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Ärzteschaft

Test auf SARS-CoV-2: Ärzte entscheiden, Kassen übernehmen die Kosten

Freitag, 28. Februar 2020

/picture alliance, ROPI

Berlin – Das Coronavirus SARS-CoV-2 breitet sich in Deutschland weiter aus. Um das An­steckungsrisiko zu verringern, wurden jetzt die Indikationskriterien zur Testung auf das Virus ausgeweitet, wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) bekannt machte.

Bislang hatten die Krankenkassen die Kosten für Tests nur bei Patienten übernommen, die entweder Kontakt zu einem bestätigten Fall hatten oder innerhalb der vergangenen 14 Tage in einem vom Robert-Koch-Institut (RKI) genannten Risikogebiet gewesen sind, zum Beispiel in der chinesischen Stadt Wuhan oder in der italienischen Region Lombar­dei, und entsprechend Symptome aufwiesen.

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Mit der neuen Regelung, obliegt die Entscheidung den Ärzten, ob ein Patient getestet werden soll oder nicht, so die KBV. Als Orientierungshilfe diene das Schema des RKI zur Verdachtsabklärung, das auf den Internetseiten des Instituts und der KBV zu finden ist.

Die Tests können laut KBV in allen Laboren ausgewertet werden. Konkret entnimmt bei­spielsweise der Hausarzt dem Patienten einen Rachenabstrich und sendet das Ganze dann zur Auswertung an ein Labor.

Erst gestern hatte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) betont, es gelte die der­zeit herrschende Unsicherheit in den Praxen für die Testung auf SARS-CoV-2 aus dem Weg zu schaffen. Viele Ärzte fragten sich momentan, in welchen Fällen sie testen könnten und ob dies dann auch von den Krankenkassen erstattet werde, sagte der Minister. Das müsse sich schnellstmöglich ändern, so Spahn. Wenn ein Arzt die Testung auf SARS-CoV-2 als indiziert ansehe, dann müsse die Krankenkasse dafür auch aufkommen.

Spahn erklärte auch, dass er Kassenärztliche Vereinigungen und Ärztekammern in der Pflicht sieht, Ärzte über den Umgang mit SARS-CoV-2 zu informieren. Er betonte, dass dies bereits stattfinde. Es müsse aber mehrfach und kontinuierlich geschehen, um alle Praxen und Ärzte zu erreichen.

Appell an Patienten, Hinweise für Ärzte

Die KBV appellierte heute an Patienten, die sich als Verdachtsfall sehen, zuerst in der Praxis anzurufen. Ärzten werde empfohlen, ihre Abläufe möglichst so zu organisieren, dass Verdachtsfälle nicht während der normalen Sprechzeit in die Praxis kämen, hieß es. „Sollte das dennoch der Fall sein, sind die Abläufe dieselben, wie bei anderen infektiösen Patienten.“

Die KBV betonte, dass Ärzte verpflichtet seien, alle begründeten Verdachts-, Krankheits- und Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus dem örtlichen Gesundheitsamt zu mel­den. Die Meldung – inklusive dem Namen und den Kontaktdaten der betroffenen Person – müsse innerhalb von 24 Stunden erfolgen.

Um einen meldepflichtigen „begründeten Verdachtsfall“ handelt es sich laut RKI, wenn die Person Kontakt zu einem bestätigten Fall hatte oder innerhalb der letzten 14 Tage in einem vom RKI genannten Risikogebiet gewesen ist und Symptome wie Fieber, Heiser­keit, Husten oder Atemnot aufweist. Alle anderen Verdachtsfälle sind nicht mehr zu mel­den.

Wichtig ist laut KBV außerdem: Fälle, bei denen ein klinischer Verdacht vorliegt oder eine Infektion mit dem SARS-CoV-2 nachgewiesen wurde, sind mit der Ziffer 88240 zu kenn­zeich­nen. Dies sei „wichtig für die Erstattung der Behandlungskosten“.

Die Bundesregierung hat angesichts der Ausweitung der Infektionskrankheit einen Kri­senstab eingerichtet. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und Bundesgesund­heitsminister Jens Spahn (CDU) teilten mit, dass sich der Krisenstab in seiner nächsten Sitzung unter anderem damit beschäftigen werde, wie die weitere Ausbreitung des Virus minimiert werden kann. Auch Großveranstaltungen sollten dann auf den Prüfstand kommen.

Wie die medizinische Versorgung im Pandemiefall organisiert wird, ist Ländersache. So sollte in den Pandemieplänen geregelt sein, wo sich möglicherweise infizierte Patienten hinwenden oder Kranke behandelt werden. Die KBV und die Kassenärztlichen Vereinigun­gen sind dazu im Austausch mit den Ge­sund­heits­mi­nis­terien auf Bundes- und Landes­ebene.

Der Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL) rechnet mit einer rasch zunehmenden Zahl von Covid-19-Tests in deutschen medizinischen Laboratorien. Der BDL-Vorsitzende Andreas Bobrowski warnte zugleich vor einem „Weiter so“ im deutschen Gesundheits­sys­tem.

„Die medizinischen Labors sind für das Coronavirus gerüstet, aber die Ausdünnung diag­nostischer Infrastrukturen durch regulatorische Eingriffe vergangener Jahre wirkt sich jetzt konkret aus“, sagte er. Der Weg zum nächsten medizinischen Labor sei weiter und der Draht des Hausarztes zur nächsten laborärztlichen Kollegin dünner geworden. Es sei ohne finanzielle Not und gegen jede medizinische und ökonomische Vernunft an der medizinischen Diagnostik gespart worden. Das dürfe sich nicht fortsetzen.

