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Demografie: Wohnheime und Hilfsdienste für Menschen mit geistiger Behinderung nicht vorbereitet

Dienstag, 3. März 2020

/dpa

Münster – Wohnheime und Hilfsdienste für Menschen mit geistiger Behinderung müssen sich besser auf den demografischen Wandel vorbereiten. Die Anbieter seien oft nicht da­rauf eingerichtet, dass ihre Klienten älter würden, sagte Teilhabe-Forscher Friedrich Dieck­mann von der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen (KatHO NRW). Das führe „häufig dazu, dass Leute in Pflegeeinrichtungen landen“.

Die Kritik bezieht sich sowohl auf Einrichtungen, in denen Menschen mit geistiger Ein­schränkung leben, als auch auf ambulante Unterstützung, die Behinderte in einer eige­nen Wohnung oder bei den Eltern erhalten. Auch Angehörige sollten sich stärker mit dem Thema auseinandersetzen.

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Dieckmann und sein Team hatten sich von 2015 bis 2018 mit der Lage in Westfalen-Lippe beschäftigt. Seinen Angaben zufolge wohnt gut jeder Dritte der rund 31.000 geistig be­hin­derten Erwachsenen in dieser Region selbstständig oder bei der Familie.

Ab einem Alter von 65 ist es jedoch nicht einmal mehr jeder Zehnte. Rund 32 Prozent der Senioren sind in einem Wohnheim untergebracht. Weitere knapp 22 Prozent leben in einem Pflegeheim – Dieckmann zufolge oft dauerhaft. „Das ist eigentlich nicht der rich­tige Ort für eine ganze Lebensphase", sagte er. Das Forschungsprojekt endet in diesen Tagen mit einer Tagung in Münster.

Behinderte können dem Wissenschaftler zufolge besser an der Gesellschaft teilhaben, wenn sie in kleinen Gemeinschaften statt in großen Einrichtungen leben. Vielen Men­schen mit geistiger Einschränkung falle es jedoch schwer, für das Alter zu planen.

Beratungsangebote für Behinderte und ihre Angehörigen könnten helfen, so Dieckmann. Wohnräume müssten entsprechend gestaltet werden, denn auch im Alter hätten Behin­derte ein Recht auf gesellschaftliche Teilhabe.

Den Forschern zufolge haben geistig behinderte Senioren oft keine Familie gegründet. Vor allem die ältere Generation sei bei der Bildung benachteiligt und nicht regulär be­schäftigt worden. Sie verfüge eher über geringe Finanzmittel und wenig Vorbilder für ein selbstbestimmtes Leben im Alter.

In Deutschland wird laut Dieckmann zum ersten Mal eine große Gruppe von Behinderten alt. Das liege zum einen an der gestiegenen Lebenserwartung. Zum anderen sei die Vor­gänger-Generation noch von den Ermordungen im Nationalsozialismus betroffen gewe­sen. © kna/aerzteblatt.de

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