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Medizin

ECDC-Checkliste: Wie Kliniken sich auf Covid-19 vorbereiten sollten

Donnerstag, 27. Februar 2020

Klinikgang /dpa
Mehr als 1.400 internistische Abteilungen und über 1.200 Intensivstationen stehen mit etwa 28.000 Intensivbetten bereit, um Patienten zu versorgen. /dpa

Stockholm – Jetzt, wo eine Pandemie Covid-19 nicht mehr aufzuhalten ist, müssen sich die Kliniken auf die neue Situation vorbereiten. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hat hierzu eine Checkliste veröffentlicht.

Die Falldefinition wurde der neuen Situation angepasst. Als Verdachtsfall gelten alle Personen mit akuter Atemwegsinfektion (leicht oder schwer), die in den 14 Tagen vor Auftreten der Symptome engen Kontakt mit einem bestätigten oder wahrscheinlichen Fall einer Covid-19-Erkrankung hatten oder sich in Gebieten mit vermuteter örtlicher Ausbreitung aufgehalten haben. Dazu zählen derzeit 4 Regionen in Italien, wobei sich die Zahl rasch erhöhen kann.

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Denn in den nächsten Tagen bis Wochen wird es vermutlich in ganz Europa zu ähnlichen Entwicklungen kommen wie zuletzt in Italien, heißt es in einer Pressemitteilung des ECDC. In Kliniken könnte eine erhöhte Zahl schwerer Erkrankungen anfallen. Gleichzeitig muss der Normalbetrieb aufrechterhalten werden.

Das ECDC rät den Kliniken, ein Kernteam aus Management, Hygienefachpersonal, Infekti­ologen und Experten der Bereiche Intensivmedizin und Notfallaufnahme zusammen­zustellen sowie Kontaktstellen für die internen Abläufe in der Klinik und die externen Bereiche (Fallmeldungen, Kontakt mit Behörden etc.) zu schaffen.

Das zweite Element der Checkliste betrifft die Sicherstellung der notwendigen Kapazitäten an Personal, Material und Räumlichkeiten. In allen Bereichen drohe ein Mangel, warnt die ECDC. Personal könne durch Erkrankungen (und auch Burnout) ausfallen, beim Material könnte es zu Engpässen bei Desinfektionsmitteln, persönlicher Schutzkleidung und im Labor an Testsets kommen. Bei den Räumlichkeiten müssten Möglichkeiten zur Isolierung von Patienten geschaffen und eine klare Trennung zu den anderen Bereichen sichergestellt werden, so die Empfehlung der ECDC.

Im dritten Element werden Ratschläge für die interne und externe Kommunikation gegeben, wobei der Datenschutz der Patienten beachtet werden müsse.

Die ECDC rät im vierten Element zu einem Training oder zur Bereitstellung von Informationen zu den Hygienevorschriften, zur Nutzung der Schutzkleidung sowie zur vorgesehenen Triage der Patienten. Neben der ausreichenden Vorhaltung von Desinfektionsmitteln und Schutzkleidung muss dabei auch die fachgerechte und sichere Entsorgung sichergestellt werden.

Bei der Triage (Element 5) sollte nach Möglichkeit im Vorfeld („Tele-Triage“) geklärt werden, wie und wo die Patienten auf dem kürzesten Weg versorgt werden können. Eine Ausweitung der Warteräume könnte notwendig werden. Leichtere Fälle könnten gebeten werden, im Auto auf die Behandlung zu warten.

Die Unterbringung der Patienten und ihr Transport in die Klinik (Element 6) muss geplant werden. Da die Bewegungen der Patienten in der Klinik ein Sicherheitsrisiko sind, sollte die Zahl der Untersuchungen auf ein Minimum beschränkt werden. Auch Zugang der Besucher könnte eingeschränkt werden. Die Isolationszimmer sollten sie nur einzeln betreten.

Am Ende (Element 7) muss sichergestellt werden, dass die Umgebung des Patienten regelmäßig gereinigt und desinfiziert wird, um eine Übertragung des neuartigen Sars-CoV-2 auf Personal und andere Patienten zu vermeiden.

DKG gibt deutschen Kliniken Tipps zur Vorbereitung

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft stellte klar: „Das Coronavirus und seine Auswirkungen auf die Versorgung stellen für die deutschen Krankenhäuser eine große Herausforderung dar. Die Kliniken sind aber bestmöglich aufgestellt und bereiten sich intensiv auf steigende Infektions- und Patientenzahlen vor“, erklärte der Hauptgeschäftsführer der DKG Georg Baum.

Etwas kritischer äußerte sich heute die Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen. Zwar sieht auch sie die Kliniken im Land grundsätzlich auf eine mögliche Ausbreitung des neuartigen Coronavirus vorbereitet – es würden sich dennoch Probleme abzeichnen. Für eine Isolation von Kranken seien die Häuser gerüstet, sagte deren Präsident Jochen Brink heute der Rheinischen Post. Größere Herausforderungen stelle aber eine mögliche Erkrankung des Personals dar. Auch Betreuungsprobleme durch geschlossene Kindergärten könnten die angespannte Personalsituation in Kliniken verschärfen, sagte Brink weiter. „Hierfür müssen Lösungen her“, sagte er.

Wie gut Kliniken mit Materialien wie Schutzkleidung für Ärzte und Pflegekräfte ausgestattet sei, schwanke zudem erheblich und hänge unter anderem von Lagerkapazitäten ab. Beamtmungsgeräte stünden auf Intensivstationen aber in ausreichender Zahl zur Verfügung.

Die DKG empfiehlt folgende Maßnahmen:

  • Information und Schulung der Mitarbeiter

  • Prüfung von Beständen und Bevorratung mit persönlicher Schutzausrüstung, Arzneimitteln und viruszerstörenden Desinfektionsmitteln

  • Information von Patienten und Besuchern

  • Abtrennung von Isolationsbereichen

  • Mögliche Zugangskontrollen einrichten

Die Isolierung von Coronapatienten beziehungsweise Verdachtsfällen diene derzeit der Eindämmung der Ausbreitung des Virus, nicht der Behandlung der Kranken, heißt es zudem in der Pressemitteilung der DKG. Sie machen darauf aufmerksam, dass sich fast jedes Krankenzimmer mit eigener Nasszelle als Isolierzimmer eignet. Wichtig sei jedoch, dass sich eine eventuell vorhandene geschlossene Lüftung deaktivieren lasse. Zudem könnten Zimmer nachträglich mit Schleusen ausgestattet werden. In so einem Fall würde zum Beispiel der Eingangsbereich eines Krankenzimmers mit Folien abgetrennt, rät die DKG. Auf diese Weise könne die Zahl der Isolier- und Schleusenzimmer schnell erhöht werden.

Im Vordergrund stünde aber die Einhaltung der Hygienevorschriften („Kittelpflege“, Desinfektion mit viruszerstörenden Mitteln), die Behandlung von Nebenerkrankungen und die Eindämmung weiterer Infektionen, zum Beispiel durch die Verringerung der Kontakte auf ein Minimum.

Bei der Diagnostik und Behandlung von Patienten mit Verdacht auf das Coronavirus seien die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) für die Klinik maßgeblich, so die DKG. Sie fordern alle Krankenhäuser auf, die aktuellen Informationen aus dem RKI und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung regelmäßig abzurufen und für Mitarbeiter und Patienten bereitzustellen. Die DKG erwartet, dass die Krankenkassen, die Kosten für die Coronavirustests erstatten. © rme/dpa/gie/aerzteblatt.de

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