Praxisplakate zu Virus und Hygiene

Um eine Ansteckung mit dem Virus zu vermeiden, ist laut KBV die Einhaltung von Hygie­nemaßnahmen wie gründliches Händewaschen wichtig. Die Bundeszentrale für gesund­heitliche Aufklärung (BZgA) hat dazu ein Plakat „10 Hygienetipps“ erstellt, das Ärzte für ihre Wartezimmer nutzen können.

Außerdem bietet das RKI Poster zum Coronavirus in mehreren Sprachen sowie ein Infopa­pier mit Fragen und Antworten. Alle Dokumente finden Interessierte auch auf einer The­menseite der KBV zum Coronavirus. Das RKI bietet Fachleuten auf seiner Themenseite zum Coronavirus zudem umfassende Informationen, die täglich aktualisiert werden. Zum Vorgehen bei Patienten mit akuten respiratorischen Symptomen und Verdacht auf Infek­tio­nen mit dem neuartigen Coronavirus gibt es ein übersichtliches Schema des RKI.

Zuletzt gehörten zu den Menschen, die sich in Deutschland mit SARS-CoV-2 infiziert ha­ben, auch immer mehr Ärzte und Pflegekräfte. Gestern Abend wurde bekannt, dass sich ein Mitarbeiter der Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppen­dorf (UKE) infiziert hat.

Der UKE-Mitarbeiter war den Informationen des Krankenhauses und der Behörde zufolge in Italien im Trentino im Urlaub gewesen und am Sonntag an seinen Wohnort nach Schles­wig-Holstein zurückgekehrt.

Am Montag habe er noch am UKE gearbeitet – und dann am Diens­tag während der Arbeit Krankheitssymptome entwickelt. Daraufhin habe er den Dienst abge­brochen, hieß es weiter. Die Kontaktpersonen des Erkrankten sollten informiert und getestet werden. Das Trentino sei nicht als Risikogebiet für das neuartige Coronavirus definiert gewesen, hieß es.

Bei dem neuen Fall in Bayern soll es sich nach einem Bericht der Erlanger Nachrichten um einen Hautarzt handeln. Der Mediziner arbeite demnach an der Erlanger Hautklinik und habe sich auf einem Kongress in München bei einem italienischen Kollegen ange­steckt.

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, rechnet frühestens im kommenden Jahr mit einem Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus – warnt aber vor Panik. „In ein paar Jahren werden wir mit einer weiteren grippeartigen Erkrankung leben, die COVID-19 heißt und gegen die wir impfen können. Jetzt gilt es den Übergang zu ma­na­gen“, sagte Montgomery der Passauer Neuen Presse. Die Technik der Impfstoff-Ge­win­nung und -Zulassung dauere mindestens ein Jahr. „In einem günstigen Fall haben wir nächstes Jahr einen Impfstoff.“

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) habe Recht, wenn er sage, dass Deutsch­land an der Schwelle zur Epidemie sei, sagte Montgomery. Forschungsergebnisse aus Hamburg deuteten aber darauf hin, dass sich das Virus gerade abschwäche. „Richtig ist jetzt, wo immer möglich, den Ausgangspunkt der Infektion zu finden und Quarantäne-Maßnahmen in begrenzten Bereichen durchzuführen. Isolationsstationen in den Kliniken müssen mit Hochdruck geschaffen werden“, sagte Montgomery weiter.

Abgeriegelte Ortschaften machten nur Sinn, „wenn in Dörfern oder Kleinstädten Ver­kehrs­verbindungen leicht abgegrenzt werden können“, sagte der Chef des Weltärzte­bun­des. „Vor allem müssen wir aber aufhören, Panik zu machen. Das Virus kann bei manchen Menschen zu schweren Erkrankungen führen. Bei über 80 Prozent führt es aber nur zu erkältungsähnlichen Symptomen. Dies ist aber nicht der Weltuntergang.“ © may/dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #88767
fjmvw
am Montag, 2. März 2020, 18:09

Bewusste Irreführung, liebes Ärzteblatt?

Natürlich zahlen die Kassen alles, was im ambulanten Bereich an Kosten anfällt.

Allerdings zahlen die Kassen nur EINMAL und zwar eine Gesamtvergütung mit befreiender Wirkung. Will sagen: Egal welche Kosten im Zusammenhang mit SARS-CoV-2 anfallen, die Kassen "haben bereits gezahlt" - nämlich die Gesamtvergütung.

Je mehr Ausgaben für die Testung bei Laboren und Arztpraxen anfallen, desto stärker fällt das Honorar der Kassenärzte.

Zutreffenderweise müsste es heißen:
Die Ärzte zahlen alles rund um die ambulante Testung auf SARS-CoV-2 aus ihrer Gesamtvergütung.

Aber ich gebe zu, die Schlagzeile "Kassen übernehmen die Kosten" wirkt für die meisten Ärzte viel beruhigender.
Avatar #104741
urgestein
am Freitag, 28. Februar 2020, 19:33

Keine Regelkng für Notfallambulanzen

Wieder einmal gehen die Notfallambulanzen leer aus. Sie müssen das auf eigene Kostrn machen- oder eben gar nicht. Und dass, obwohl alle Beteiligten wissen, dass hier ein großer Teil möglicher Betroffener primär vorstellig werden wird
Mittelalterliches System!
LNS

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