert worden. Ein Einfluss auf die Knochenmineralisierung war im Alter der Kinder von 2 Wochen nicht nachweisbar (Diabetes Endocrinology 2016; 4: 393-402). © rme/aerzteblatt.de

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