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Medizin

COVID-19: Patienten in China jünger als bisher angenommen

Montag, 2. März 2020

Junger Mann aus Asien hält sich die Hand vor den Mund, um zu husten. /fotofabrika, stock.adobe.com
Bei fast 90 % der COVID-19-Patienten kam es während des Kranken­haus­auf­enthaltes zu Fieber. Mit fast 70 % war Husten das häufigste Symptom. /fotofabrika, stock.adobe.com

Guangzhou/China – COVID-19 ist keineswegs nur eine Erkrankung älterer multimorbider Menschen. Nach der bisher umfangreichsten Analyse von mehr als 1.000 Erkrankungen aus China im New England Journal of Medicine (2020; doi: 10.1056/NEJMoa2002032) liegt das mittlere Erkrankungsalter bei 47 Jahren und nur ein Viertel der Patienten wies Begleiterkrankungen auf. Alter und Multimorbidität erhöhen jedoch das Komplikationsrisiko.

Ein Expertenteam um Nanshan Zhong von der Universität in Guangzhou hat Daten von 1.099 Patienten zusammengetragen. Das ist etwa 1/7 der 7.736 COVID-19-Patienten, die bis zum Stichtag 29. Januar an einer von 552 Kliniken in China behandelt wurden. Der Anteil des Gesundheitspersonals an den Patienten beträgt 3,5 %. Kontakt mit Wildtieren hatten nur 1,9 %. Die Daten dürften deshalb repräsentativ sein für die nachfolgenden Epidemien, bei denen die Übertragung von Mensch zu Mensch erfolgt.

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Die mittlere Inkubationszeit betrug 4 Tage (Interquartilbereich 2 bis 7 Tage. Die Patienten waren im Durchschnitt 47 Jahre alt (Interquartilbereich 35 bis 58 Jahre). Die meisten (84 %) waren im erwerbstätigen Alter (15 bis 64 Jahre), nur 0,9 % der Patienten waren jünger und 15,1 % älter.

Weniger als die Hälfte der Patienten (43,8 %) hatte bei Aufnahme in der Klinik eine erhöhte Temperatur, bei 88,7 % kam es während des Kranken­haus­auf­enthaltes zu Fieber. Das häufigste Symptom war Husten (67,8 %). Eine Diarrhö war ungewöhnlich (3,8 %).

Die Patienten mit schweren Erkrankungen waren im Mittel 7 Jahre älter als solche mit leichten Erkrankungen. Begleiterkrankungen waren mit einem Anteil von 38,7 versus 21,0 % häufiger, aber keineswegs die Regel.

Häufige Befunde im CT

Bei den meisten Patienten wurde bei der Klinikaufnahme eine Computertomografie (CT) durchgeführt. Die häufigsten Befunde waren eine Milchglastrübung (56,4 %) and bilaterale fleckige Verschattungen (51,8 %). Bei 2,9 % der Patienten mit schwerer Erkrankung und 17,9 % mit nicht-schwerer Erkrankung wurden keine Veränderungen im CT gefunden.

Der Laborbefund zeigte bei 83,2 % der Patienten eine Lymphopenie, bei 36,2 % eine Thrombozytopenie und bei 33,7 % eine Leukopenie. Bei den meisten Patienten war das C-reaktive Protein erhöht.

Insgesamt 5,0 % der Patienten wurden auf eine Intensivstation überwiesen, darunter waren 2,3 %, die mechanisch beatmet werden mussten. Die Sterberate betrug 1,4 %.

Die meisten Patienten (58,0 %) wurden mit Antibiotika behandelt, 35,8 % mit Oseltamivir, 41,3 % der Patienten erhielten Sauerstoff.

Die häufigste Diagnose war eine Pneumonie (91,1 %), gefolgt vom akuten Atemnotsyndrom ARDS (3,4 %) und Schock (1,1 %). Die mittlere Aufenthaltsdauer in der Klinik betrug 12 Tage.

Laut Zhong hat die Erkrankung große Gemeinsamkeiten mit SARS, es kommt allerdings häufiger zu fieberfreien Verläufen (was die Frühdiagnose erheblich erschwert).

Die Case-Fatality-Rate war mit 1,4 % relativ gering, wenn man bedenkt, dass nur hospitalisierte Patienten in der Analyse berücksichtigt wurden. © rme/aerzteblatt.de

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