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Politik

Minister wollen über Neuordnung der Therapieberufe entscheiden

Donnerstag, 27. Februar 2020

/dpa

Berlin – Im März wollen Bund und Länder bei einem Ministertreffen über die Neuord­nung der Gesundheitsfachberufe entscheiden. Das geht aus einer Antwort der Bundesre­gierung auf eine Kleine Anfrage der FDP im Bundestag hervor, die dem Deutschen Ärzte­blatt vorliegt.

Nach der politischen Konsentierung sei geplant, die Eckpunkte des „Gesamtkonzepts Ge­sund­heitsfachberufe“ zu veröffentlichen, schreibt Sabine Weiss, parlamentarische Staats­sekretärin des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG).

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Die Bundesregierung weist in der Antwort darauf hin, dass man die Ausbildungen in den Gesundheitsfachberufen neu ordnen und stärken wolle. Das sei im Koalitionsvertrag von Union und SPD vereinbart worden.

In dem Konzept, das man mit den Ländern zwischen­zeitlich erarbeitet habe, würden ne­ben Themen wie Schulgeldabschaffung und Akademi­sierung der Ausbildung auch die Mo­derni­sie­rung der Berufsgesetze und damit einher­ge­henden Finanzierungsfragen erör­tert.

Weniger Absolventen, weniger Neuanfänger

Die Antwort der Bundesregierung zeigt darüber hinaus, dass die Zahl der Absolventen eben­so wie die Zahl der Neuanfänger von Ausbildungen in den Gesundheitsberufen Phy­siothe­rapie, Ergotherapie, Logopädie und Podologie zurückgegangen ist.

So sank die Zahl der Physiotherapie-Absolventen von 6.450 (2011) auf 5.325 im Jahr 2018. Rückläufig sind auch die Abschlüsse der Ergotherapeuten. Wurden 2011 noch 2.870 Auszubildende fertig, waren es 2018 noch 2.535. In der Logopädie sank die Zahl im Jahr 2018 auf 999 (2011: 1.169) und bei den Podologen auf 390 (2011: 433).

Die Anzahl der Schüler im ersten Ausbildungsjahr ist ebenfalls gesunken, wie die Daten zeigen. Starteten 2011/2012 noch 8.223 Menschen eine Ausbildung zum Physiothera­peuten, sind es 2018 noch 7.836 gewesen.

Bei den Ergotherapeuten gab es einen Rückgang von 3.590 (2011/2012) auf 3.527 (2018/ 2019), bei den Logopäden von 1.326 (2011/2012) auf 1.173 (2018/2019). Auch in der Po­dologie geht die Zahl weiter zurück. Sie sank von 516 (2011/2012) auf 486 (2018/2019).

Zugleich ist jedoch in den vergangenen Jahren die Anzahl der Beschäftigten in den The­ra­pieberufen deutlich angestiegen. So waren zum Beispiel in der Physiotherapie 2012 128.526 Menschen sozial­ver­sicherungs­pflichtig beschäftigt, 2019 sind es 156.990 gewe­sen (Ergotherapeuten: 39.561 (2012); 51.007 (2019).

Fachkräftemangel befürchtet

Ein Fachkräftemangel besteht derzeit zum Teil in einem geringen Umfang. Es gibt den Zahlen zufolge nur wenige offene Stellen mehr als Arbeitskräfte. Im Januar dieses Jahres gab es demnach 9.340 offene Stellen für Therapieberufe in Deutschland. Zugleich gab es etwa 8.275 Arbeitssuchende. In der Physiotherapie standen 5.954 freie Stellen 5.080 Arbeitssuchenden gegenüber (Ergotherapie 2.224/2.003, Logopädie 855/585).

Allerdings befürchtet die Bundesregierung in Zukunft einen Fachkräftemangel. Es werde für die Therapieberufe erwartet, dass aufgrund einer wachsenden demografie­getriebenen Nachfrage, die bereits heute „angespannte Arbeitskräftesituation“, wie etwa bei Physio­the­rapeuten und in der Sprachtherapie, „sich nicht entspannen“ werde, heißt es in der Antwort der Bundesregierung.

Deswegen im Ausland verstärkt Fachkräfte in diesen Berufen anzuwerben, plant die Bun­d­esregierung nicht. „Derzeit liegt der Fokus bei der Gewinnung von Fachkräften im Aus­land im Bereich Pflege“, schreibt Staatssekretärin Weiss.

Das Ministerium weist ebenfalls darauf hin, dass Ergebnisse zu den Modellstudiengängen in einigen der Therapieberufe ab dem Jahr 2022 vorliegen. Die Frist zur Erprobung der Modellvorhaben ende am 31. Dezember 2021.

Keine Informationen hat die Bundesregierung darüber, welchen Schulabschluss diejeni­gen haben, die in den Modellstudiengängen studieren. Das gilt auch für die Menschen, die aktuell in einem Therapieberuf ausgebildet werden.

Der FDP-Abgeordnete Wieland Schinnenburg, Mitglied im Gesundheitsausschuss des Bundestags, sagte dem Deutschen Ärzteblatt, er erhalte eine Reform der Ausbildungen in den Therapieberufen für „überfällig“. Ob eine Akademisierung der Therapieberufe sinnvoll sei, könne nicht beantwortet werden, solange Daten zu den Schulabschlüssen der heuti­gen Auszubildenden fehlten.

„Wenn nämlich ein Großteil der Bewerber nicht über eine Hochschulzulassung verfügt, würde durch eine Zwangsakademisierung ein Fachkräftemangel verursacht“, sagte er. Er forderte die Bundesregierung auf, verlässliche Daten zu liefern, auf deren Grundlage neue und attraktive Ausbildungswege entwickelt werden könnten. © may/aerzteblatt.de

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