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Medizin

COVID-19: Virologen hoffen auf gute Wirkung von Remdesivir

Freitag, 28. Februar 2020

Remdesivir (C27H35N6O8P) /bacsica, stock.adobe.com
Das Nukleosidanalogon Remdesivir (C27H35N6O8P) wurde als Virustatikum unter anderem für Ebola- und Marburgvirusinfektionen entwickelt. /bacsica, stock.adobe.com

Edmonton/Alberta – Das Virustatikum Remdesivir, das ursprünglich zur Behandlung von Infektionen mit Ebola- und dem Marburg-Virus entwickelt wurde, wird derzeit in 4 klinischen Studien an Patienten mit COVID-19 getestet. Erste Ergebnisse werden für Anfang April erwartet. Virologen äußern sich im Journal of Biological Chemistry (2020; doi: 10.1074/jbc.AC120.013056) zuversichtlich, dass Remdesivir die Erwartungen erfüllt.

Remdesivir (RDV) gehört zu den Nukleotidanaloga. Nach der Kopplung an einem Triphosphat (TP) wird RDV-TP von der RNA-Polymerase des Virus als Baustein akzeptiert. Der Einbau in der RNA-Kopie gelingt jedoch nicht. RDV-TP bleibt in der RNA-Polymerase hängen, der „Kopierer“ den die RNA-Viren zur Vermehrung verwenden, „klemmt“ und die Replikation stoppt.

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Da viele RNA-Viren eine RNA-Polymerase benutzen, hat Remdesivir ein breites Wirkungs­spektrum. Zu den potentiellen Einsatzgebieten gehören neben Ebola- und Marburg-Fieber auch Infektionen mit dem Respiratory-Syncytial-Virus, dem Junín-Virus (Erreger des Argentinischen hämorrhagischen Fiebers), dem Lassa-Virus, dem Nipah-Virus, dem Hendra-Virus und Coronaviren, darunter SARS-CoV, MERS-CoV und deshalb vermutlich auch SARS-CoV-2.

Die einzige klinische Studie, in der Remdesivir bisher beim Menschen eingesetzt wurde, war die PALM-Studie. Dort wurden 175 Patienten, die an Ebola erkrankt waren, mit Remdesivir behandelt. Sie erhielten am ersten Tag eine Dosis von 200 mg und danach über 9 bis 13 Tage jeweils 100 mg Remdesivir, jeweils intravenös. Die im November im New England Journal of Medicine (2019; 381: 2293-303) publizierten Ergebnisse erfüllten nicht die Erwartungen. Nach 28 Tagen waren 93 von 175 Patienten (53,1 %) gestorben. Zwei Antikörper-Präparate erzielten eine bessere Wirkung.

COVID-19 ist allerdings nicht Ebola. Außerdem gibt es derzeit keine Antikörper-Präparate, die eingesetzt werden könnten. Die PALM-Studie hat gezeigt, dass Remdesivir in der Anwendung sicher ist – ein Patient erlitt nach der ersten Dosis einen Schock und verstarb an einem Herzstillstand, ob infolge der Behandlung ist nicht ganz klar.

Positive Erfahrungen mit nicht zugelassenem Medikament bei einem Patienten

Remdesivir könnte deshalb im Rahmen eines Heilversuchs eingesetzt werden (sofern der Hersteller das nicht zugelassene Medikament zur Verfügung stellt). US-Mediziner haben bei dem ersten COVID-19-Patienten des Landes positive Erfahrungen gemacht. Der Patient, der eine bilaterale Pneumonie entwickelt hatte, erholte sich nach einer einmaligen Infusion mit Remdesivir. Ob dies dem Virustatikum zu verdanken ist, lässt sich aufgrund eines Einzelfalls jedoch nicht klären.

Remdesivir gehört seither zu den Hoffnungsträgern. In China wurden bereits Anfang Februar 2 klinische Studien begonnen. An der Klinik der chinesisch-japanischen Freundschaft in Peking werden 453 Patienten mit schwerer COVID-19-Erkrankung auf Remdesivir (200 mg Anfangsdosis, danach 100 mg/die über 9 Tage, jeweils intravenös) oder Placebo randomisiert. Erste Ergebnisse könnten am 3. April vorliegen.

Eine 2. Studie wird von der chinesischen Akademie der Wissenschaften derzeit an der „Jin Yin Tan“-Klinik in Wuhan durchgeführt; 308 Patienten mit leichter bis mittelschwerer Erkrankung werden mit Remdesivir (gleiches Schema wie oben) oder Placebo behandelt. Erste Ergebnisse könnten am 10. April vorliegen.

Das US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) will in einer Studie 394 Patienten mit Remdesivir (gleiches Schema wie oben) oder Placebo behandeln. Die Behandlungen werden am Medizinischen Zentrum der Universität von Nebraska in Omaha durchgeführt. Der erste Teilnehmer war ein Passagier des Kreuzfahrtschiffes Diamond Princess, der in die USA zurückgeholt worden war. Ergebnisse könnten am 1. April vorliegen.

Der Hersteller hat dieser Tage 2 weitere Studien angekündigt. An der 1. Studie sollen etwa 400 Patienten mit schwerer COVID-19-Erkrankung teilnehmen. Die 2. Studie ist auf 600 Patienten mit mittelschwerer COVID-19 ausgelegt. Auch in diesen Studien werden die Patienten die oben genannte Dosis oder eine alleinige Standardbehandlung erhalten. In einer Gruppe werden die Patienten über 5 Tage und in einer 2. Gruppe über 10 Tage behandelt. © rme/aerzteblatt.de

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