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Ausland

E-Rezept entwickelt sich in Polen zum Erfolg

Freitag, 28. Februar 2020

/lenetsnikolai, stockadobecom

Berlin – Polen treibt die Digitalisierung des Gesundheitswesens mit Nachdruck voran. Ein landesweites elektronisches Rezept (E-Rezept), die elektronische Überweisung (E-Über­wei­sung) und ein Patientenportal sind in Betrieb. Eine elektronische Patienten­akte (ePA) soll bis Mitte des Jahres folgen.

Über den Stand der aktuellen E-Health-Pläne berichtete Wiktor Rynowiecki, Direktor der Abteilung für wichtige Gesundheitsschutzsysteme in Polen, diese Woche auf dem Health IT Talk in Berlin. In einer Studie der Bertelsmann-Stiftung vom November 2018, die die Digitalisierung verschiedener Gesundheitssysteme miteinander verglich, lag Polen noch hinter Deutsch­land auf dem letzten Platz. Seitdem hat sich in beiden Ländern viel getan.

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Das Polnische Zentrum für Gesundheitsin­for­mationssysteme (Centrum Systemów Infor­macyjnych Ochrony Zdrowia, CSIOZ), in dem Rynowiecki eine Abteilung leitet, hat aktuell rund 300 Mitarbeiter und ist dem Ge­sund­heits­mi­nis­terium unterstellt. „Wir sind die pol­nische Version der Gematik in Deutschland. Sozusagen der IT-Arm des Gesundheitsminis­teriums“, sagte der Abteilungsleiter.

Anders als die Gematik entwickelt das Zentrum jedoch nicht nur die Infrastruktur und de­finiert Datenstandards, sondern stellt auch zentrale Server bereit, programmiert Systeme selbst und administriert diese laufend. Dazu gehört beispielsweise eine Internet­platt­form, über die jeder Patient seine bisherigen Verordnungen und Termine einsehen kann – inklusive der erstatteten Kosten durch die Krankenkasse und dem Namen des Leistungs­erbringers.

Hier gibt es die Option, über einen Einmalzugangscode einer Vertrauensperson oder ei­nem Arzt Zugriff zu den Gesundheitsdaten zu gewähren. Erst die Registrierung auf die­sem Portal und die Angabe einer Handynummer oder E-Mail-Adresse ermöglicht den Zugang zum E-Rezept und der E-Überweisung.

Polnisches E-Rezept soll in Deutschland gelten, wenn Deutschland bereit ist

Seit Januar 2019 sind die rund 14.000 polnischen Apotheken gesetzlich verpflichtet, Rezepte in elektronischer Form zu akzeptieren. Bis Anfang 2020 konnten die klassischen Rezepte in Papierform weiterhin verwendet werden. Nun sollen nur noch elektronische Rezepte verwendet werden, beziehungsweise deren Ausdruck. Allein im Januar wurden so bereits mehr als 37 Millionen E-Rezepte ausgestellt, sagte Rynowiecki.

Dafür erstellt der behandelnde Arzt über ein zentrales System einen vierstelligen Code und fügt seine digitale Unterschrift hinzu. Den Code bekommt der Patient dann per SMS oder E-Mail vom zentralen Server, sofern er sich bereits registriert hat. Alternativ erhält er einen Ausdruck vom Arzt ausgehändigt. Mit dem Code und einer persönlichen Identifika­ti­onsnummer, die jeder polnische Staatsangehörige besitzt, kann das Medikament in der Apotheke der Wahl abgeholt werden.

Für chronisch Kranke ist es auch möglich, ohne Arzttermin bereits verschriebene Medika­mente erneut zu erhalten. Hierfür reicht eine Anfrage – telefonisch oder per Mail – an den behandelnden Arzt, der daraufhin einen neuen Code verschicken lässt.

Bürger anderer EU-Länder sollen, sobald EU-weit verwendete Standards in deren Heimat­land implementiert wurden, ihre Medikamente auch in Polen erhalten können. Umge­kehrt sollen polnische Staatsangehörige in Ländern, deren Systeme mit dem Polnischen kompatibel sind, versorgt werden können.

E-Überweisung gilt nur für einen Termin

Dieselbe Funktionsweise – der Arzt erstellt einen Code, der dem Patienten eine Leistung zugänglich macht – benutzt das polnische System auch für die elektronische Überwei­sung.

Bei der Vergabe eines Termins wird der 14-Tage gültige Code im System vormarkiert, nach dem Arztbesuch ändert sich sein Status dann auf „verbraucht“. So soll das Problem langer Wartezeiten, mit dem das polnische Gesundheitssystem bisher kämpft, gelöst wer­den, berichtete Rynowiecki.

Elektronische Patientenakte schon Mitte 2020

Für die elektronische Patientenakte plant das Zentrum für Gesundheitsinformations­sys­teme keine zentrale Speicherung der Dokumente. Stattdessen soll es ein Register geben, in dem hinterlegt wird wo die jeweiligen Informationen abrufbar sind. Zudem soll die Zu­stimmung der Patienten zentral gespeichert werden. Die ePA-Server fungieren hier nur als vertrauensvoller Vermittler im Hintergrund: Nur wenn das System zweimalig ange­fragt wird, erfolgt der Datenaustausch.

Ein Beispiel: Ein Arzt benötigt einen OP-Bericht eines Patienten und fragt dieses beim zentralen Server an. Der Computer sendet ihm einen Querverweis zurück, über den der Arzt nun direkt bei einem behandelnden Krankenhaus nach dem Bericht fragen kann. Das Krankenhaus muss sich vor der Herausgabe noch einmal beim zentralen System versi­chern, dass die Anfrage auch dort eingegangen ist.

Zukünftig sollen sich die Abrechnungen der Praxen und Krankenhäuser an ihren täglichen Eintragungen in das Register der elektronischen Patientenakten orientieren, so Rynowie­cki. Doch das sei eine Herausforderung für die Zukunft. © jff/aerzteblatt.de

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