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Medizin

Neue Einsichten in die Pathophysiologie der akuten Makuladegeneration

Dienstag, 3. März 2020

/picture alliance, Karl-Josef Hildenbrand

Tübingen – Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist in westlichen Ländern bei Menschen über 50 Jahren die häufigste Ursache für schwerste Seheinbußen bis hin zur kompletten Erblindung. Wissenschaftler um Simon Clark vom Forschungsinstitut für Au­genheilkunde am Universitätsklinikum Tübingen konnten jetzt ermitteln, wie ein Protein namens FHR4 im Rahmen des Komplementsystems zur AMD beiträgt. Die Arbeit ist im Fachmagazin Nature Communications erschienen (DOI: 10.1038/s41467-020-14499-3).

Seit mehr als 20 Jahren ist bekannt, dass Entzündungsprozesse bei der Entstehung der AMD eine zentrale Rolle spielen. Dabei ist Studien zufolge das Komplementsystem von Bedeutung. Dies ist als System von Plasmaproteinen ein Teil des unspezifischen humora­len Immunsystems. Ein starker genetischer Risikofaktor für die AMD ist das Protein Faktor-H (FH), das Teil dieser komplexen Kaskade des Immunsystems ist.

Die Wissenschaftler aus Tübingen, Manchester, Cardiff, London und Nijmegen gingen da­her der Frage nach, ob auch andere Regulatoren des Komplementsystems beim Kontroll­verlust im Immunsystem eine Rolle spielen. Sie analysierten 484 Patienten- und 522 Kon­trollproben aus zwei unabhängigen Untersuchungen. Es zeigte sich, dass das Faktor H assoziierte Eiweiß 4 (FHR4) im Blut von AMD-Patienten deutlich erhöht ist.

Das Forscherteam untersuchte dann auf genetischer Ebene, ob die gesteigerten FHR4-Mengen eine Ursache oder eine Folgeerscheinung von AMD sind. Alle Gene, die für FH, FHR4 und andere FH-Familien-Mitglieder kodieren, finden sich zusammen in einem en­gen räumlichen Cluster auf Chromosom eins.

Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass FHR4 ein kritischer Regulator von Komplement im Auge ist. Genetisch höhere FHR4-Mengen im Blut führen zu mehr FHR4 im Auge, wel­ches seinerseits das Risiko einer unkontrollierten Komplementaktivierung erhöht, und da­mit die Krankheit verstärkt.

Neben einem besseren Verständnis, was die AMD verursacht, liefert die Studie laut den Forschern eine Möglichkeit, das Risiko für AMD durch Messen der Mengen von FHR4 im Blut zu prognostizieren. Damit eröffne sich auch eine neue mögliche Behandlungsoption: „Indem man die FHR4-Mengen im Blut reduziert, um die Komplementkontrolle im Auge wiederherzustellen“, so die Forscher. © hil/aerzteblatt.de

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