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Medizin

Darmflora beeinflusst Mortalität nach Stammzelltrans­plantation bei Leukämien und Lymphomen

Dienstag, 3. März 2020

Darmflora /Alex, adobe.stock.com
/Alex, adobe.stock.com

New York – Die Störung der Darmflora, die bei vielen Patienten vor und nach einer allo­genen Stammzellbehandlung nachweisbar ist, beeinflusst das Ergebnis der Behandlung. Nach einer Studie im New England Journal of Medicine (2020; 382: 822-834) steigt mit abnehmender Vielfalt des Mikrobioms das Sterberisiko der Patienten.

Allogene Stammzelltransplantationen werden zunehmend bei älteren Patienten mit Leukämien und Lymphomen durchgeführt. Die Behandlung beginnt mit einer hochdosierten Zytostatika-Behandlung, die im Knochenmark Platz schaffen soll für die Stammzellen, die dort das kranke durch ein gesundes blutbildendes Gewebe ersetzen sollen. Die Zytostatika greifen auch die Darmbakterien an. Nach der Behandlung muss sich das Mikrobiom dort regenerieren, was nicht immer im gleichen Maße gelingt. Bei manchen Patienten dominieren nach der Behandlung einzelne Bakteriengruppen (Taxone).

Einem Team um Marcel van den Brink vom Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York war in früheren Untersuchungen aufgefallen, dass die Dominanz eines einzelnen Taxons mit verschlechterten Therapieergebnissen einhergeht. Die jetzige Analyse bestätigt die Vermutung.

An 4 Zentren in den USA, Japan und Deutschland (Universität Regensburg) wurden prospektiv bei 1.362 Patienten median 4 Stuhlproben untersucht. Durch die Sequenzierung der 16S-Anteile der Ribosomen wurde die Vielfalt (Diversität) der Bakterien im Darm der Patienten bestimmt.

Die Analyse ergab, dass Patienten mit der höchsten Diversität an Darmbakterien das niedrigste Sterberisiko hatten. Am Memorial Sloan-Kettering Cancer Center kam es bei 354 Patienten mit höherer Diversität zu 104 Todesfällen gegenüber 136 Todesfällen bei 350 Patienten mit niedrigerer Diversität. Die adjustierte Hazard Ratio von 0,71 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,55 bis 0,92 signifikant. Ein ähnliches Ergebnis zeigte sich in den 3 anderen Behandlungszentren. Hier kam es bei 87 Patienten mit höherer Diversität zu 18 Todesfällen gegenüber 35 Todesfällen bei 92 Patienten mit niedrigerer Diversität. Die adjustierte Hazard Ratio betrug 0,49 (0,27 bis 0,90).

Todesfälle zeichnen sich bereits vor der Behandlung ab

Die vermehrten Todesfälle waren laut van den Brink vor allem auf ein Versagen der Transplantation (Rezidiv oder Progression der Erkrankung) oder auf Graft—versus-Host-Reaktionen zurückzuführen. Interessanterweise zeichnete sich ein ungünstiges Ergebnis häufig bereits vor der Behandlung ab. Patienten, deren Darmflora bereits vor der Stammzellbehandlung eine niedrigere Diversität aufwies, hatten ein erhöhtes Sterberisiko nach der Stammzellbehandlung.

Die Mikrobiome mit geringerer Diversität wurden häufig von bestimmten Bakterien dominiert. Dazu gehörten Enterococcus, Klebsiella, Escherichia, Staphylococcus und Streptococcus. Die Dominanz von Enterococcus erhöhte laut der Studie die Anfälligkeit für eine Bakteriämie mit Vancomycin-resistenten Enterokokken und ein erhöhtes Risiko auf Graft-versus-Host Reaktionen. Bei Graft-versus-Host Reaktionen greifen Abwehrzellen, die sich von den Stammzellen herleiten, den für sie immunologisch fremden Körper an. Träger des Angriffs sind in der Regel T-Zellen. Interessanterweise hatte die Diversität der Darmflora bei Patienten, die von T-Zellen befreite Stammzellen erhielten, keinen Einfluss auf die Mortalität.

Die Forscher überlegen jetzt, ob sich die Überlebenschancen der Patienten durch einen fäkalen Mikrobiomtransfer („Stuhltransplantation“) verbessern lassen. © rme/aerzteblatt.de

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