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Medizin

COVID-19: Nachverfolgung der Kontakte könnte bald an Grenzen stoßen

Dienstag, 3. März 2020

/Leigh Prather, stockadobecom

Stockholm – Die Nachverfolgung der Kontakte von COVID-19-Patienten ist personalin­tensiv. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) geht davon aus, dass die Gesundheitssysteme der einzelnen Länder früher oder später an ihre Grenzen stoßen werden.

Doch auch die Beschränkung auf Personen mit höherem Infektionsrisiko könnte die Aus­breitung von SARS-CoV-2 verlangsamen, heißt es in einem Technical Report.

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Mathematiker der Universität Warwick in Coventry schätzen, dass ein an COVID-19 er­krank­ter Mensch in den vorausgegangenen 14 Tagen im Durchschnitt Kontakt zu 217 Per­sonen hatte.

Die meisten haben weniger als 90 Personen getroffen, doch etwa 3 % könnten, beispiels­weise auf öffentlichen Veranstaltungen mehr als 1.000 Personen begegnet sein, schrei­ben Matt Keeling vom Warwick Mathematics Institute in medRxiv (2020; 10.1101/2020.02.14.20023036). Alle diese Personen zu untersuchen dürfte schon jetzt kaum möglich sein.

Die Nachverfolgung von Kontakten ist sehr zeit- und damit personalintensiv. Es beginnt mit dem Interview des Patienten, wofür die ECDC etwa 2 Stunden veranschlagt. Im nächs­ten Schritt müssen die persönlichen Daten der Kontakte ermittelt (6 Stunden) und in eine elektronische Datenbank eingegeben (1 Stunde) werden.

Die Klassifikation in enge Kontakte (höheres Infektionsrisiko) und Personen mit einem geringeren Infektionsrisiko erfordert noch einmal zwei Stunden. Für das Interview jeder Kontaktperson benötigen die Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden noch einmal 45 Mi­nuten.

Die Kontakte mit höherem Infektionsrisiko müssen über 14 Tage täglich angerufen wer­den, für Personen mit einem geringeren Infektionsrisiko muss ein Call-Center für die Be­antwortung von Fragen vorgehalten werden.

Wenn eine Kontaktperson über Symptome berichtet, muss sich ein Mitarbeiter für einen Test auf den Weg machen. Mit Hin- und Rückweg dürfte dies laut ECDC durchschnittlich etwa 3 Stunden dauern. Wenn größere Gruppen betroffen sind, etwa nach der Rückkehr aus einer Endemieregion, kann eine organisierte Quarantäne erforderlich werden.

Wenn die Zahl der COVID-19-Patienten eine gewisse Grenze erreicht, die für jedes Land unterschiedlich ist, müssen sich die Gesundheitsämter auf die Personen mit dem höchs­ten Risiko beschränken. Weil diese Personen potenziell die meisten Menschen anstecken, könnte auch diese eingeschränkte Kontaktverfolgung noch effektiv sein, heißt es in den Report.

Ein höheres Infektionsrisiko besteht nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) ab einem mindestens 15-minütigem Gesichts-(„Face-to-Face“)Kontakt, etwa bei einem Gespräch.

Medizinisches Personal gilt als gefährdet, wenn es sich im Rahmen von Pflege oder medi­zinischer Untersuchung einem COVID-19-Patienten ohne verwendete Schutzausrüstung auf weniger als 2 Meter genähert hat. © rme/aerzteblatt.de

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V. Günzler-Pukall
am Dienstag, 3. März 2020, 23:50

Stellen wir die richtigen Fragen?

Sollten wir nicht auch einmal die Frage stellen, ob das Coronavirus nicht vielleicht schon lange unerkannt hierzulande grassiert?
- dass das Virus erst vor Kurzem identifiziert wurde, sagt ja nichts darüber, wann der Sprung vom Tier auf den Menschen erfolgt ist.
- wenn man immer nur Patienten mit Symptomen auf das Virus untersucht, erfährt man nichts über den Durchseuchungsgrad der Bevölkerung.
- dass in Italien die Zahl der Erkrankungen und Todesfälle "aus dem Nichts" explodiert ist, hat möglicherweise eine andere, plausiblere Erklärung als "hohe Reisetätigkeit." Es ist sehr gut belegt, dass Viren durch Mutationen ihre Virulenz erhöhen können. Es kann also sein, dass eine harmlosere Variante des Virus schon lange vor Ort war und sich durch adaptive Mutation in ein tödliches Virus verwandelt hat.

Vielleicht ist es an der Zeit, einmal eine gesunde Kohorte der Bevölkerung auf Coronavirus - Antikörper zu testen. Ich wäre jedenfalls nicht überrascht, wenn es sich herausstellte, dass das Virus schon hier war, bevor es zum ersten Mal in den Nachrichten auftauchte.

Dr. med. Volkmar Günzler-Pukall
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